Food Report 2020: Wie die Digitalisierung unser Essverhalten verändert

Klassische Mahlzeiten lösen sich immer mehr zugunsten spontaner Essensgelegenheiten auf. Snacks sind so beliebt wie nie, enthüllt Foodtrend-Forscherin Hanni Rützler.
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Hanni Rützler ist die Gründerin und Leiterin des futurefoodstudios und eine der führenden Foodtrend-Forscherinnen Europas.
Andreas Jakwerth Hanni Rützler ist die Gründerin und Leiterin des futurefoodstudios und eine der führenden Foodtrend-Forscherinnen Europas.

"Snacks lösen mehr und mehr die traditionelle Speisenfolge auf", das stellt die renommierte Ernährungswissenschaftlerin Hanni Rützler in ihrem "Food Report 2020" fest. Ein Ergebnis, das sich auch in der aktuellen Studie "State of Snacking" von Mondelez International widerspiegelt. "Unser Essverhalten passt sich den Rhythmen unseres Alltags an, der im digitalen Wissenszeitalter immer schneller, flexibler und mobiler wird", fasst Rützler im Interview zusammen.

Warum verzehren wir immer mehr kleine Snacks zwischendurch anstelle von traditionellen Mahlzeiten?

Hanni Rützler: Unser Essverhalten passt sich den Rhythmen unseres Alltags an, der im digitalen Wissenszeitalter - anders als in Agrar- oder Industriegesellschaften - immer schneller, flexibler und mobiler wird. Weder Arbeit und Bildung noch Freizeitaktivitäten sind an feste Orte und Zeiten gebunden. Und das beeinflusst nachhaltig, wo wir wann was essen. Definierte Mahlzeiten lösen sich zugunsten spontaner Essgelegenheiten auf. Das bestätigt auch die aktuelle "State of Snacking"-Studie von Mondelez International.

Was sind die Vorteile von Snacks?

Rützler: Snacks passen besser in unseren flexiblen, dynamischen Alltag als klassische Menüs mit drei Gängen. Zu den "Zwischenmahlzeiten" zählen klassisch Süßigkeiten, Müsli- oder Proteinriegel, Chips, salziges Knabbergebäck, aber auch Joghurt, Obst und sogar Getränke. Doch wenn die Minimahlzeiten - oder kurz "Mimas" - die Hauptmahlzeiten ersetzen, geht es eher in Richtung Tapas und Mezze oder ganz kleine Portionen von traditionellen Speisen. Dabei sind die "Mimas" nicht per se gesünder oder ungesünder. Das hängt in erster Linie von den Rezepturen ab. Die aktuellen Helden unter den neuen Snacks sind hawaiianische Poke Bowls und levantinische Mezze. Das deutet darauf hin, dass der Wandel des Essverhaltens auch zur Wahl hochwertigerer und gesünderer Produkte, Rezepturen und Speisen führen kann.

Welche Snacks sind besonders beliebt?

Rützler: Poke Bowls, Tapas und Mezze, wie wir sie aus der spanischen und arabischen Küche kennen, werden auch in Deutschland immer beliebter. Und nach wie vor ist natürlich der Burger ein Hit - in der klassischen wie in der vegetarischen Variante. Dabei muss es ja nicht immer ein komplettes Menü mit Pommes und Cola sein. Es ist eher die Portionsgröße, die eine Mahlzeit zu einer Minimahlzeit macht und aus einer Speise einen Snack.

Was unterscheidet Snacks von Fast Food?

Rützler: Die Grenzen sind vielfach fließend. Aber eine kleine Portion eines Tellergerichts, eine Poke Bowl oder einen Teller Bouillabaisse beim Fischhändler an der Theke ist meilenweit von dem entfernt, was wir unter Fast Food verstehen.

Stirbt das traditionelle Menü aus Vorspeise, Hauptspeise und Dessert aus?

Rützler: Natürlich nicht! Es wird auch in Zukunft viele Gelegenheiten geben, ein klassisches Menü zu genießen. Aber im Alltag wird es eine immer geringere Rolle spielen.

"Essen soll nicht nur gut schmecken, sondern auch gut zu denken sein", heißt es in Ihrem Report unter anderem. Wächst der Trend aus fair und nachhaltig produzierten Lebensmitteln weiter?

Rützler: Ja, diese Entwicklung wird weiter unseren Diskurs über Lebensmittel und Ernährung bestimmen. Aber wir sprechen hier von Trends, das heißt von Entwicklungen, die noch nicht den Mainstream erreicht haben. Die - oft emotional geführten - Debatten über Klimawandel und Landwirtschaft beschäftigen uns ebenfalls. Und wenn sich alternative, das heißt auch gut zu denkende Optionen ergeben, dann werden sie von immer mehr Menschen auch ergriffen. Immer mehr Deutsche hoffen, dass Snacks in den nächsten Jahren umweltfreundlicher, gesünder und - was die Herkunft angeht - transparenter werden.

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