Kreative kleine Küchen
Wer nicht viel Platz zur Verfügung hat, muss sich bei der Einrichtung ein paar Gedanken machen, damit das Kochen Spaß macht.
HAMBURG Zu Hause mag es jeder großzügig. Vor allem in der Küche soll es gemütlich sein – hier ist außerdem Arbeit zu tun. Aber auch kleine Küchen haben Vorteile: Das Kochen geht schnell, weil alle Geräte und Zutaten nur einen Handgriff entfernt sind. Und: „Eine kleine Küche ist von Anfang an gemütlich. Bei großen Küchen muss dieses Gefühl oft aufwendig künstlich hergestellt werden“, erläutert die Wohnexpertin Katharina Semling.
„Man sagt, die größten Partys finden in den kleinsten Küchen statt.“ Deshalb empfiehlt Semling, selbst in Miniküchen einen kleinen Essplatz einzurichten, auf dem das Weinglas abgestellt oder ein kleines Frühstück serviert werden kann. „Die Küche ist nicht mehr nur Werkstatt, sondern die Seele der Wohnung“, erläutert Frank Hüther von der Arbeitsgemeinschaft Moderne Küche. Denn ob groß oder klein – Kochen und Kommunikation gehören heute zusammen.
Vor dem Kauf von Küchenmöbeln hilft es, sich den Grundriss genau anzusehen und den Raum auszumessen. „Viele Hersteller bieten im Internet 3-D-Programme an, mit denen man die eigene Küche nach Belieben zusammenstellen kann“, empfiehlt Kirsten Johanson, Autorin des Ratgebers „Kleine Küche“. Dabei sollte genau abgewogen werden, ob große Küchengeräte wie eine Mikrowelle, eine Kühl-Gefrier-Kombination oder ein Geschirrspüler wirklich gebraucht werden.
Wer kreativ ist, kann sich bei der Küchengestaltung Ideen aus dem Alltag holen. „Unkonventionell denken!“, fordert Semling. Auch eine verbreiterte Fensterbank kann ein schöner Essplatz werden – entweder auf einem Sitzkissen mit dem Kaffee in der Hand oder als Sitzbank, vor der ein Tisch steht. Diese Idee hat sich die Trendexpertin von Cafés und Imbissen abgeschaut. Auch Klappstühle aus Plastik müssen nicht sein: Stattdessen eignet sich ein schlichter Holzblock – wie in Bibliotheken – als Tritt, der gleichzeitig mit einem farbigen Kissen zum Sitzhocker umfunktioniert wird. „Auch ein kleines Sofa oder eine Sitzbank schaffen sofort Gemütlichkeit“, sagt Semling. Ein Klapptisch an der Wand kann außerdem als Arbeitsfläche oder als Tresen genutzt werden. Bei einer offenen Küche empfiehlt sich ein schwenkbarer Tisch auf Rollen, der bei Bedarf in die Küche hineingedreht werden kann. „In eine schlauchartige Küche passt auch gut eine Bierbank. Und wenn Gäste kommen, wird einfach der passende Tisch dazu aufgestellt.“ Für ein offenes und natürliches Licht eignet sich eine Kranzbeleuchtung. Dafür wird an jeder Wand etwa zehn Zentimeter unter der Decke eine Stuckleiste mit integriertem Licht angebracht, erläutert Semling. „Mit einer gewinkelten Latte und einem Lichtschlauch lässt sich das auch selber bauen.“ Für die Arbeitsfläche ist aber eine punktuelle Beleuchtung unersetzlich.
„LED-Lampen lassen sich dafür gut verwenden, weil sie weniger Strom verbrauchen und nicht so schnell heiß werden“, rät Ursula Geismann vom Verband der deutschen Möbelindustrie. Schrille bunte Accessoires sind nur in weißen Küchen ratsam, sagt Semling. Ein kleiner Raum sollte schlicht gehalten und immer aufgeräumt sein. „Je mehr rumsteht, desto kleiner wirkt der Raum.“ Und in kleinen Küchen muss jeder Platz genutzt werden. Ob offene Regale oder kompakte Oberschränke als Stauraum dienen, ist eine Geschmacksfrage. Viele Hersteller bieten inzwischen Oberschränke an, die nicht tiefer als 30 Zentimeter in den Raum reichen, sagt Geismann. „Das wirkt weniger wuchtig.“ Auch Schranktüren, die nach oben geklappt oder geschoben werden, sind wieder im Kommen: „Ein Retro-Trend aus den 50er Jahren.“