Einmal Rennfahrer sein

Abu Dhabi will aus dem Schatten Dubais treten und zum neuen Touristenmagneten werden.
| Maria Wetzel aus Abu Dhabi
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Margit Gabriele Müller hat alle Hände voll zu tun. Sie nimmt dem Falken die Augenklappe ab, stülpt ihm zur Betäubung eine Maske über den Kopf und kürzt ihm die Krallen. Eine halbe Stunde später ist der Vogel wieder wach. 4000 bis 5000 Patienten würden jährlich in die Falkenklinik gebracht, erzählt die Tierärztin aus Deutschland. Manche brauchen nur Pediküre, andere haben sich beim Fliegen schwer verletzt oder sind krank.

Die Greifvögel werden in den Vereinigten Arabischen Emiraten geradezu verehrt, schließlich waren sie früher unverzichtbare Jagdgefährten. „Falken werden als Familienmitglieder angesehen“, sagt Müller. In der weltgrößten Falkenklinik wenige Kilometer außerhalb der Hauptstadt Abu Dhabi kümmert sich die Klinikchefin nicht nur um Vögel. Sie betreut auch die Touristen, die im Besucherzentrum etwas über Falken und die Falknerei erfahren wollen. Mittlerweile zählt das Falcon Hospital zu den wichtigsten Attraktionen des Emirats.

Andere Anziehungspunkte sind noch im Werden. Abu Dhabi, das größte der sieben Emirate, die sich vor 40 Jahren zusammengeschlossen haben, hat sich ein ehrgeiziges Ziel gesetzt. Die gleichnamige Hauptstadt will Kulturweltstadt werden und damit aus dem Schatten der eine Autostunde entfernten Wirtschaftsmetropole Dubai treten. Im Ausstellungszentrum Manarat al Saadiyat zeigen Filme und Architekturmodelle, wie sich die Stadt entwickeln will. Auf Saadiyat, einer von über 200 natürlichen Inseln vor Abu Dhabi, ist ein neuer Stadtteil für 160000 Bewohner geplant. Er soll zum kulturellen Zentrum werden und Kunst- und Musikliebhaber aus aller Welt an den Persischen Golf locken. Dort werden der Louvre und das Guggenheim-Museum künftig einen Teil ihrer Schätze präsentieren, die Verträge sind unterschrieben. Für die futuristischen Museen und Konzerthallen wurden renommierte Architekten wie Frank O. Gehry, Zaha Hadid und Tadao Ando gewonnen, die vor der Jahrtausendwende mit Bauten für das Vitra Design Museum Weil am Rhein zu einem Publikumsmagneten machten.

Dank seines Ölreichtums zählt Abu Dhabi zu den größten Investoren der Welt. Im Heritage-Village, einer Art Freilichtmuseum, erfahren Besucher, dass dort, wo heute die acht Kilometer lange Strandpromenade mit mehreren Parks und Gärten verläuft, vor 60 Jahren noch einfache Fischerhütten standen. Vor der Entdeckung des Öls lebten die meisten hauptsächlich von Datteln und der Fischerei – die einst bedeutende Perlentaucherei war zusammengebrochen, als die Japaner in den 1930er Jahren mit der Perlenzucht begannen. Längst wurden die Kamele als wichtigstes Transportmittel abgelöst, heute durchqueren Einheimische und Touristen die Wüste mit Geländelimousinen.

Die Begeisterung für den Motorsport ist groß– und auch die Kaufkraft. Deshalb hat Ferrari seinen ersten Freizeitpark vor einem Jahr in Abu Dhabi eröffnet. Auf der schnellsten Achterbahn der Welt, die in fünf Sekunden auf 240 Stundenkilometer beschleunigt, dürfen sich die Mitfahrenden für kurze Zeit wie Rennfahrer fühlen. In Sichtweite liegt die echte Formel-1-Strecke, auf der seit 2009 der Große Preis von Abu Dhabi und kleinere Rennen ausgetragen werden. Diese lassen sich sogar von der Badewanne aus beobachten – das Yas-Hotel überwölbt teils die Rennstrecke. Wer es ruhiger liebt, kann sich auf einem der vielen Golfplätze vergnügen – eine Erinnerung an Zeiten des britischen Protektorats. Dank künstlicher Bewässerung bleibt der Rasen rund ums Jahr grün. Hitzeempfindliche sollten im Sommer allerdings früh aufstehen.

Doch Abu Dhabi pflegt auch seine Tradition. Weithin sichtbar ist die 2007 eröffnete Scheich-Zayed-Moschee mit ihren vier Minaretten und 82 vergoldeten Kuppeln. Wer eintritt – vormittags ist die Moschee auch für Nicht-Muslime offen –, steht auf dem größten Teppich und unter dem größten Kronleuchter der Welt. Die Moschee bietet Platz für 40.000 Menschen.


Anreise
Von Deutschland aus fliegt Etihad Airways ab Frankfurt und München nonstop nach Abu Dhabi. Flüge gibt es ab 590 Euro,

www.etihadairways.com

Unterkunft
Manche vergleichen das Emirates Palace mit dem Taj Mahal in Indien. Die oberen Etagen des Sechs-Sterne-Hotels mit einem 1,3 Kilometer langen Privatstrand sind der Herrscherfamilie und Staatsgästen vorbehalten, die anderen Zimmer sind buchbar. Eine Nacht inklusive Frühstück kostet ab 187 Euro pro Person,www.emiratespalace.com.

Das Shangri-La Quaryat Al Beri verbindet arabisches Flair mit modernem Design. Es verfügt ebenfalls über einen privaten Strand. Eine Nacht inklusive Frühstück ab 130 Euro pro Person, www.goldbyFTI.de

Essen und Trinken
Das Yas Hotel bietet nicht nur Ausblick auf die Rennstrecke, sondern auch 14 Restaurants und Bars mit arabischer, italienischer, französischer, japanischer Küche und eine Patisserie, www.theyashotel.com.

Im Pearls & Caviar des Hotels Shangri-La Qaryat Al Beri stehen vor allem Fische und Meeresfrüchte auf der Speisekarte, www.shangri-la.com.
Im Yacht Club des Intercontinental Abu Dhabi gibt es nicht nur internationale Küche, sondern auch Ausblick auf den Yachthafen, www.intercontinental.com

Was Sie tun und lassen sollten
Auf jeden Fall eine Tour mit dem Schnellboot machen. Vom Wasser aus sind ganz unterschiedliche Seiten von Abu Dhabi zu entdecken, www.theyellowboats.com

Auf keinen Fall den Reisepass und dezente Kleidung zu Hause vergessen. Shorts und knappe Oberteile sind außerhalb des Strand- und Poolbereichs unerwünscht.
 

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