Kein Leichtsinn beim Immobilienkauf!

Verbraucherschützer und Finanzexperten sehen in den billigen Zinsen eine Gefahr
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Mehrere Häuserfassaden in München: Der Traum von den eigenen vier Wänden scheint vielen Menschen derzeit zum Greifen nahe.
dpa Mehrere Häuserfassaden in München: Der Traum von den eigenen vier Wänden scheint vielen Menschen derzeit zum Greifen nahe.

MÜNCHEN Die Mini-Zinsen für Baugeld in Deutschland verlocken zunehmend auch Menschen zum Kauf einer Immobilie, die sich eigentlich keine leisten können. "Derzeit kommen viele Verbraucher fast ohne Eigenkapital und denken, alles ist möglich", sagt Martin Reuter von der Verbraucherzentrale. Beratungsgespräche für den Immobilienkauf sind derzeit auf Monate hin ausgebucht.
Doch nicht allen Interessenten kann er nach gründlicher Prüfung der Finanzen zum Kauf raten: "Wir müssen viele Leute wegschicken, weil sie falsche Vorstellungen haben." Der Finanzexperte Hans-Peter Burghof sieht die anhaltend niedrigen Zinsen als Gefahr. "Die Möglichkeit, dass man ohne Kosten Geld bekommt, führt zu Leichtsinn", warnt der Banken-Professor der Universität Hohenheim.
Normalerweise hat der Preis eine Lenkungsfunktion – diese funktioniert derzeit aber nicht mehr, das Risikobewusstsein wird so verringert. Burghof sieht nach dem jahrelangen Ansturm auf Wohnungen und Häuser inzwischen die Gefahr einer Immobilienblase.
Wenn die Zinsen in den kommenden Jahren wieder steigen oder der Wert einer Immobilie sinkt, drohen Probleme. "Dann hat man in zehn Jahren ein Haus an der Backe, dass man sich nicht mehr leisten kann." Wohnungen in besonders attraktiven Ballungsräumen sind nach Einschätzung der Bundesbank bereits zu teuer. Für die Immobilien sind zuletzt Preise verlangt und gezahlt worden, die nicht von längerfristigen demografischen und wirtschaftlichen Einflussfaktoren gedeckt seien, berichtete die Notenbank in der vergangenen Woche. Geschosswohnungen in den Ballungszentren sind nach den Schätzungen um bis zu 20 Prozent überbewertet. Das Beratungsunternehmen Empirica empfahl vor wenigen Tagen daher in klaren Worten, bei der Immobilienauswahl "höllisch aufzupassen". Vor allem in Berlin, München, Hamburg oder Köln sind die Preise in den vergangenen Jahren in die Höhe geschossen. Eine neue 100-Quadratmeter-Wohnung in einer guten Lage in München ist kaum noch für weniger als 450 000 Euro zu haben. Trotzdem wagen viele Menschen den Kauf einer Immobilie, weil sie durch die niedrigen Zinsen höhere Kredite aufnehmen können.
Für ein Darlehen von 200000 Euro bei einer Laufzeit von 10 Jahren werden derzeit zum Beispiel bei einem Zinssatz von 2,5 Prozent und einer Tilgung von einem Prozent nur rund 580 Euro pro Monat fällig. Verbraucherschützer warnen aber vor dieser rein kurzfristigen Betrachtung: Nach zehn Jahren wären in diesem Beispiel wegen der geringen Tilgungsrate erst rund 23000 Euro der gesamten Kreditsumme abbezahlt. Liegen die Zinsen dann aber bei 4 Prozent, kostet die Anschlussfinanzierung der Summe von 177 000 Euro fast 740 Euro im Monat. Ist der Wert der Immobilie im gleichen Zeitraum gesunken, würde beim Verkauf zudem ein Verlust entstehen.
Verbraucherschützer Reuter rät deshalb zu möglichst langen Laufzeiten und einer hohen Tilgung: "Wem der Zins für eine lange Zinsbindung und eine mindestens zweiprozentige Tilgung bei einer Baufinanzierung derzeit zu viel ist, der sollte vom Immobilienerwerb Abstand nehmen." Auch die Nebenkosten für Makler, Notar und Grunderwerbssteuer dürften bei der Kalkulation nicht vergessen werden.

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