Risiko Geldautomat - so schützen Sie sich

Das Ausspähen von Kundendaten an Bankautomaten hat 2010 stark zugenommen. Großbanken mussten jede dritte Maschine auswechseln. Schaden: 60 Millionen Euro.
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München - Sie montieren Mini-Kameras in Rauchmeldern, legen eine Attrappe über die Tastatur oder versehen den Kartenschlitz mit einem Lesegerät: Mehrere Tausend Geheimnummern von Bankkunden haben Betrüger im vergangenen Jahr so ausgespäht – und danach etliche deutsche Konten leergeräumt.

Es ist eine Methode, die längst Schule gemacht hat. Wirksamen Schutz vor Betrüger-Banden gibt es noch nicht: Das sogenannte „Skimming” nahm im vergangenen Jahr vielmehr stark zu. Das Bundeskriminalamt (BKA) registrierte 2010 rund 3200 Fälle, in denen Betrüger Geldautomaten manipulierten – 55 Prozent mehr als im Vorjahr. 1765 Geldautomaten waren Ziel der Attacken, 190000 Bankkunden Opfer von Betrug – 300000 Karten wurden vorsorglich gesperrt.

Die Banden, die mit dem Betrug Millionengeschäfte machen, kommen meist aus Südosteuropa und organisieren den gesamten Tatverlauf vom Ausland aus. Ihre Masche ist simpel: Die illegal abgegriffenen Daten werden auf Kartenrohlinge mit Magnetstreifen übertragen – die können auf Grund von deutschen Sicherheitsvorkehrungen nur im Ausland eingesetzt werden. Zwischen Datenabgriff und Geldabheben vergehen so meist nur zwei bis drei Tage.

Das Geschäft mit dem Geldautomaten-Betrug kommt vor allem die Banken teuer zu stehen. Deutschlands größte Privatbanken der „Cash Group” – unter ihnen die Deutsche Bank oder die Commerzbank – mussten 2010 jeden dritten Automaten wegen Manipulationsgefahr austauschen, allein die Deutsche Bank ersetzte 1200 Geld-Maschinen. Geschätzter Schaden durch den Einsatz gefälschter Bankkarten: 60 Millionen Euro.

Tankstellen im Visier

Manipulierte Automaten stehen meist dort, wo es sich lohnt: an stark frequentierten Orten wie Bahnhöfen oder Fußgängerzonen mit viel Laufkundschaft. Doch ist nicht nur dort Vorsicht geboten, denn die Täter erweitern inzwischen ihr Betätigungsfeld: Erstmals standen 2010 auch Tankautomaten an SB-Tankstellen in Nordrhein-Westfalen im Visier der Betrüger. Ebenfalls bereits manipuliert: Fahrkartenschalter der Deutschen Bahn. Ende März 2011 wurden Daten von etlichen Bahnkunden auf gefälschte Karten übertragen. Deren Geld floss dann aus Geldautomaten in Slowenien.

Wie schützen sich die Banken vor dem immensen Schaden? Die Deutsche Bank montierte zuletzt die automatischen Türöffner ab, durch die Kunden außerhalb der Öffnungszeiten ihre Karte schieben mussten. Offenbar mit Erfolg: 2009 konnten die Täter mit dem Tür-Trick noch in 13 Prozent aller Fälle an die Magnetstreifendaten kommen, 2010 sank die Erfolgs-Quote auf zwei Prozent. Weitere Schutzmaßnahme, die für einen Rückgang der Taten in diesem Jahr sorgte: Statt Magnetstreifen werden nun häufig Chips eingesetzt - die sind schwieriger zu lesen. Einziges Problem: Der Chip funktioniert nur in Europa – die meisten deutschen Bankkarten haben zusätzlich also einen Magnetstreifen, mit dem sie in „Nicht-Chip-Ländern” eingesetzt werden können.
Folge: Die Betrüger operieren in Südafrika, den USA oder Kanada. Experten fordern Maßnahmen, die eine bewusste Kontrolle von Magnetstreifenumsätzen möglich machen – bei einigen deutschen Banken müssen Kunden ihre Karte vor einer Reise in ein „Nicht-Chip-Land” bereits gezielt aktivieren.

Die gängigsten Maschen der Betrüger

  • Banden installieren Mini-Kameras an Geldautomaten, die das Eingeben der PIN abfilmen und sie gleichzeitig mit den Kartendaten verbinden.
  • Fotohandys oder Kameras werden in Rauchmelderattrappen versteckt.
  • Über der Originaltastatur befinden sich Tastenattrappen – sie speichern die eingegebene PIN.
  • Mikrophone an Geldautomaten zeichnen auf, wenn Kunden die PIN laut mitsprechen
  • Der Kartenschlitz ist mit einem Lesegerät versehen, das die Daten der EC-Karte herausfiltert.

 

So schützen Sie sich vor Geldkarten-Abzocke

  • Suchen Sie nach Mini-Kameras oder Löchern am Geldautomaten.
  • Bedecken Sie bei der PIN-Eingabe die Tastatur mit einer Hand.
  • Sprechen Sie die Eingabe der PIN nicht laut mit – Täter bauen den Automaten auch Mikrofone ein.
  • Informieren Sie sofort die Bank, falls Ihre Karte einmal steckenbleibt.
  • Statten Sie Ihr Konto zur Sicherheit mit einem Zahlungslimit aus.
  • Kontrollieren Sie regelmäßig Ihre Kontoauszüge.

 

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