So wehren Sie sich gegen Inkasso-Abzocke

Das rät der Chef der Verbraucherzentrale Gerd Billen: Wie Betroffene sich gegen überzogene oder betrügerische Forderungen wehren können.
| tg
X
Sie haben den Artikel der Merkliste hinzugefügt.
zur Merkliste
Merken
0  Kommentare Artikel empfehlen

Wie viele Inkasso-Firmen gibt es in Deutschland? Rund 1900.

Um wie viel Geld geht’s denn da? Um Milliarden. Allein die 560 Firmen, die im Bundesverband der Inkassounternehmen organisiert sind, haben ein Forderungsvolumen von 24 Milliarden Euro pro Jahr.

Sind die meisten Forderungen berechtigt? Unklar. Fest steht: Es gibt viele schwarze Schafe. In einer Studie wertete die Verbraucherzentrale kürzlich 4000 Verbraucherbeschwerden aus. Ergebnis: Nur ein Prozent der Forderungen waren berechtigt! Natürlich sind viele Firmen korrekt, aber: „Unseriöses Inkasso ist eine Plage“, sagt der Chef des Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV), Gerd Billen.

Wie kommen solche unseriösen Forderungen überhaupt zustande? „Meistens geht es darum, Ihnen einen Vertrag unterzujubeln“, sagt Friedrich Preußler, Referent für Schulden und Insolvenz beim VZBV. Beliebteste Methode: Man hat angeblich ein Abo im Internet abgeschlossen. „Diese Verträge sind meist nicht wirksam“, so Preußler. Abzocker versuchen es auch per Telefon. „Da wird gerade Senioren versprochen, sie kostenlos in einen Gewinnspiel-Verteiler einzutragen.“ Später folgen Rechnungen und Inkasso-Briefe. „Oft bekommen Sie auch ungefragt Ware wie Bücher oder Unterwäsche per Post. Und später die Rechnung.“

Wie verdienen unseriöse Eintreiber ihr Geld? Sie verlangen Gebühren für Kontoführung, Adressermittlung und Ratenzahlungsangebote, kassieren Verzugszinsen oder Auslagenpauschalen. Diese Beträge können sie „nahezu willkürlich“ festlegen, meint der VZBV. Aus Bagatellforderungen würden so hunderte Euro. In einem krassen Fall blähten sich 20,84 Euro sogar zu 1200 Euro auf.

Gehen die meisten darauf ein? Schwer zu sagen – aber: „Es lohnt sich für Firmen auf jeden Fall“, so Preußler. „Viele Schuldner wollen sich Ärger ersparen.“ Manche Firmen schüchtern bewusst ein, etwa mit Hausbesuch, Gerichtsvollzieher, Schufa-Eintrag oder Kontopfändung.

Kontrolliert das denn keiner? In Deutschland sind 79 Land- oder Amtsgerichte für Inkasso-Firmen zuständig. 2010 verloren nur zwei Firmen nach Verbraucherbeschwerden ihre Zulassung – die juristischen Hürden sind hoch. Und: „Viele Verbraucher beschweren sich nicht bei den Gerichten“, sagt Preußler

Wie kann ich mich bei unberechtigten Forderungen wehren? Schreiben Sie einen Brief an die Inkasso-Firma. Darin bestreiten Sie die Forderung – und bitten um einen Nachweis über den angeblichen Vertrag. Auf weitere eventuelle Mahnungen „brauchen Sie nicht zu reagieren“, rät Experte Preußler. „Der Brief reicht.“

Landet ein gelber Brief bei Ihnen, handelt es sich um den Mahn- oder Vollstreckungsbescheid des Gerichts. „Dagegen auf jeden Fall binnen 14 Tagen schriftlich Widerspruch einlegen“, sagt Preußler. Das Formular liegt dem Bescheid bei. Spätestens hier gäben viele unseriöse Firmen auf – aus Angst, vor Gericht zu scheitern. Bei Zweifeln: Ein Besuch bei der Verbraucherzentrale ( 09001 89 22 93 76, Mo., Mi., Do. von 9-11 und 15-17 Uhr) ist immer eine gute Idee.

Auch bei berechtigten Forderungen sollten Sie aufpassen. „Viele Gebühren sind überzogen“, so Preußler. Gebühren für Kontoführung seien nicht erlaubt, auch Ratenzahlungsgebühren seien zweifelhaft. Verzugszinsen sollten sechs Prozent betragen. Preußler: „Es lohnt sich oft, bei Inkasso-Firmen nachzuhaken.“

 


 

Bei diesen Firmen sollten Sie aufpassen

In der Inkasso-Studie der Verbraucherzentralen fielen vor allem folgende Firmen auf – sie hatten die meisten Beschwerden.

 

  • Deutsche Zentral Inkasso GmbH, Berlin
  • blue 180. Vermögensverwaltungs GmbH, München
  • Wecollect GmbH, Düsseldorf
  • DIG Deutsche Internetinkasso GmbH, Frankfurt
  • CONDOR Gesellschaft für Forderungsmanagement mbH, Ludwigshafen
  • liberECO payment solutions KG, Erkrath Inkaso Zastita d.o.o., Kroatien
  • FOCUS Gesellschaft für Forderungsmanagement mbH, Ludwigshafen
  • Debitor d.o.o. Inkaso, Kroatien
  • uniscore Forderungsmanagement GmbH

 

 

 

 

 

 

 

  • Themen:
Lädt
Anmelden oder registrieren

Zum Login
Zu meinen Themen hinzufügen

Hinzufügen
Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten
Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen
Um "Meine AZ" nutzen zu können, müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen.

Zustimmen
Teilen 0  Kommentare – hier diskutieren Artikel empfehlen
0 Kommentare
Artikel kommentieren