Stromerzeugung für den Eigenbedarf
Herr Will, gut drei Viertel der Deutschen können sich vorstellen, ihren eigenen Strom zu erzeugen. Das hat eine aktuelle Studie ergeben. Aber längst nicht alle haben das bisher umgesetzt. Ist 2014 ein gutes Jahr für Hauseigentümer zum Einstieg in die Solarstromerzeugung? Aus welchen Gründen?
Wahrscheinlich nicht. In den Jahren zuvor konnte der Anlagen-Interessent mit einem festen Vergütungsbetrag pro eingespeister Kilowattstunde rechnen und eine zufriedenstellende Rendite für seine Investition erwarten. Das wird 2014 nur noch minimal sein - die Koalitionsverhandlungen lassen das erwarten.
Welche Aspekte muss man in seine Überlegungen einbeziehen?
An die Stelle der Einspeisevergütung tritt nunmehr für Neuanlagen der Gesichtspunkt des Eigenverbrauchs. Über die Lebensdauer einer Fotovoltaikanlage gerechnet, liegt der Selbstkostenpreis der Kilowattstunde bei etwa 13 bis 15 Cent, in Abhängigkeit von den Kosten für die Anlage im Einzelfall. Es wird damit gerechnet, dass der Strompreis der vier großen Versorger in Deutschland im kommenden Jahr bei ca. 30 Cent liegen wird. Die Differenz zwischen den beiden genannten Preisen bildet den geldlichen Ertrag, also die Rendite des Betreibers einer Solarstromanlage. Sie ist theoretisch wesentlich besser, als die im zu Ende gehenden Jahr gewährte Einspeisevergütung. Aber sie ist in der Praxis abhängig von der Eigenverbrauchs-Quote – der Menge an Strom, die konkret selber verbraucht werden kann. Gegenwärtig muss ein Mensch im Hause sein, um je nach Sonneneinstrahlung elektrische Geräte in Betrieb zu nehmen, - da liegt noch ein Hindernis in vielen Fällen. In Zukunft, etwa in zwei bis drei Jahren, werden wahrscheinlich Batterie-Speicher für Solarstrom, kombiniert mit einer automatischen Schaltung der Geräte, zu akzeptablen Preisen verfügbar sein. Damit kann dann die für die Rentabilität der Anlage erforderliche Eigenverbrauchsquote von über 60 Prozent erreicht werden.
Energiesparen und Klimaschutz sind gesellschaftliche Herausforderungen. Wie können Eigenheimbesitzer dazu beitragen, die Ziele zu erreichen?
Zum einen in der oben beschriebenen Weise mit Fotovoltaikanlagen. Mehr aber noch durch Verringerung des Heizenergiebedarfs im eigenen Haus. Der Heizenergieverbrauch im privaten Wohnbereich ist einer der großen Posten des Gesamt-Energieverbrauchs. Unser gegenwärtiges Heizen in allen älteren Häusern ist ein ständiges Ersetzen der Wärme-Verluste durch die ungedämmten Wände und Dächer der meisten Altbauten. Moderne, hochwertige Dämmung und Fenstererneuerung sind der Weg zum angesprochenen Ziel.
Die Solarförderung wurde reduziert, der Branche geht es nicht mehr so rosig. Für wen lohnt sich die Investition in eine Fotovoltaikanlage?
Im Grundsatz für jeden Hausbesitzer mit geeignetem Dach, wenn er bereit ist, in den kommenden Jahren wie oben erwähnt, noch einmal in Speicher und Strommanagement zu investieren, um die maximale Eigenverbrauchsquote dann zu erreichen.
Die "Solarisierung" von Altbauten ist oft ein Thema. Können ältere Gebäude die erneuerbaren Energien überhaupt effektiv nutzen?
Das können sie ohne jeden Zweifel, wenn fachkundig überlegt und geplant wird, welche Maßnahmen in welcher Reihenfolge durchgeführt werden müssen. Kommt es für den ökologischen und für den ökonomischen Nutzen sehr an. Die Reihenfolge ergibt sich aus dem übergeordneten Grundsatz aller künftigen Energieverwendung, aus der höchst möglichen Energie-Effizienz. Das bedeutet, unsere heutigen Wohnansprüche mit geringerem Energieaufwand aufrecht zu erhalten. Die Vermeidung unnötiger Energieverluste und die Realisierung fortschrittlicher Energie-Erzeugung gehen dabei Hand in Hand. Die erneuerbaren Energien eignen sich in einer derartigen Gesamtkonzeption sehr gut.
Am Sonntag, 2. Februar 2014, werden die kostenfreien Vorträge und Einzelberatungen im Bauzentrum Poing fortgeführt. Die kostenfreien Einzelberatungen dauern maximal 30 Minuten. Eine telefonische Anmeldung ist erforderlich: Montag bis Donnerstag von 8 bis 19 Uhr unter 0 89 / 949-11638.
Sonntags bietet das Bauzentrum Poing von 10 bis 17 Uhr eine professionelle Kinderbetreuung an.
Mehr Infos unter www.bauzentrum-poing.de
- Themen: