Gay Travel Index 2026: Wo queere Reisende willkommen sind

Der Gay Travel Index 2026 zeigt, wo queere Reisende sicher Urlaub machen können. Welche Länder das sind und welchen sie leider fern bleiben sollten.
von  (elm/spot)
Liebe kennt kein Geschlecht.
Liebe kennt kein Geschlecht. © istock/mavo

Die Wahl des nächsten Urlaubsziels folgt für viele Reisende einem vertrauten Muster: Sonne, Kultur, gutes Essen - und eine entspannte Atmosphäre. Für lesbische, schwule, bisexuelle, trans- und queere Menschen kommt jedoch oft eine entscheidende Frage hinzu: Ist dieses Reiseziel sicher und offen gegenüber meiner Identität? Orientierung bietet seit einigen Jahren der sogenannte Gay Travel Index. Das sind seine Ergebnisse für 2026.

Ein globaler Gradmesser für Gleichberechtigung

Der Gay Travel Index wird seit 2012 vom Spartacus International Gay Guide veröffentlicht und untersucht inzwischen mehr als 200 Länder und Regionen weltweit. Ziel ist es, die Situation für queere Reisende möglichst realistisch einzuschätzen und Unterschiede zwischen einzelnen Staaten sichtbar zu machen.

Grundlage der Bewertung sind zahlreiche Kriterien, die sowohl rechtliche als auch gesellschaftliche Faktoren berücksichtigen. Dazu zählen unter anderem Antidiskriminierungsgesetze, Ehe- und Adoptionsrechte für gleichgeschlechtliche Paare, die Anerkennung von Trans- und Intergeschlechtlichkeit oder die Existenz repressiver Gesetze gegen Homosexualität. Auch Aspekte wie Zensur oder staatliche Verfolgung fließen in das Ranking ein.

Aus positiven und negativen Punkten ergibt sich schließlich ein Gesamtwert, der zeigt, wie sicher und frei sich queere Reisende in einem Land bewegen können. Für viele Urlauber ist der Index deshalb mehr als eine einfache Rangliste: Er gilt als eine Art globaler Gradmesser für Gleichberechtigung und gesellschaftliche Akzeptanz.

Island führt das Ranking an

Im Gay Travel Index 2026 belegt Island den ersten Platz und gilt damit aktuell als das queerfreundlichste Reiseziel der Welt. Mit einer besonders hohen Punktzahl überzeugt das Land vor allem durch umfassende Antidiskriminierungsgesetze, Ehegleichstellung und eine hohe gesellschaftliche Akzeptanz.

Direkt dahinter folgen Malta und Spanien, die sich im Ranking den zweiten Platz teilen. Beide Länder gehören seit Jahren zu den Vorreitern in Europa, wenn es um rechtliche Gleichstellung und gesellschaftliche Sichtbarkeit queerer Menschen geht.

Auf Rang vier liegt eine Gruppe von Ländern mit ähnlich hohen Bewertungen: Belgien, Kanada, Deutschland und Portugal teilen sich diese Platzierung im aktuellen Index. Auch hier spielen umfassende Antidiskriminierungsgesetze, die Ehe für alle und eine ausgeprägte LGBTQ-Szene eine wichtige Rolle für die hohe Bewertung.

Viele dieser Länder gelten daher nicht nur rechtlich als sicher, sondern verfügen auch über lebendige Pride-Veranstaltungen, offene Gesellschaften und touristische Infrastruktur, die sich bewusst an queere Reisende richtet.

Aufsteiger im Ranking: Polen und Nepal

Neben den Spitzenreitern zeigt der Gay Travel Index auch, wie stark sich politische Entwicklungen auf die Situation für queere Menschen auswirken können.

Zu den größten Aufsteigern im Ranking 2026 gehört Polen. Das Land verbesserte sich deutlich und erreichte Platz 59 (von zuvor Platz 118), nachdem rechtliche Veränderungen und ein insgesamt liberaleres gesellschaftliches Klima für bessere Bewertungen sorgten. Noch wenige Jahre zuvor lag Polen im Index deutlich weiter hinten.

Auch Nepal konnte seine Position im Ranking deutlich verbessern (Platz 32, zuvor Platz 53). Hintergrund sind die Einführung von Self-ID-Verfahren für Transpersonen sowie eine insgesamt gewachsene gesellschaftliche Toleranz.

Solche Entwicklungen zeigen, wie dynamisch sich die Situation für queere Reisende weltweit verändern kann, manchmal innerhalb weniger Jahre.

Große Unterschiede rund um den Globus

Während viele europäische Länder sowie Teile Nord- und Südamerikas relativ gute Bewertungen erreichen, sieht die Situation in anderen Regionen deutlich schwieriger aus.

In mehreren Staaten ist Homosexualität weiterhin strafbar, teilweise drohen lange Haftstrafen oder sogar die Todesstrafe. Diese Länder landen regelmäßig am unteren Ende des Gay Travel Index. Im Ranking 2026 bildet beispielsweise der Jemen das Schlusslicht, noch knapp hinter Afghanistan, Tschetschenien, Saudi Arabien und Iran.

Aber auch in Teilen der westlichen Hemisphäre gibt es Rückschritte: Länder wie Kanada, Australien oder Dänemark rutschen im Vergleich zu den Vorjahren ein wenig ab, da laut Umfragewerten die gesellschaftliche Akzeptanz für queere Menschen sinkt.

Für queere Reisende bedeutet das, dass sich die Sicherheit und gesellschaftliche Akzeptanz je nach Reiseziel massiv unterscheiden können. Ein Urlaub kann von offener Willkommenskultur geprägt sein - oder von rechtlichen Risiken und sozialer Ausgrenzung.

Mehr als nur eine Rangliste

Der Gay Travel Index richtet sich zwar in erster Linie an LGBTQIA+-Reisende, doch seine Bedeutung reicht über die Reisebranche hinaus. Das Ranking macht sichtbar, wie unterschiedlich Staaten weltweit mit sexueller und geschlechtlicher Vielfalt umgehen.

Für Reisende ist der Index deshalb nicht nur ein praktischer Leitfaden bei der Planung des nächsten Urlaubs. Er ist auch ein Spiegel globaler gesellschaftlicher Entwicklungen und erinnert daran, dass die Freiheit zu reisen für viele Menschen immer noch eng mit der Frage verbunden ist, wo sie offen sie selbst sein können.

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