Zulassungsstopp ab 2035? Verbrenner müssen in Frührente

Ein Zulassungsstopp ab 2035 stößt bei Audi und BMW durchaus auf Wohlwollen. Der Tod des Benziners ist das aber noch lange nicht.
| Ralf Müller
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Ein BMW hängt am Ladekabel: In deutschen Großstädten ist das kein seltenes Bild mehr, auf dem Land fehlen Ladesäulen.
Ein BMW hängt am Ladekabel: In deutschen Großstädten ist das kein seltenes Bild mehr, auf dem Land fehlen Ladesäulen. © imago images/Manngold

München - Die schwarz-grüne AutoSüdschiene hat gesprochen: Ab 2035 sollen in Deutschland keine Neuwagen mehr zugelassen werden, die sich nur mit Hilfe fossiler Kraftstoffe fortbewegen können. Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) ging voraus, ihm folgte bald darauf der bayerische Ministerpräsident Markus Söder (CSU). Proteste der Automobilkonzerne blieben aus - nicht allzu überraschend.

Die in Ingolstadt angesiedelte VW-Tochter Audi "begrüßt" unumwunden, dass Kalifornien mit einer entsprechenden Vorschrift ab 2035 im Sinne des Klimaschutzes vorangehe, ließ ein Sprecher wissen: "Zusammen mit Volkswagen bekennen wir uns zu den Pariser Klimazielen." Audi stürzt sich voll auf die Elektrifizierung, die auch die Konzernmutter Volkswagen vorantreibt.

Audi sei mit seiner "ambitionierten E-Roadmap gut aufgestellt". Wie schnell sich die E-Mobilität durchsetze, hänge aber auch von der flächendeckenden Ladeinfrastruktur und ausreichender Versorgung mit sauberem Strom ab.

BMW will weiter Diesel- und Benziner entwickeln

Auch bei BMW sieht man die noch lückenhafte Ladeinfrastruktur als Haupthindernis. Die Nachfrage nach vollelektrischen Fahrzeugen werde nur steigen, wenn diese Rahmenbedingung hergestellt sei, teilten die Münchner mit. Dort scheint man einen Zulassungsstopp in 15 Jahren in Deutschland ebenfalls nicht zu fürchten. Komplett andere Fahrzeuge müsste BMW für den Umstieg nicht entwickeln.

Die hauseigenen Fahrzeugarchitekturen seien "intelligent" genug, alle möglichen Antriebsarbeiten aufzunehmen. In zehn Jahren sollen nach BMW-Zielsetzung mehr als sieben Millionen elektrifizierter Pkw aus dem eigenen Haus weltweit auf den Straßen unterwegs sein, davon zwei Drittel mit vollelektrischem Antrieb. Trotz dieser Ziele will BMW weiter Diesel- und Benziner entwickeln und pocht auf "Technologieoffenheit".

"Erfindernation sollte nicht zum Schlusslicht werden"

Besonders bei Audi hat man sehr aufmerksam zur Kenntnis genommen, dass die Ministerpräsidenten Söder und Kretschmann nicht das generelle Aus für alle "Verbrenner" forderten. Das trifft in Ingolstadt auf Zustimmung, wo man schon lange mit der "Power-to-Gas"- Technologie experimentiert und in Werlte eine Pilotanlage zur Herstellung von synthetischen flüssigen Kraftstoffen betreibt.

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Man könne sich E-Fuel-Audi-Pkw vorstellen, wenn die Kraftstoffe durch Dritte produziert "und für die CO2-Flottenemissionen angerechnet werden können".

Die Vorstöße nennt Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer "eine gute Sache". Er ist inzwischen Direktor des "CAR-Center Automotive Research" in Duisburg. Der US-Hersteller Tesla zeige, "dass man erfolgreich die Zukunft mit reinen Elektroautos gestalten kann". "Die Erfindernation des Autos sollte nicht Schlusslicht werden", sagt er - der zügige Umstieg sei wichtig. Auf keinen Fall solle man zurückrudern: "Das Schlimmste, was man machen kann", sagt Dudenhöffer.

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