Euregio: Unten durch

Durch die Unterwelt - sportliche Aktivitäten wie Grottenbiken oder Höhlenbootsfahrten sind aber nicht die einzige Attraktion im Dreiländereck.  
| Martin Cyris aus Remouchamps
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Remouchamps - „Hände hoch!“ Dem Befehl folgt ein derbes Lachen. Es hallt durch die düstere Höhle von Remouchamps. Durch Tropfsteinarkaden hindurch und über trübes Höhlenwasser hinweg. Die raue Stimme gehört Sébastien Larmuseau, einem Unterwelt-Gondoliere. Sein Arbeitsplatz befindet sich im Schattenreich, gewissermaßen im Unterleib der ostbelgischen Ortschaft Remouchamps. Was Sébastien eigentlich meinte: „Hände rein!“ - rein ins Boot. Der Arbeitsplatz des Höhlenguides ist der Rubicon. Rubicon? Da war doch was . . . Richtig: Seit Ex-Bundespräsident Christian Wulff wissen wir, wenn vom Rubikon (deutsche Schreibweise) die Rede ist, wird’s unterirdisch.

Wobei der belgische Rubicon nicht überschritten wird, sondern befahren. Der Rubicon ist also ein unterirdischer Fluss. Und nach Informationen der örtlichen Touristiker sogar der längste schiffbare Fluss weltweit. Rund ein Kilometer kann befahren werden. Per Stocherkahn geht es durch die Unterwelt. Vorm Einsteigen lässt Sébastien tief blicken: Eine dreiviertelstündige Führung führt ins Landes-Innere. Dort erfahren die Besucher Zahlen, Daten, Fakten. Etwa, dass die Autobahn Lüttich-Bastogne über der Höhle verläuft. Getrennt durch eine meterdicke Gesteinsschicht. Oder, dass in der Höhle ganzjährig Temperaturen zwischen acht und zehn Grad herrschen. Oder, dass die Höhle im Jahre 1828 entdeckt wurde. Wiederentdeckt, müsste man genauer sagen. Denn am Höhleneingang fanden sich prähistorische Reste menschlicher Behausungen. 80 Meter geht es unter die Erde. 700 Meter führt der teilweise sehr schmale Pfad vorbei an glitschigen Wänden und Tropfsteinen.

Beachtliche 40 Meter Deckenhöhe

Die imposantesten tragen - wie es in Schauhöhlen üblich ist - fantasievolle Namen. Zum Beispiel Bischofsstuhl, Weiße Dame, Palme oder Maria mit Jesuskind. Außerdem tun sich mehrere Räume auf. Höhepunkt ist die Kathedrale, eine unterirdische Halle mit beachtlichen 40 Meter Deckenhöhe. Von dort geht es weiter dem Abgrund entgegen. Kein Wunder, könnte man in Zeiten der Euro-Krise spöttisch anmerken. Schließlich befindet man sich in Euro-Land. Sogar mitten in Euro-Land. Quasi im Herzen von Europa. Als Herz von Europa und als Euregio vermarktet sich das Dreiländereck Belgien- Niederlande-Deutschland. Die Bootsanlegestelle ist erreicht. Es riecht feucht, die Kühle kriecht unter die Haut.

„Hände hoch!“, befiehlt Sébastien erneut - und lacht schon wieder. Er setzt das schwere Stahlboot in Bewegung. Vor allem mit Hilfe von Muskelkraft. Immer wieder stößt er sich von den Wänden ab und steuert so das Boot. Schwerstarbeit, denn der Kahn bringt 600 Kilogramm auf die Waage. Hinzu kommt das Gewicht der Passagiere. Bis zu 15 Personen können Platz nehmen. „Es hat fast ein Jahr gedauert, bis ich keinen Muskelkater mehr hatte“, erzählt Sébastien. Damit die Fahrt für die Gäste ohne Beulen verläuft, kündigt Sébastien im Halbdunkel die niedrigsten Stellen an: „Köpfe runter!“ Als die Gäste sie wieder erheben dürfen, tut sich Absonderliches auf: Im Gegenverkehr nähert sich ein Boot. Der Lenker bewegt es im Kopfstand, den Anschub besorgen seine Füße. Ein bizarres Bild. „Das ist einfacher als mit den Armen“, erklärt Sébastien. Die Guides wählen diese Kopfüber-Fortbewegung, wenn sie die leeren Boote herumrangieren. Und das tun sie fast das ganze Jahr über. Aufgrund der konstanten Temperaturen ist die Höhle auch im Winter geöffnet. Helme werden in der Höhle von Remouchamps bisher keine ausgegeben.

Dafür aber etwas weiter nördlich im Dreiländereck, im niederländischen Valkenburg - beim Grottenbiken. Aus irgendeinem Grund hat man’s in der Euregio also mit Unter-Tage-Attraktionen. Es sind freilich bei weitem nicht die einzigen im Dreiländereck, sollte man fairerweise ergänzen. Die künstlichen Grotten von Valkenburg aan de Geul entstanden seit dem 19. Jahrhundert durch den Abbau von Sandstein. Erstaunliche 70 Kilometer lang. Das weit verzweigte Labyrinth ist ein Touristenmagnet. Die tiefer gelegte Mountainbikestrecke dürfte in Europa vermutlich einmalig sein. 20 Kilometer sind befahrbar. Es gibt zwei Touren: die eine acht, die andere zehn Kilometer lang. Um die Niederlande per Rad zu unterwandern, genügt eine kleine Einweisung. Ohne Führer würde man sich allerdings schnell verfahren, das Stollenwirrwarr ist nicht zu unterschätzen. Untergrundlotse Roel Cuypers empfiehlt daher, sich an sein Hinterrad zu hängen: „Immer schön dicht an mir dranbleiben.“ Fast wie bei der Tour de France. Nur eben untendurch.

So wird das Reisewetter in Europa


Anreise
Von Stuttgart über die A 81 Richtung Heilbronn, am Weinsberger Kreuz auf die A 6 Richtung Mannheim bis Dreieck Hockenheim, dort auf die A 61 Richtung Koblenz bis Kreuz Frankenthal, dort auf die A 6 Richtung Saarbrücken, am Kreuz Landstuhl auf die A 62/A 1 bis Kreuz Wittlich, dort auf die A 60 wechseln Richtung Lüttich/Liège. In Belgien bei Ausfahrt 7 in Richtung Theux und Louveigné, dort ist Remouchamps ausgeschildert.

Unterkunft
Direkt neben der Grotte von Remouchamps im Ho-tel Auberge du Cheval Blanc, pro Person ab 41 Euro inklusive Frühstück, über www.ourthe-ambleve.be .

Im nahen Lüttich (Liège) empfiehlt sich eine Nacht im Crowne Plaza, neues Boutique-Hotel in alten Gemäuern mit stylisher Bar und schöner Aussicht auf die herausgeputzte Altstadt mit ihren feinen Restaurants, ab 88 Euro pro Person inkl. Frühstück, www.crowneplaza.com .

Höhlen/Grotten
Grottes de Remouchamps (Belgien): Ganzjährig geöffnet, im Winter nur an den Wochenenden, ca. 70-minütige Führung inkl. Bootstour, Erwachsene 12 Euro, Kinder 9 Euro, www.grottes.be .

Valkenburgse Grotten (Niederlande): Das Grottenbiken ist ganzjährig möglich, in der Nebensaison nur an den Wochenenden. 75-minütige Tour 16 Euro pro Person. In der Adventszeit findet sogar ein unterirdischer Weihnachtsmarkt statt, Termine und Anmeldung unter www.ondergrondsvalkenburg.nl.

Allgemeine Informationen
Zum Dreiländereck (Euregio) gehören die belgische Provinz Limburg, der niederländische Teil Limburgs, die belgische Provinz Lüttich sowie die deutsche Region Aachen-Düren-Heinsberg. Sie firmieren unter www.urlaubimherzeneuropas.eu und www.herzvoneuropa.eu. Dort gibt es Links zu den einzelnen Regionen und touristischen Angeboten.

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