Blick in die Sterne: Neues Astrotourismus-Zentrum in Planung

In der nordwestsaudischen Wüste nahe der Oasenstadt AlUla nimmt ein Vorhaben Gestalt an, das Sterngucker, Forschende und Reisende gleichermaßen ansprechen soll. Etwa 70 Kilometer nördlich des historischen Ortskerns ist mit AlUla Manara ein Zentrum geplant, das Beobachtung, Wissenschaft und Tourismus unter offenem Himmel zusammenbringt.
Kern der Anlage, deren Name auf das arabische Wort für "Leuchtturm" verweist, ist ein Teleskop-Verbund: ein Hauptinstrument mit vier Metern Spiegeldurchmesser, ergänzt um zwei kleinere Teleskope von je zwei Metern. Damit zählt das Observatorium nach Darstellung der Royal Commission for AlUla (RCU) zu den größten und modernsten seiner Art in der Region. Zur Einordnung: In der weiteren Nahost-Region bewegt sich ein Vier-Meter-Teleskop im oberen Bereich - vergleichbar etwa mit dem ebenfalls vier Meter messenden Doğu-Anadolu-Observatorium (DAG) in der Osttürkei, während das iranische Nationalobservatorium auf 3,4 Meter kommt.
Die Anlage soll zwei Aufgaben erfüllen: Sie unterstützt wissenschaftliche Forschung und Himmelsbeobachtung, gewährt Besuchern zugleich aber Einblick in den laufenden Forschungsbetrieb. Verantwortlich für die Entwicklung ist die RCU, die bei der wissenschaftlichen Ausrichtung mit der Saudi Space Agency, der King Abdulaziz City for Science and Technology (KACST) und dem US-amerikanischen SETI-Institut kooperiert.
Eine Architektur, die sich am Kosmos orientiert
Den Entwurf verantwortet das Heatherwick Studio, das international unter anderem für Little Island in New York und Coal Drops Yard in London bekannt ist. Die Gebäudeform greift Spiralmuster auf, wie sie im All - etwa in Galaxien und Planetenringen - vorkommen, und verweist zugleich auf die mathematischen Strukturen, die sich auf der Erde in Pflanzen, Fossilien und Muscheln wiederfinden. Vorgesehen sind unter anderem immersive Ausstellungen, ein Planetarium, ein Restaurant sowie eine Aussichtsplattform auf dem Dach.
Stuart Wood, Executive Partner und Group Leader des Studios, umriss die Grundidee gegenüber "Arab News" sinngemäß so: Observatorien wirkten häufig wie abgelegene, nüchterne Technikstandorte, die vom Publikum entkoppelt seien; man habe diese Distanz aufbrechen und einen Ort schaffen wollen, an dem Gäste das Staunen über den Kosmos unmittelbar erleben könnten.
Übernachten unter freiem Sternenhimmel
Über das eigentliche Zentrum hinaus sieht der Plan auch Unterkünfte vor, darunter eine Lodge für Sternenbeobachtung sowie abgelegene Pods, in denen Gäste die Nacht direkt in der Landschaft verbringen können.
Begünstigt wird das alles durch die Lage. AlUla Manara liegt den Angaben der RCU zufolge in einem der größten zertifizierten Dark-Sky-Parks weltweit: Innerhalb der Kategorie "Park" nimmt AlUla nach Einstufung von DarkSky International derzeit den dritten Rang ein; noch größere geschützte Dunkelhimmel-Areale wie das Greater Big Bend in Texas zählen zu anderen Kategorien.
Das Gelände erstreckt sich zwischen dem Gharameel-Naturreservat und dem Harrat-Uwayrid-Reservat. Messungen im Rahmen der Zertifizierung ordnen die Nachthimmel rund um Gharameel und AlUla Manara den dunkelsten fünf Prozent weltweit zu.
Anreise und Eröffnung
Wer AlUla ansteuern möchte, ist bislang auf innersaudische oder regionale Drehkreuze angewiesen. Direktverbindungen aus Europa zum AlUla International Airport bestehen derzeit nicht; möglich sind Anschlüsse über Dschidda und Riad oder über die Golf-Drehkreuze Doha und Dubai. Ein konkretes Eröffnungsdatum für AlUla Manara ist bislang nicht genannt, das Projekt befindet sich in der Design- beziehungsweise Planungsphase.