Häuslebauer sind aktiv

Eigentumswohnungen werden immer beliebter, aber auch teurer – Mieten steigen
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Handwerker profitieren von den niedrigen Bauzinsen sowie der Inflations-Angst – vielerorts wird jetzt neu gebaut.
dpa Handwerker profitieren von den niedrigen Bauzinsen sowie der Inflations-Angst – vielerorts wird jetzt neu gebaut.

MÜNCHEN/BERLIN Der Immobilienboom in Deutschland lässt Bauindustrie und Handwerk auf ein neues Spitzenjahr 2012 hoffen. Vor allem im Wohnungsbau erwartet die Bundesvereinigung Bauwirtschaft nach 2011 noch ein kräftiges Plus. „Die Angst vor Inflation und Eurokrise gibt immer mehr Bürgern Anlass, die Anschaffung einer eigenen Immobilie zu planen”, hat der Vorsitzende Karl-Heinz Schneider jüngst bei der Internationalen Handwerkermesse in München betont.
Fast zeitgleich teilte das Statistische Bundesamt jetzt mit: Eigentumswohnungen werden in Deutschland immer beliebter. Fast die Hälfte der 37 Millionen bewohnten Wohnungen nutzten die Eigentümer 2010 selbst. Die Quote betrug 45,7 Prozent – 4,1 Prozentpunkte mehr als vier Jahre zuvor. Im Westen (ohne Berlin) waren es sogar 48,8 Prozent.
Zugleich gab es insgesamt nicht nur mehr Wohnungen, sondern auch mehr Leerstände. Die Zahlen stammen aus der Haushaltsbefragung Mikrozensus der statistischen Ämter von Ländern und Bund und bilden das Jahr 2010 ab.
Gleichzeitig haben die niedrigen Bauzinsen und die Inflations-Angst die Preise für Wohnungen in deutschen Großstädten steigen lassen. In kreisfreien Städten hätten sich die Preise von Wohnungen im Schnitt binnen zwölf Monaten um 5,6 Prozent erhöht, berichtet die „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung”. Laut „FAS” kletterten die Wohnungspreise in drei Jahren in München um 23 Prozent, in Hamburg um 26 Prozent, in Bayreuth um 36 Prozent.
Und noch eine Entwicklung zeichnet sich – laut der Haushaltsbefragung Mikrozensus der Statistischen Ämter – ab: Mieter werden deutlich stärker zur Kasse gebeten als vor vier Jahren – vor allem bei den Nebenkosten. Der Anteil ihrer Ausgaben für die Kaltmiete am Einkommen ist mit im Schnitt 22,5 Prozent zwar konstant. Für Rentner und Alleinerziehende ist die Belastung aber deutlich größer: 2010 ging in jedem dritten Rentnerhaushalt mehr als ein Drittel des Einkommens für die Kaltmiete drauf. Bei Alleinerziehenden war es – je nach Kinderzahl – ein gutes Viertel bis ein knappes Drittel.
Die Mieter bezahlten deutschlandweit im Schnitt kalt 6,37 Euro pro Quadratmeter im Monat und damit 43 Cent mehr als 2006. Bayernweit waren es im Schnitt 6,75 Euro. In München lag die Kaltmiete 2010 pro Quadratmeter und Monat im Schnitt deutlich höher bei 8,86 Euro, wie das Landesstatistikamt der AZ Auskunft gab. Für Neubauten (ab 2001) in München lag die Kaltmiete 2010 laut der Haushaltsbefragung demnach bei 10,22 Euro pro Quadratmeter. Für Altbauten (bis 1948 errichtet) bei 8,58 Euro.
Deutschlandweit lagen die warmen Nebenkosten 2010 im Schnitt bei 1,25 Euro je Quadratmeter.
Die kalten Nebenkosten beziffern die Statistiker auf rund einen Euro. Der Deutsche Mieterbund denkt einen Schritt weiter: Die Stromkosten seien von 2005 bis 2010 um mehr als 30 Prozent gestiegen. Für Heizöl müssten die Mieter 34 Prozent mehr, für Fernwärme 25 Prozent und für Gas 20 Prozent mehr bezahlen, so ein Sprecher.
Bei der Miete gibt es allerdings auch erhebliche Unterschiede zwischen Ost und West sowie zwischen Stadt und Land. In den alten Bundesländern kostete der gemietete Quadratmeter im Durchschnitt 6,51 Euro kalt (plus 46 Cent), in den neuen Ländern - inklusive Berlin 5,95 Euro (plus 35 Cent).
Im Schnitt bewohnte jeder Einwohner in Deutschland – ob Eigentümer oder Mieter – 45,2 Quadratmeter. Die meisten Wohnungen sind Zweipersonenhaushalte mit durchschnittlich gut 92 Quadratmetern.
Rund 40,5 Millionen Wohnungen wurden 2010 gezählt – 676 000 oder 1,7 Prozent mehr als vier Jahre zuvor. Etwa 3,5 Millionen davon waren unbewohnt. Damit erhöhte sich die Leerstandsquote innerhalb von vier Jahren von 8,0 auf 8,6 Prozent. Der Anstieg ist vor allem im Westen der Republik zu verorten, wo 7,8 Prozent der Wohnungen leer standen (plus ein Prozentpunkt). Im Osten war die Quote mit 11,5 Prozent zwar immer noch höher, aber nach zahlreichen Abrissen fast einen Prozentpunkt niedriger als 2006.
Der Trend zum „Betongold” bescherte den Wohnungsbau-Betrieben 2011 ein kräftiges Umsatzplus von fast 18 Prozent. Diese Dynamik wird sich nach Einschätzung von Karl-Heinz Schneider von der Bundesvereinigung Bauwirtschaft 2012 nicht wiederholen, er rechnet aber immer noch mit einem Plus von 5 Prozent im Wohnungsbau.
Das Handwerk profitiert von Mini-Zinsen und Inflations-Angst: Laut einer aktuellen Umfrage beurteilten 60,7 Prozent der Firmen ihre Geschäftslage als gut oder sehr gut. Nachholbedarf gibt es allerdings vor allem bei den erneuerbaren Energien: 2010 lag deren Anteil beim Heizen laut Statistischem Bundesamt in Deutschland gerade mal bei schlappen 4,4 Prozent. ah

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