Gürtelrose: Expertin klärt über Erreger und Symptome auf

Jeder, der als Kind die Windpocken hatte, kann an Gürtelrose erkranken. Warum die Symptome aber auch mit unserem Immunsystem zusammenhängen, erklärt Dermatologin Dr. med. Yael Adler im Interview.
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Bei Verdacht auf Gürtelrose sollte man schnellstmöglich einen Arzt aufsuchen.
Bei Verdacht auf Gürtelrose sollte man schnellstmöglich einen Arzt aufsuchen. © thodonal88/Shutterstock.com

In Deutschland erkranken jährlich zwischen 350.000 und 400.000 Menschen an Gürtelrose. Für den einen oder anderen mag die Infektion nur wie ein einfacher Hautauschlag wirken. Aber eine Gürtelrose kann bei einem dramatischen Verlauf zu gravierenden Langzeitfolgen führen. Wie diese aussehen können, wie man einer Erkrankung vorbeugen kann und warum es auch auf unser Immunsystem ankommt, verrät Dr. med Yael Adler, Fachärztin für Dermatologie, Venerologie, Phlebologie und Ernährungsmedizin, im Interview mit der Nachrichtenagentur spot on news.

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Was genau ist eine Gürtelrose?

Dr. med. Yael Adler: Eine Gürtelrose ist eine Infektion mit dem Varizella-Zoster-Virus, das ist das Windpockenvirus. Dabei handelt es sich aber nicht um eine Erstinfektion, sondern um ein Rezidiv, also ein Wiederauftreten einer schon im Körper lange Zeit vorhandenen Infektion. Wenn man einmal Windpocken hatte, ziehen sich diese Viren in Nervenschaltstellen im Inneren des Körpers, in der Nähe des Rückenmarks oder auch anderer Schaltstellen im Kopfbereich zurück und kriechen dann bei einer Immunschwäche wieder hervor.

Welche Symptome treten bei einer Gürtelrose auf?

Adler: Zunächst gibt es ein uncharakteristisches Vorstadium, das ist grob gesagt die erste Woche, in der man sich komisch fühlt, Rückenschmerzen hat oder Schmerzen im späteren Areal der Hauterscheinungen. Es kann zu einem Kribbelgefühl und Fieber kommen und dann treten zumeist brennende, stechende und einschießende Schmerzen auf, ehe erste Hauterscheinungen zu sehen sind.

Diese treten immer einseitig am Körper auf, etwa im Gesicht, am Kopf, am Körper oder am Rumpf. Es entstehen rote Flecken, die oft zu richtigen Plagues zusammenfließen, die auch geschwollen sein können. Daraufhin kommt es zum Aufschießen von gruppiert stehenden Pickelchen, die dann zu Bläschen oder richtigen Blasen werden. Diese können auch trüb aussehen. Davon gibt es dann oft im gesamten Nervengebiet mehrere. Das kann sehr diskret und klein sein, aber auch ganz schön heftig und dramatisch und in Begleitung von Schmerzen.

In der dritten Woche heilt das Ganze ab, die Schmerzen gehen hoffentlich zurück, was aber nicht immer der Fall ist. Das nennt man dann die Post-Zoster-Schmerzen, die auch wie eine Neuralgie, also weiterhin einschießend sein können und chronisch werden können, sodass man zum Beispiel Kleidung nicht toleriert.

Wie bei Windpocken streckt sich das Geschehen über circa drei Wochen. Das Immunsystem ist strapaziert und es kann zu Nachwehen wie Müdigkeit oder Abgeschlagenheit kommen. Je weniger Immunkompetenz da ist, gerade bei älteren Menschen, desto heftiger ist die Symptomatik. Es kann sogar so weit gehen, dass sich die Blasen mit Blut füllen, Gewebe abstirbt und Narben zurückbleiben. Treten die Blasen im Kopfbereich auf, sind die Nerven im Gehirn gefährdet und es kann zum Beispiel zu einseitigen Gesichtslähmungen, Schwindel oder Hörverlust kommen.

Wann sollte man einen Arzt aufsuchen?

Adler: Man sollte relativ zügig zum Arzt gehen, damit man rechtzeitig behandelt wird. Man kann nur in den ersten drei Tagen effektiv etwas mit Medikamenten erreichen. Danach muss man die Infektion aussitzen und symptomatisch behandeln. Die Schmerzen gilt es präventiv, also bevor sie auftreten, zu behandeln, sonst ist das Risiko, auch nach der Heilung an einer Nervenreizung zu leiden, relativ erhöht.

Der richtige Ansprechpartner ist hier der Hautarzt oder der Hausarzt und wenn deutlichere Symptome auftreten natürlich auch die Notaufnahme.

Wie wird Gürtelrose behandelt?

Adler: Man muss nicht jede Gürtelrose behandeln, wenn es nur ganz leichte Stellen sind. Bei jungen Menschen reicht oft nur Austrocknen mit einer Schüttelmixtur, die Schmerzhemmer und Anti-Juckreiz-Polidolcanol enthält. Damit behandelt man etwa auch Windpocken. Die ausgetrockneten Stellen behandelt man anschließend mit einer Microsilber- oder Panthenol-Creme, um die Haut zu pflegen.

Bei heftigeren Infektionen, bei Immunschwäche oder auch im Alter müssen Betroffene innerliche Medikamente einnehmen. Neben Tabletten oder einer Infusion wird Gürtelrose, je nachdem wie dramatisch der Verlauf ist, im Krankenhaus zusätzlich auch mit einer Kortisontherapie behandelt, die die Entzündung und die Schwellung der Nerven wieder zurückfährt.

Begleitend kann man sein Immunsystem unterstützen. Eisen, Vitamin D, Zink, Selen, Omega-3-Fettsäuren und Vitamin B sind alle relevante Mikronährstoffe für Haut, Nerven und Immunsystem, die im Lot sein sollten. Hier sind Nahrungsergänzungsmittel für eine Weile durchaus eine gute Unterstützung.

Wie kann man Gürtelrose vorbeugen?

Adler: Richtig vorbeugen lässt sich eine Gürtelrose nicht, da fast jeder Mensch schon einmal die Windpocken hatte. Es gibt eine Impfung, also einen Totimpfstoff, den man ab 50 Jahren injiziert, besonders bei Immungeschwächten. Dieser ist sehr wirksam, langanhaltend und schützt vor Gürtelrose und auch vor der häufigen Nervenschmerz-Situation nach einer Infektion.

Ist Gürtelrose ansteckend?

Adler: Gürtelrose als Krankheitsbild an sich ist nicht ansteckend, da es sich dabei um eine Reaktivierung der eigenen Viren, die man im Körper hat, handelt. Aber die Blasen sind infektiös, das heißt es könnte sich damit jemand, der noch nie die Windpocken hatte, mit Windpocken anstecken. Deshalb sollte man bei einer Infektion unbedingt den Kontakt zu Schwangeren vermeiden.

Steigt das Risiko einer erneuten Infektion, wenn man schon einmal Gürtelrose hatte?

Adler: Meistens haben Menschen eher, wenn überhaupt, nur einmal die Gürtelrose. Es gibt aber auch Fälle, wenn das Immunsystem geschwächt ist, wo das auch mehrmals auftreten kann. Weltweit beobachtet man eine steigende Erkrankungsrate. In Deutschland sind es 350.000 bis 400.000 Menschen jährlich, etwa zwei Drittel davon sind über 50 Jahre alt.

Hinweis: Diese Meldung ist Teil eines automatisierten Angebots der nach strengen journalistischen Regeln arbeitenden Agentur spot on news. Sie wird von der AZ-Onlineredaktion nicht bearbeitet oder geprüft. Fragen und Hinweise bitte an feedback@az-muenchen.de

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