Grippeimpfung: Wer sich impfen lassen sollte

Nicht nur in München, sondern in ganz Bayern gab es so viele Influenza-Fälle wie noch nie seit der Einführung der Meldepflicht. Nicht wenige Fälle enden tödlich.
| Nina Job
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Besser rechtzeitig impfen lassen
dpa Besser rechtzeitig impfen lassen

Nicht nur in München, sondern in ganz Bayern gab es so viele Influenza-Fälle wie noch nie seit der Einführung der Meldepflicht. Wann eine Grippeimpfung sinnvoll ist.

München - Hustenfeuchte Haltegriffe in der U-Bahn, niesende Fahrgäste und fiebernde Kollegen - jetzt kommt wieder die Jahreszeit, in der die Viren fliegen und sich neue Angriffsziele suchen.

Halsschmerzen, Husten und Schnupfen können die Folge sein – und im schlimmsten Fall fängt man sich eine echte Grippe ein. Bei der vorigen Grippewelle sind 41 Münchner gestorben.

"Die Gefährlichkeit der Influenza wird immer noch häufig unterschätzt", warnt Andrea Wawer, ärztliche Leiterin der Betriebsmedizin im Klinikum rechts der Isar. Sie und fünf weitere Experten klärten am Mittwochabend bei einer Fortbildungsveranstaltung der TU über den aktuellen Stand der Wissenschaft zum Thema Impfungen auf.

Grippewelle: Die vorige galt als besonders schlimm

Wie gefährlich eine Grippe sein kann, belegen Zahlen: Die vorige Grippewelle galt als besonders schlimm. Laut Robert-Koch-Institut erkrankten etwa neun Millionen Menschen in Deutschland an einer Influenza, 20.000 Menschen starben daran. "Es ist in Deutschland die Infektionskrankheit mit der höchsten Sterblichkeitsrate", sagt Andrea Wawer.

Zum Vergleich: Im gleichen Zeitraum starben 100 Menschen an Tuberkulose, 460 an AIDS und 3206 Menschen bei Verkehrsunfällen. Allein in München wurden während der vergangenen Grippewelle bis Mai 2018 fast 9900 Influenza-Erkrankungen ans Referat für Gesundheit und Umwelt gemeldet. Für 41 Menschen endete die Krankheit tödlich.

In München so viele Influenza-Fälle wie noch nie seit Einführung der Meldepflicht 

Nicht nur in München, sondern in ganz Bayern gab es so viele Influenza-Fälle wie noch nie seit der Einführung der Meldepflicht im Jahr 2001: 43.639 Krankheiten wurden gemeldet. Auch die Zahl der Grippe-Toten stieg im Vergleich zur Vorsaison, und zwar auf 142. Im Jahr zuvor waren es noch 76. Doch es gibt eine wirksame Methode, sich vor einer Grippe zu schützen - wie vor vielen anderen Erkrankungen auch: die Impfung. Martin Halle, ärztlicher Direktor des Zentrums für Prävention und Sportmedizin der TU München: „Impfungen sind riskant, wenn man auf sie verzichtet!“

Obwohl die Wirksamkeit des Influenza-Impfstoffes von Saison zu Saison schwanken kann, "ist sie die wichtigste Schutzmaßnahme. Mit keiner anderen Impfung lassen sich hierzulande mehr Leben retten", so der Professor. Andrea Wawer ergänzt: "Durch eine höhere Impfrate könnten viele schwere Krankheitsverläufe und Todesfälle vermieden werden." 

Grippe: Erhöhtes Risiko auch für Menschen über 60 

Insbesondere Menschen über 60, Schwangere, chronisch Kranke und Menschen mit geschwächtem Immunsystem sollten zu ihrem Hausarzt gehen und sich impfen lassen. Außerdem appelliert die Medizinerin (s. Interview rechts) an medizinisches Personal sowie Bedienstete in Alten- und Pflegeheimen und generell an Menschen, die Kontakt zu Risikopatienten haben, sich mit einer Impfung zu schützen - vor allem auch, um sogenannte Risikopatienten nicht anzustecken.

Die Bereitschaft bei den über 60-Jährigen, sich impfen zu lassen, hat in den vergangenen Jahren abgenommen: In der Zielgruppe, in der die Krankheit am häufigsten tödlich endet, ist nur etwa ein Drittel gegen Influenza geimpft. Und auch Sportler sollten sich mit einer Impfung schützen. Der Münchner Alem Begic (31), Box-Europameister, ging am Mittwochabend mit gutem Beispiel voran.

Grippeviren sind hartnäckig

Er ließ sich vor aller Augen im Hörsaal von Klinikdirektor Martin Halle impfen. "Es ist nur ein kleiner Piks. Aber wenn ich eine Grippe bekomme, würde mich das wochenlang aus meinem Training werfen. Das kann ich nicht riskieren." Die gefährlichen Viren fliegen fast zwei Meter weit. Die Grippe-Viren sind übrigens hoch infektiös. Sie fliegen bis zu 1,80 Meter weit und halten sich besonders hartnäckig auf glatten Flächen. "

Auf Türklinken bleiben sie bis zu 48 Stunden ansteckend", erklärt Andrea Wawer. Auf Händen hingegen nur fünf Minuten. Deshalb hilft häufiges Händewaschen. Münchens Gesundheitsreferentin Stephanie Jacobs rät ebenfalls zur Grippe-Impfung. "Der optimale Impfzeitraum sind die Monate Oktober und November." Die Kosten übernimmt die Krankenkasse für alle ab dem 60. Lebensjahr, Schwangere, Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit bestimmten chronischen Erkrankungen.

Weitere Informationen gibt es beim Hausarzt, den Krankenkassen oder der Impfsprechstunde im Gesundheitsreferat (Montag bis Freitag 11-12 Uhr) unter der Telefonnummer 089-233-66907.

 


Diese Impfungen können auch sinnvoll sein:

Hepatitis B Impfung 

Für Patienten mit einer Hepatitis B-Erkrankung gibt es neue Hoffnung: "Wir haben einen therapeutischen Impfstoff entwickelt, der über zwei nacheinander geschaltete Impfungen erstmals eine Chance auf Heilung bieten könnte", erklärte Ulrike Protzer vom Institut für Virologie (Helmholtz Zentrum München) am Mittwoch. Nach erfolgreichen Tests wird eine erste klinische Studie am Menschen vorbereitet. Weltweit haben etwa 260 Millionen Menschen Hepatitis B. Etwa 880 000 Menschen sterben jedes Jahr.

Gebärmutterhalskrebs - Impfung gegen HPV 

Seit zehn Jahren können sich junge Mädchen kostenlos gegen das HP-Virus, das Gebärmutterhalskrebs auslöst, impfen lassen. Rund 4500 Frauen erkranken jährlich daran, 1500 sterben. "Die Impfung schützt zu fast 100 Prozent vor dieser Krebsart – umso trauriger, dass nur etwa ein Drittel der 15-jährigen Mädchen geimpft ist", erklärt Hedwig Roggendorf vom Zentrum für Prävention. Neuerdings werden die Kosten auch für Buben übernommen. Männer übertragen die Infektion beim Geschlechtsverkehr.

FSME Impfung - Risiko-Zecken in 88 Landkreisen in Bayern

Experten appellieren: Eine Impfung gegen FSME, den Erreger der Frühsommer-Meningoenzephalitis, wird immer wichtiger. Denn seit 2018 gibt es drei weitere Risiko-Gebiete in Bayern: den Landkreis München, Starnberg und Weilheim-Schongau. Damit gelten 88 von 96 Kreisen als Risikogebiete. "Nur ein Drittel der Kinder ist geimpft. Aber eine von 100 bis zu eine von 1000 Zecken ist infiziert", warnt Hedwig Roggendorf. 2018 wurden 189 FSME-Fälle gemeldet. Ab 50plus raten Experten zu einer Impfung alle fünf Jahre.

 

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