Europas schönste Friedhöfe

Pausen im Großstradttrubel: Wo Beethoven und Balzac in Frieden ruhen.
| Hans-Werner Rodrian
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Paris: Grabstätte Edith Piaf
srt-Archivbild/Adrian Pingstone 7 Paris: Grabstätte Edith Piaf
Prag: Jüdischer Friedhof
srt-Archivbild/PR 7 Prag: Jüdischer Friedhof
Prag: Alter Jüdischer Friedhof
srt-Archivbild/PR 7 Prag: Alter Jüdischer Friedhof
Wien: Grabzeile auf dem Zentralfriedhof.
srt-Archivbild/Nehring 7 Wien: Grabzeile auf dem Zentralfriedhof.
Wien: Gedenktafel auf dem Zentralfriedhof
srt-Archivbild/Österreich-Werbung 7 Wien: Gedenktafel auf dem Zentralfriedhof
Beethoven-Gedenkstätte auf dem Wiener Zentralfriedhof.
srt-Archivbild/Österreich-Werbung 7 Beethoven-Gedenkstätte auf dem Wiener Zentralfriedhof.
Paris: Gasse auf dem Friedhof Pere Lachaise.
srt-Archivbild/Peter Poradisch 7 Paris: Gasse auf dem Friedhof Pere Lachaise.

Friedhöfe, zu schön zum Sterben: Wenn im November die Nebel wallen, entdecken Reisende Europas Gottesäcker als Sehenswürdigkeit. Wir sind vorausspaziert auf Friedhöfen in Paris, Wien und Prag

Paris: Cimetière du Père Lachaise


"Der Tod muss so schön sein. In der weichen Erde zu liegen, während das lange Gras über einem hin und her schwankt, und der Stille zu lauschen." Oscar Wilde hat schon zu Lebzeiten den Zauber der Melancholie von Grabstätten besungen; heute liegt er selbst auf einem der schönsten Friedhöfe Europas begraben. Der Cimetiére du Père Lachaise im Osten von Paris wurde 1803 eröffnet. Er ist nach dem Beichtvater von Ludwig XIV. benannt; der hatte den Hügel in bester Lage über der Stadt einst als Fluchtpunkt entdeckt. Heute wie damals kommen die Pariser gern für eine stille Pause hierher, um dem Trubel der Großstadt zu entfliehen. Beim Bummel zwischen Kapellen und Säulen über das Kopfsteinpflaster fühlt sich mancher mystisch berührt, weil viele der Begräbnishäuser beinahe noch bewohnt wirken. Fast fühlte man sich bemüßigt, nach dem Klingelknopf suchen. Wer in Pére Lachaise bestattet ist, der hat es im Leben zu etwas gebracht. So treffen sich an dieser Stätte Künstler, Literaten, aber auch Politiker, die sich vermutlich auch im wirklichen Leben gut verstanden hätten. Eine tröstliche Vorstellung: An der einen Ecke fachsimpeln Balzac und Moliére, an der anderen stehen Chopin, Bizet und Rossini zusammen. Und dort hinten sitzen Jean Paul Sartre und Edith Piaf traut vereint mit Jim Morrison und Yves Montand unter den Zypressen.
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Friedhof Père Lachaise: geöffnet ab 6. November bis 15. März Mo-Fr 8-17.30, Sa ab 8.30, So ab 9 Uhr, im Sommerhalbjahr eine Stunde früher. Eintritt frei. Webseite www.pere-lachaise.com. Metrostation Père Lachaise. Friedhofspläne können an den Eingangspforten gekauft werden.Friedhofsführungen z.B. durch Necro Romantiques, Tel. 0033/1/43719166, www.necro-romantiques.com.


Wien: Zentralfriedhof


"Verkauft's mein Gwand, ich fahr' in Himmel". Wiens Musikerfürst Johann Strauß hat den ganz besonderen Hang seiner Heimatstadt zum Morbiden treffend auf den Punkt gebracht. Und nirgendwo wird der offenbarer als auf dem Zentralfriedhof. Prunkvolle Tempelchen, verwunschene Arkadengruften und Heerscharen träumerischer Marmorstatuen machen den Gottesacker fast schon zum Melancholiemuseum. Ob die Leich' einmal katholisch, evangelisch oder jüdisch war, darauf kommt es nicht an - der Zentralfriedhof steht allen Konfessionen offen. Besonders reizvoll ist wegen seines verblichenen Zaubers der verwilderte, alte jüdische Teil. Im Bereich der Gräbergruppe 23 lockt der "Park der Ruhe und Kraft": Fünf Landschaftsgruppen wie Menhir, Platz der Tränen und Steinkreis bieten Besuchern, die an Geomantik glauben, die Gelegenheit, Kontakt mit den Kräften der Natur herzustellen. Das Herz des Friedhofs bilden freilich die über 600 Ehrengräber rund um die Präsidentengruft. Beethoven, Schubert und Brahms ruhen auf der einen Seite. Auf der anderen scheinen Curd Jürgens und Hans Moser im Zwiegespräch zu sein, daneben ruhen Bruno Kreisky und Helmut Qualtinger. Von Qualtinger stammt die bitterböse Bemerkung über die Wiener und ihren Totenkult: "In Wien musst' erst sterben, bevor sie dich hochleben lassen."
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Zentralfriedhof: geöffnet November bis Februar 8-17, Oktober 7-18 Uhr. Eintritt frei. Webseite www.friedhoefewien.at. Straßenbahnlinien 6 und 71 bis Station Zentralfriedhof. Auskunft zu Friedhofsführungen unter Tel. 0043/1/4899674, www.wienguide.at, oder über www.zentralfriedhof.info. Ein genauer Plan des Zentralfriedhofs ist beim Aufseher am 2. Tor erhältlich.


Prag: Jüdischer Friedhof


Steine hoch, Steine schräg, Steine quer. Auf dem alten jüdischen Friedhof in Prag ist die Vergänglichkeit schier plastisch zu spüren. Auf dem ältesten Grabstein steht das Jahr 1439, er markiert das Grab des Dichters und Lehrers Avigdor Karo. Weil Platz im jüdischen Getto immer schon begrenzt war, wurden die Toten in Lagen übereinander bestattet. So entstanden viele kleine Hügel, und im Laufe der Zeit haben sich die Grabsteine untereinander, nebeneinander und ineinander geschoben. An manchen Stellen hat man bis zu zwölf Schichten festgestellt. Heute führt ein schmaler Weg durch das Gewirr der Gräber. 12000 Grabsteine stapeln sich an diesem Ort, darunter ruhen 200000 Menschen. Der bekannteste ist Rabbi Löw, um den sich viele Legenden ranken. Er gilt als Erschaffer des Golem, jenes Kunstwesens ohne Stimme aus der jüdischen Geheimlehre, das durch eine magische Spruchformel aus dem Buch der Schöpfung zum Leben erweckt werden kann. Der jüdische Friedhof war all die Jahre aber auch der einzig grüne Platz im Ghetto der Prager Altstadt. Er diente daher auch als Park. Hierher kam man, um frische Luft zu atmen, der dunklen Enge zu entfliehen und sich an den schönen Grabsteinen zu erfreuen. Sie sind geschmückt mit Weintrauben, dem Zeichen für Fruchtbarkeit, oder mit Löwen, Gänsen und Bären, welche die Familiennamen symbolisieren. Musikinstrumente und Handwerkszeug erzählen vom Beruf des Toten. Die Steinchen, die auf den meisten Grabmälern liegen, sind übrigens Gesten der Erinnerung, ähnlich wie Blumen auf christlichen Gräbern - nur haltbarer.
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Alter jüdischer Friedhof: Zugang über das Jüdische Museum, geöffnet täglich außer Sa 9-18 Uhr, November-März 9-16.30 Uhr. Eintritt 12 Euro. Reservierung Tel. 00420/222317191, rezervacni.centrum@jewishmuseum.cz. Führungen z.B. durch Guide-Prague.cz, Tel. 00420/776868770. Metrostation Staromestská, www.jewishmuseum.cz

 

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