Halloween: So unterschiedlich feiert die Welt das Gruselfest
Gruselige Kostüme, geschnitzte Kürbisse, ein guter Horrorfilm und Kinder, die mit einem fröhlichen "Süßes oder Saures!" von Tür zu Tür ziehen: Halloween hat sich längst auch in Deutschland etabliert.
Doch ein Blick in andere Länder zeigt, wie unterschiedlich die Bräuche und Feierlichkeiten rund um Halloween ausfallen. Während in den USA ausgelassene Kostümpartys gefeiert werden, steht anderswo das Gedenken an verstorbene Familienmitglieder im Mittelpunkt.
Irland: Hier soll Halloween seine Wurzeln haben
Halloween hat einen bedeutenden Teil seiner historischen Wurzeln wohl in Irland. Schon vor mehr als 2.000 Jahren sollen die alten Kelten Samhain gefeiert haben. Das Fest signalisierte den Übergang zum Winter nach dem Ende der Erntezeit. Nach damaligem Glauben verschwammen in dieser Nacht die Grenzen zwischen der Welt der Lebenden und der Toten. Mit großen Lagerfeuern und Verkleidungen wollten sich die Menschen unter anderem vor bösen Geistern schützen.
Heute werden in Irland alte Bräuche mit modernen Halloween-Feiern verbunden. Besonders groß wird im nordirischen Derry gefeiert. Dort findet vom 28. Oktober bis zum 1. November 2026 das nach Angaben der Stadt größte Halloween-Festival Europas statt. Rund 120.000 Besucherinnen und Besucher zieht es demnach jedes Jahr zu den Feierlichkeiten. 2026 feiert das Festival sein 40-jähriges Bestehen.
USA: Halloween als große Kostümshow
In den USA ist Halloween vor allem ein Fest voller fantasievoller Kostüme und aufwendiger Dekorationen. Ganze Wohnviertel verwandeln sich in gruselige Kulissen mit geschnitzten Kürbissen, künstlichen Spinnweben und schaurigen Gestalten. Währenddessen ziehen Kinder und Jugendliche von Haus zu Haus. Dieser Brauch hat sich inzwischen auch in Deutschland verbreitet.
Mit dem Ruf "Trick or Treat!" ("Süßes oder Saures!") bitten die Kinder an den Haustüren um Süßigkeiten. Wer keine Leckereien verteilt, muss mit einem Streich rechnen. Ein Klassiker: Das Haus wird über Nacht mit Toilettenpapier eingewickelt. In Deutschland fallen solche Streiche meist harmloser aus. Für derartigen Schabernack ist hierzulande vor allem die Freinacht auf den 1. Mai bekannt, insbesondere in Süddeutschland.
Großbritannien: Rübenlaternen und Seelenkuchen
Halloween ohne Kürbisse? In Schottland war das früher ganz normal. Auch viele Halloween-Bräuche in Großbritannien haben ihre Wurzeln im keltischen Fest Samhain. Statt der heute üblichen Kürbislaternen wurden früher große Rüben ausgehöhlt und mit gruseligen Gesichtern versehen. Die sogenannten Tumshies, Neeps oder Moots dienten als Laternen und sollten böse Geister vertreiben. Erst mit der Auswanderung nach Nordamerika setzte sich der Kürbis als Halloween-Symbol durch.
Auch der heutige Brauch, von Tür zu Tür zu ziehen und nach Süßigkeiten zu fragen, hat historische Vorläufer in Großbritannien und Irland. Bereits im Mittelalter soll es dort üblich gewesen sein, sogenannte Soul Cakes, also "Seelenkuchen", zu backen. Rund um Halloween, Allerheiligen und Allerseelen zogen vor allem ärmere Menschen und Kinder von Haus zu Haus und baten um die meist süßen Küchlein. Im Gegenzug versprachen sie, für die Seelen Verstorbener zu beten oder Lieder zu singen.
Mexiko: Farbenfrohes Wiedersehen mit den Toten
Ein ganz anderes Bild zeigt sich in Mexiko. Dort wird rund um Allerheiligen und Allerseelen der "Día de los Muertos", auch "Día de Muertos" genannt, gefeiert. Der "Tag der Toten" gehört zu den wichtigsten Feiertagen des Landes. Zwar fallen die Feierlichkeiten zeitlich mit Halloween zusammen, doch handelt es sich um eine eigenständige Tradition.
Die Vorbereitungen beginnen vielerorts schon Tage, manchmal sogar Wochen im Voraus. Mit farbenfrohen Kostümen, Blumen und aufwendig geschmückten Altären gedenken die Menschen ihrer Verstorbenen. Nach traditionellem Glauben kehren die Seelen der Toten einmal im Jahr aus dem Jenseits zurück, um mit ihren Angehörigen ein fröhliches Wiedersehen zu feiern.
Die Bräuche unterscheiden sich je nach Region. Häufig sollen Blumen, Kerzen und kleine Opfergaben den Verstorbenen den Weg zu ihren Familien weisen. Zu Hause erwarten sie festlich geschmückte Altäre mit Blumen, Fotos und persönlichen Erinnerungsstücken. Für verstorbene Kinder wird oft auch Spielzeug aufgestellt. Dazu kommen Speisen, darunter die Lieblingsgerichte der Verstorbenen, sowie Wasser, um den Hunger und Durst der Seelen nach ihrer langen Reise zu stillen.
Spanien: Kastanien statt Kürbisse
In Katalonien trifft das moderne Halloween auf eine alte Herbsttradition: die Castanyada. Rund um den 31. Oktober und Allerheiligen stehen dabei vor allem geröstete Kastanien, Süßkartoffeln und kleine Mandelkügelchen, sogenannte Panellets, im Mittelpunkt. Der Brauch ist eng mit dem Gedenken an Verstorbene verbunden. Viele Menschen besuchen an diesen Tagen auch die Friedhöfe, um die Gräber ihrer Angehörigen zu schmücken.
Daneben gibt es regionale Gruselbräuche wie die "Nit d'Ànimes", die Nacht der Seelen. So verwandelt sich etwa die Kleinstadt Puigcerdà in den Pyrenäen am 31. Oktober in eine Bühne für 16 sagenhafte und schaurige Gestalten, die von den Überlieferungen der Region inspiriert sind.
Philippinen: Gemeinsames Gedenken auf dem Friedhof
Auf den Philippinen sind Allerheiligen und Allerseelen am 1. und 2. November wichtige Gedenktage. Die Feierlichkeiten werden als "Undas" bezeichnet und haben mit dem modernen Halloween wenig zu tun, auch wenn sie in denselben Zeitraum fallen.
Zahlreiche Menschen besuchen an diesen Tagen die Gräber ihrer Angehörigen und verbringen dort oft viele Stunden. Dabei geht es nicht nur um das Gedenken an die Verstorbenen, sondern auch um das Zusammensein mit der Familie. Millionen Menschen reisen in ihre Heimatorte, um Verwandte wiederzusehen und gemeinsam Zeit zu verbringen.
Wie groß die Feierlichkeiten sind, zeigen Zahlen der philippinischen Polizei. Nach Angaben der Philippine National Police sind 2026 rund 72.500 Polizistinnen und Polizisten im Einsatz. Sie sollen unter anderem an mehr als 5.000 Friedhöfen und Gedenkstätten sowie an stark besuchten Orten für Sicherheit sorgen, Reisende unterstützen und den Verkehr regeln.
Japan: Zombies statt alter Halloween-Bräuche
In Japan haben Sagen und mystische Erzählungen eine lange Tradition, Halloween gehört jedoch nicht dazu. Dort ist das Gruselfest vor allem ein modernes Unterhaltungsspektakel, bei dem fantasievolle Kostüme, Partys und schaurige Attraktionen im Mittelpunkt stehen. Besonders beliebt sind dabei Veranstaltungen in großen Freizeitparks.
In den Universal Studios Japan in Osaka finden 2026 bereits zum 15. Mal die "Halloween Horror Nights" statt. Noch bis zum 8. November können sich Besucherinnen und Besucher dort bei verschiedenen Horrorattraktionen gruseln. Dazu gehört etwa "Lights Out", zu dem ausschließlich Erwachsene Zutritt haben. Auch Videospielfans kommen auf ihre Kosten: Eine weitere Attraktion ist von "Resident Evil Requiem", dem neuesten Teil der bekannten Survival-Horror-Reihe, inspiriert.
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