Superfood? Diese Lebensmittel sind überbewertet

Einige Lebensmittel werden oft auch als Superfood gehandelt. Dabei halten sie gar nicht das, was sie versprechen, erklärt TV-Mediziner Heinz-Wilhelm "Doc" Esser im Interview.
| (sob/spot)
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Heimische Lebensmittel wie Blaubeeren sind CO2-freundliches Superfood.
Heimische Lebensmittel wie Blaubeeren sind CO2-freundliches Superfood. © Natalia Lisovskaya/Shutterstock.com

Goji-Beeren, Chia-Samen, Golden Chlorella und Co.: Viele Lebensmittel tragen den vielversprechenden Zusatz "Superfood". Sie gelten als besonders gesund. Doch der TV-Mediziner Heinz-Wilhelm "Doc" Esser (47) warnt in seinem Buch "Health Food Rock 'n' Roll" (Gräfe und Unzer) davor, der Bezeichnung immer Glauben zu schenken. Im Interview mit der Nachrichtenagentur spot on news erklärt er, welche Lebensmittel gar nicht so "super" sind und welche Alternativen es gibt.

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Der Begriff "Superfood" ist in aller Munde. Darunter fallen Goji-Beeren oder Chia-Samen. Welche Lebensmittel verdienen es, "Superfood" genannt zu werden und wieso?

Doc Esser: Der Begriff Superfoods steht für scheinbar wahre Wundernahrungsmittel, ich halte das schlichtweg für eine gut angelegte Marketingkampagne. Sauerkraut und Rote Beete hören sich einfach nicht so sexy an wie Goji-Beeren oder Chia-Samen. Es gibt nicht eine Studie, die belegt, dass sogenannte Superfoods einen gesünderen und höheren Mehrwert in unserer Ernährung haben als unsere heimischen Superfoods.

Welche "Superfoods" sind gar nicht so super und warum?

Esser: Zu den bekanntesten Superfoods zählen sicherlich Acai-Beeren, Goji-Beeren, Chia-Samen, die Noni-Frucht des indischen Maulbeerbaums und andere exotische Pflanzen. Für die weltweite Vermarktung werden die Früchte oft mit giftigen Pestiziden behandelt, die Arbeitsbedingungen der Erntehelfer sind katastrophal und die CO2-Bilanz durch den langen Anreiseweg ist nicht vertretbar.

Uns fehlt darüber hinaus zum Beispiel noch das Wissen über die Wechselwirkung dieser Exoten mit unseren Therapiemaßnahmen bei verschiedensten Erkrankungen. So ist sicherlich nur wenigen bekannt, dass das in der Medizin oft verwendete Medikament zur Blutverdünnung, Marcumar, bei gleichzeitigem Verzehr von Goji-Beeren zu schweren Blutungen führen kann.

Sie kritisieren sogenanntes "Superfood" wegen der hohen CO2-Bilanz. Gibt es "Superfood" made in Germany?

Esser: Es gibt eine Menge heimische "Superfoods", die zu unserem alltäglichen Speiseplan zählen und vielleicht deshalb nicht ganz so aufregend klingen. Sauerkraut - oder generell fermentierter Kohl -, Leinsamen, Blaubeeren, Himbeeren, Nüsse und jede Form von Hülsenfrüchten sind absolute "Superfoods made in Germany". Mein Tipp: Darauf achten, saisonal und regional einzukaufen oder wenn möglich, selbst anzupflanzen.

Kann man es übertreiben mit "Superfood"?

Esser: Wie bei allem im Leben: Die Mischung machts! Zu viel und einseitig ist nie gesund. Mir geht es darum, das Bewusstsein für die eigene Ernährung zu stärken und damit auch die Gesundheit und Lebensqualität zu verbessern. Viele Langzeiterkrankungen finden ihren Ursprung in einem falschen Lebensstil und es ist gar nicht so schwer, sich gesund zu ernähren. In meinem neuen Buch zeige ich, dass es sogar richtig lecker sein kann.

In Ihrem Buch schreiben Sie: "Rein gesundheitlich gesehen müssten wir mehrfach am Tag in Bohnen und Co. baden. Gesünderes Anti-Aging-Essen gibts nämlich nicht." Welche Nahrungsmittel helfen bei Anti-Aging und wieso?

Esser: Unter Anti-Aging-Nahrungsmitteln versteht man Naturalien, die viele sekundäre Pflanzenwirkstoffe enthalten. Wir kennen circa 5.000 bis 10.000 sekundäre Pflanzenwirkstoffe in unseren Nahrungsmitteln. Sie haben den großen Vorteil, dass sie antioxidativ wirken und sich damit um die schädlichen freien Radikalen in unserem Körper kümmern. Sie können zudem entzündungshemmend sein, der Arteriosklerose entgegenwirken und sie schützen uns zum Beispiel vor kognitiven Erkrankungen wie Alzheimer oder Demenz. Hier empfehle ich vor allem alle Kohlsorten, Hülsenfrüchte und Nüsse.

Hinweis: Diese Meldung ist Teil eines automatisierten Angebots der nach strengen journalistischen Regeln arbeitenden Agentur spot on news. Sie wird von der AZ-Onlineredaktion nicht bearbeitet oder geprüft. Fragen und Hinweise bitte an feedback@az-muenchen.de

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