Was tun bei Nebennierenschwäche? "Stress spielt eine wichtige Rolle"

Unsere Nebennieren sind "wie Wächter, die die Ordnung im Körper überwachen", wissen Katia Trost und Anne Schmuck. Stress kann das Organ jedoch schwächen. Im Interview klären die Expertinnen auf.
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Zu viel Stress kann eine Nebennierenschwäche zur Folge haben.
Zu viel Stress kann eine Nebennierenschwäche zur Folge haben. © fizkes/Shutterstock.com

Erschöpfung, optische Veränderungen, Verdauungsprobleme oder oft erkältet? Eine Nebennierenschwäche kann die Ursache sein und wird häufig durch Stress hervorgerufen. Die Nebennieren könne man sich "wie Wächter" vorstellen, "die die Ordnung im Körper überwachen und Alarm schlagen, wenn diese Ordnung aus dem Gleichgewicht geraten ist", wissen Katia Trost und Anne Schmuck, Autorinnen von "Nebennierenschwäche" (Komplett Media Verlag). Im Interview mit der Nachrichtenagentur spot on news klären die Expertinnen über das Krankheitsbild, die Folgen und die Behandlung auf.

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Was ist die Aufgabe der Nebennieren?

Katia Trost und Anne Schmuck: So klein und unscheinbar sie auch wirken mögen, spielen die Nebennieren doch eine große und wichtige Rolle in unserem Hormonsystem: Ihre Hauptaufgabe ist es, unser Überleben zu sichern. Man kann sie sich vorstellen wie Wächter, die die Ordnung im Körper überwachen und Alarm schlagen, wenn diese Ordnung aus dem Gleichgewicht geraten ist. Dann sorgen sie durch Ausschüttung bestimmter Hormone dafür, dass unser Körper in den Überlebensmodus wechselt und lebenswichtige Systeme mit Energie versorgt werden. Diese sogenannten Stresshormone sind hauptsächlich Kortisol und Adrenalin. Kortisol wird von der Nebennierenrinde produziert, Adrenalin vom Nebennierenmark.

Stress ist der große Widersacher der Nebennieren. Stress spielt eine wichtige Rolle bei allen Krankheiten und wird maßgeblich von den Nebennieren initiiert. Stress ist dabei kein subjektives Gefühl, sondern ein biochemischer Vorgang, also ein Überschuss an Stresshormonen. Sehr häufig stimmt dabei das subjektive Stressempfinden mit dem objektiven Vorhandensein von Stress nicht überein.

Mit welchen Organen arbeiten die Nebennieren zusammen?

Trost und Schmuck: Kein Organ im Körper arbeitet unabhängig von den anderen. Probleme des einen Organs gehen immer auch zu Lasten eines anderen Organs, auch wenn Störungen möglicherweise kompensiert werden können. In diesem Zusammenhang spielen die Nebennieren eine besondere Rolle: Sie sind ein guter Gradmesser für das Stresslevel im Körper. Sind die Nebennieren chronisch gestresst, ist dies auch der Körper. Im Stressmodus, wenn es dem Körper zunächst um das Überleben geht und er vorrangig die wichtigsten Organe mit Energie versorgt, sind auf hormoneller Ebene besonders die Schilddrüse und die Geschlechtsdrüsen Partner der Nebennieren. Sie reagieren auf "Befehle" der Nebennieren zum Energiemanagement und fahren ihre eigene Arbeit entweder runter oder schütten Hormone in einem anderen Verhältnis aus.

Wir nehmen diese Verschiebung häufig als Hormonstörung wahr, wie z.B. Schilddrüsenunterfunktion oder Zyklusunregelmäßigkeiten. Diese Hormonverschiebungen wirken sich dann aber kaskadenmäßig auch auf andere Organe aus. Der Magen z.B. produziert weniger Magensäure, der Dünndarm weniger Verdauungsenzyme, weil der Körper im Überlebensmodus evolutionsbedingt davon ausgeht, sich vor eine drohenden Gefahr retten zu müssen - sprich: Fight, Flight oder Freeze. Das sind alles Situationen, in denen der Körper keine Nahrungsaufnahme erwartet. Im Dauerstress macht sich diese Tatsache dann aber auch im alltäglichen Leben bemerkbar, denn Stress ist ja ein innerlicher Zustand, unter dem man auch leiden kann, wenn man ruhig im Bett liegt und eben nicht flüchtet.

Wie kommt es zu einer Nebennierenschwäche?

Trost und Schmuck: Man sollte hier zunächst zwischen einer organischen Nebennierenschwäche und einer funktionellen Nebennierenschwäche unterscheiden. Nur erstere wird von der Schulmedizin anerkannt, und zwar dann, wenn das Organ seine Funktion als Ganzes aufgrund von temporären oder dauerhaften Organschäden einstellt. Dieses Organversagen, auch als Morbus Addison oder Addison Krise bekannt, bedarf häufig intensivmedizinischer Versorgung, zumindest aber einer dringenden Substitution mit Stresshormonen wie Kortison.

Zwar ist in der Schulmedizin völlig unbestritten, dass die Nebennieren eine immer gleich ablaufende Stressantwort im Sinne der Gefahrenabwehr liefern (vom Urvater der Stressforschung, Hans Selye, als Adaptationssyndrom benannt), die in extremen Fällen sogar zum Tod führen kann. Nicht, weil die Nebennieren selbst versagen, sondern weil der Körper ausbrennt. Dass dieses Adaptationssyndrom aber auch zu einer chronischen Funktionsstörung der Nebennieren führen kann, wird in der Regel schulmedizinisch nicht anerkannt.

Naturheilkundler und Alternativmediziner gehen dagegen davon aus, dass bei der funktionellen Nebennierenschwäche das Organ selbst zwar gesund ist, trotzdem aber nicht mehr genügend Hormone wie Kortisol produziert, bzw. diese Hormone nicht zum richtigen Zeitpunkt oder nicht im richtigen Verhältnis zu anderen Hormonen hergestellt werden. Insofern möchte man bei der funktionellen Nebennierenschwäche im Grunde nicht herausfinden, ob die Nebenniere erkrankt ist, sondern ob der Körper sich übermäßigem Stress ausgesetzt sieht. Das betrifft natürlich irgendwann auch die Nebennieren selbst und macht sie "müde".

Was sind erste Anzeichen und klassische Symptome einer Nebennierenschwäche?

Trost und Schmuck: Die Symptome einer Nebennierenschwäche sind gerade zu Anfang oft leicht zu übersehen und eher diffus. Stress dagegen kann man durch Labortests messen und an konkreten und eindeutigen klinischen Zeichen erkennen: Im Sinne des Überlebensprinzips wird die äußere Schicht des Körpers zunächst weniger mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt. So sammeln sich auch Toxine an. Kosmetische Probleme stellen sich ein: Haarausfall, Pickel, Falten.

Je mehr Stress da ist, desto mehr wirkt sich das Überlebensprinzip in tieferen Schichten des Körpers aus, Cellulite u.a. können sich zeigen. Dann kommen Erschöpfung, Probleme mit dem Immunsystem oder andere Hormonstörungen dazu. Alles, was für das Überleben nicht wichtig ist, wird heruntergefahren: Verdauung, Fortpflanzung und auch die Regeneration von Gewebe funktioniert vermindert.

Wie gefährlich ist eine Nebennierenschwäche?

Trost und Schmuck: Während bereits Hans Selye festgestellt hat, dass Stress die häufigste Todesursache ist und im Grunde hinter jeder Krankheit steckt, ist dieser Tod erst im fortgeschrittenen Alter zu erwarten. Man kann nämlich sehr lange mit geschwächten Nebennieren überleben. Die Frage ist jedoch, mit welcher Lebensqualität, Lebensfreude und unter Zuhilfenahme von wie vielen Medikamenten?

Aus der Nebennierenschwäche und den sich daraus ergebenden Verschiebungen im Körper entwickeln sich Symptome, die aus Sicht der Schulmedizin als Befindlichkeitsstörungen oder als Teil des Alterns verstanden werden. Behandelt wird häufig erst, wenn die Nebennieren oder andere Organe so in Mitleidenschaft gezogen sind, dass tatsächlich nur noch Medikamente das Überleben des Patienten sichern können. Naturheilkundler und Alternativmediziner legen auch in diesem Bereich einen höheren Wert auf Vorsorge. Sie betrachten den Menschen insgesamt aber ganzheitlich, sodass Lebensfreude, Schmerzfreiheit und die Möglichkeit, seine Potentiale zu entwickeln, Teil des Gesundheitsbegriffes sind. Somit werden auch Befindlichkeitsstörungen als Stresszeichen des Körpers ernst genommen und behandelt.

Wie wird eine Nebennierenschwäche behandelt und wie können wir dieser vorbeugen?

Trost und Schmuck: Wer Stress behandelt, behandelt auch die Nebennierenschwäche. Das ist theoretisch einfach, praktisch komplex. Denn Stress ist jede Antwort des Körpers auf einen äußerlichen oder innerlichen Reiz. Somit ist es sehr wichtig, nicht nur psychische Stressoren aus seinem Leben zu entfernen, sondern auch dafür zu sorgen, dass der Körper genug Energie zur Verfügung hat, um besser und nachhaltiger mit Stressoren umzugehen. Eine wirklich ausgeglichene Ernährung, häufig auch Nahrungsergänzung und unter Umständen auch eine Psychotherapie können nötig sein, um den Körper wieder in eine positive Stressbilanz zu bringen. Die Therapie sollte dabei individuell auf den Betroffenen zugeschnitten sein. Ein paar grundsätzliche Tipps kann aber jeder befolgen.

Alles, was aus unserer Sicht in Punkto Selbsthilfe möglich ist, haben wir in unserem Buch zusammengefasst. Letztendlich geht es um Stressmanagement: Regelmäßige Ernährung, nicht zu spät ins Bett, keine Bildschirmarbeit nach 20 Uhr usw. Wichtig ist auch sich zu fragen, ob man glücklich ist mit sich, seinem Leben, seinen Beziehungen und seinem Job. Unserer Erfahrung nach sind diese unterbewussten Spannungen sowie unnötige Stressoren (z.B. Handy neben das Kopfkissen legen) die Hauptfaktoren für eine funktionelle Nebennierenschwäche.

Woher weiß ich, ob meine Nebennieren gesund sind?

Trost und Schmuck: Ein Blick in den Spiegel kann ein erster Anhaltspunkt sein. Haut, Haare und Nägel können erste Stressanzeiger sein. Kommen dann weitere Symptome dazu, macht es Sinn, sich mit seinen Nebennieren zu beschäftigen. Auch Speicheltests, die man sich heute nach Hause schicken lassen kann, können mittels Stressprofilen weiteren Aufschluss bieten. Letztendlich kann man sich natürlich auch an fachkundige Therapeuten wenden, die sich mit dieser Thematik auskennen.

Hinweis: Diese Meldung ist Teil eines automatisierten Angebots der nach strengen journalistischen Regeln arbeitenden Agentur spot on news. Sie wird von der AZ-Onlineredaktion nicht bearbeitet oder geprüft. Fragen und Hinweise bitte an feedback@az-muenchen.de

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