Billig mit dem Bus

Immer mehr Anbieter, immer mehr Routen: Der Markt für Fernbusse wächst seit dem Start im Januar rasch – die Linien sind meist langsamer, aber billiger als die Bahn. Der große AZ-Service
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MÜNCHEN In die Sommerfrische am Bodensee, Party machen in Berlin, Verwandtenbesuch in Frankfurt: Wer in Deutschland verreisen will, kann das in diesem Sommer erstmals mit einem Fernbus tun. Und zwar sehr preiswert: Frühbucher-Tickets gibt es ab 8 Euro. Beim Start des Fernbus-Systems im Januar war das Angebot noch überschaubar, aber der Markt wächst rasch. Vom Münchner Zentralen Omnibus-Bahnhof (ZOB) starten mittlerweile täglich Dutzende Busse. Die AZ gibt einen Überblick, was Reisende erwartet und für wen es sich lohnen kann:

Die Anbieter. Zu Jahresbeginn waren es erst drei, jetzt sind es schon über zehn Anbieter, die täglich viele deutsche Großstädte miteinander verbinden, aber auch abgelegenere Ziele ansteuern. Wer von München aus weg will, hat inzwischen große Auswahl: DeinBus.de schickt mehrmals täglich Reisebusse nonstop vom ZOB nach Stuttgart, Tübingen, Frankfurt, Regensburg bis nach Prag. Mit MeinFernbus.de kommen Reisende mehrmals täglich nach Berlin, Freiburg, Konstanz. Der Anbieter City2City verbindet unter anderem München mit Köln. Die Strecke wird auch von Eurolines, dem Eurobus und der Deutschen Touring befahren. Das Unternehmen Berlin-Linien Bus steuert unter anderem Dresden an mit Stopps in Ingolstadt, Nürnberg, Bayreuth, Hof und Chemnitz, der Anbieter FlixBus ist stark auf der Strecke nach Frankfurt. Bus & Fly verbindet Nürnberg und Bamberg mit dem Flughafen München, Flughafen Frankfurt und dem Allgäu Airport bei Memmingen. Auch Aldi hat seit ein paar Wochen Reisebusse am Start, unter anderem nach Berlin. Ab 2014 will der ADAC zusammen mit der Deutschen Post in das Geschäft einsteigen.

Preise und Preisvergleich. Bei der Suche helfen jetzt auch Suchmaschinen im Internet weiter, man muss nicht mehr wie anfangs bei jedem Anbieter einzeln schauen: busticket.de, busliniensuche.de oder bussuche24.de. Sie filtern die Linie mit der kürzesten Fahrtdauer und dem besten Preis heraus. Der Kunde bucht dann direkt beim Veranstalter. Je früher gebucht wird, desto größer die Chance auf echte Schnäppchen. Da kommt die Bahn nicht mit, das Auto oder Flieger ohnehin nicht. Wie für Zug oder Flugzeug gibt es Sonderkontingente für Sparpreise. Je näher der Abfahrtstermin rückt, desto teurer wird es. Beispiel: Wer mit MeinFernbus vom ZOB nach Stuttgart will und drei Wochen vorher online reserviert, wird mit dem Bestpreis von 8 Euro belohnt. Später werden bei diesem Anbieter 19 Euro fällig, kurz vor Abfahrt 21 Euro, zahlbar beim Fahrer. Zum Vergleich: Sparpreise der Bahn gibt’s ab 29 Euro.

Auf einigen Routen ist der Bus sogar schneller

Das wird geboten: Alle Anbieter versprechen Reisekomfort und bequeme Sitze. Der Autoclub „Mobil in Deutschland“ hat nachgemessen: Am meisten Beinfreiheit bieten Flixbus (83 Zentimeter Abstand) und City2City (82), gefolgt von DeinBus.de (79), Aldi hat nur 72 Zentimeter. Zum Vergleich: Der IC bietet 87 bis 92 Zentimeter Sitzabstand. Fast alle Fernbusse können mit kostenlosem W-Lan punkten, einige mit Gratis-Zeitungen und Leih-Büchern. Getränke gibt’s ab 1,50 Euro. Nur bei City2City und Deutsche Touring muss man bislang selbst etwas zu trinken mitnehmen. Toiletten sind in allen Bussen an Bord. Ein Handgepäck und ein Koffer sind immer frei, erst der zweite Koffer kostet bei den meisten Anbietern ein paar Euro Aufpreis. Auch das Fahrrad kann in vielen Bussen für 9 bis 10 Euro mit auf Tour. Sogar Sperrgut wird auf einigen Routen nach Voranmeldung mitgenommen. Bis 24 Stunden vor Abfahrt lassen sich Tickets in der Regel stornieren.

Die Fahrzeiten. Fernbusse sind günstig, brauchen auf den meisten Routen aber in der Regel etwas länger bis zum Ziel. Beispiel: Von München bis Frankfurt dauert es mit dem Auto knapp vier Stunden. Der ICE braucht 3:14, der Fernbus fünf bis sechs Stunden. Bei dichtem Berufsverkehr oder Stau kann es länger dauern. Wer mitfährt, sollte es nicht eilig haben. Auf manchen Nebenstrecken sind Fernbusse allerdings überraschend flott am Ziel, wie Stiftung Warentest herausfand. Von München aus gibt es eine Route, auf der die Busse die Bahn sogar schlagen: die Strecke nach Friedrichshafen am Bodensee. Mit der Bahn dauert sie 2:35 Minuten bei einmal Umsteigen zum Bestpreis von 29 Euro. Mit MeinFernbus geht es 15 Minuten schneller, auf direktem Weg für 13 Euro.

Für wen sich der Fernbus lohnt: Wer für kleines Geld verreisen will und genügend Zeit mitbringt, ist im Fernbus gut aufgehoben. Und wer zeitlich halbwegs unabhängig ist: Während die Bahn viele dicht getaktete Verbindungen anbietet, fahren die Busse – bisher – maximal einige Male pro Tag. Hauptzielgruppe sind junge Leute, Studenten und Senioren. Für Kinder bis 15 Jahren gibt es meist Sonderpreise, in vielen Bussen können allein reisende Kinder ab sechs Jahren zum Erwachsenentarif „mitgeschickt“ werden.

Die Rechte der Passagiere: Seit März haben Fernbus-Kunden auf Fahrten von mehr als 250 Kilometern Ansprüche auf Entschädigung. Verspätet sich der Bus um mehr als zwei Stunden, ist er überbucht oder ganz gestrichen, muss der Anbieter den vollen Fahrpreis erstatten. Verzögert sich die Abfahrt bei Routen über drei Stunden um 90 Minuten, müssen Imbisse und notfalls Unterkünfte gezahlt werden.

 

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