Zu wenig Geld für die ambulante Pflege

Die Kosten stiegen seit 1998 um 70 Prozent, die Vergütung nur um 15 Prozent
| Susanne Stephan
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Pflegerin mit Seniorin: Knapper Lohn für anstrengende Arbeit.
Pflegerin mit Seniorin: Knapper Lohn für anstrengende Arbeit.

 

Wer ab und zu Hilfe im Alltag braucht und in Pflegestufe I eingruppiert wird, bekommt gut 1000 Euro von der Pflegeversicherung – wenn er im Heim lebt. Zu Hause gibt’s nur 450 Euro, falls ein ambulanter Pflegedienst kommt. Unter diesen Umständen trocknet die ambulante Pflegeversicherung aus, warnt der Paritätische Wohlfahrtsverband.

MÜNCHEN Viele Menschen wollen auch im Alter so lange wie möglich in der gewohnten Umgebung leben. Werden sie von Angehörigen betreut, bekommen diese nur ein Taschengeld: In der Pflegestufe I 235 Euro, in Pflegestufe II 440 Euro, in Pflegestufe 3 nur 700 Euro. Für den Einsatz professioneller Pflegekräfte gibt es etwas mehr – aber bei weitem nicht genug, kritisiert der Paritätische Wohlfahrtsverband. In Pflegestufe I sind es beispielsweise maximal 450 Euro im Monat.

Die Vergütungen für ambulante Pflegedienste lägen im Durchschnitt um 48 Prozent zu niedrig, kritisierte der Paritätische Wohlfahrtsverband gestern. Die Kosten seien seit 1998 im Bundesschnitt um 70,4 Prozent gestiegen, während die Pflegekassen in dem Zeitraum nur ein Plus von 15 Prozent bei der Vergütung zugestanden hätten. Erhebliche Arbeitsverdichtung und schlechtere Arbeitsbedingungen seien die Folge.

Wegen der knappen Mittel können es sich  die ambulanten Dienste in der Regel nicht leisten, mehr Zeit als unbedingt nötig mit den Menschen zu verbringen, für die sie zuständig sind. Und sie haben Schwierigkeiten, geeignetes Personal zu finden. Kaum jemand will schließlich einen Knochenjob für mäßiges Gehalt erledigen. Der durchschnittliche Bruttolohn in Pflegeberufen beträgt 2412 Euro im Monat. Und für die Ausbildung in einigen Pflegeberufen müssen die Anwärter Schulgeld bezahlen – ein teurer Anachronismus, der engagierte Bewerber abschreckt. Viele Arbeitgeber sind zudem konfessionell gebunden und verlangen ihren Beschäftigten eine besondere Loyalität zur Kirche ab.

Die Folge der widrigen Bedingungen: Heute schon fehlen bundesweit im ambulanten Bereich und in den Heimen rund 130000 Pflegekräfte. Eine Lösung ist bisher nicht in Sicht, solange die Pflegebeiträge, die die Jungen und Gesunden zahlen müssen, nicht deutlich angehoben oder die Gelder innerhalb des Pflegesystems umverteilt werden. Bisher ist eine Anhebung um 0,5 Prozentpunkte in zwei Schritten geplant. Doch auch das wird voraussichtlich nicht reichen. Denn bis zum Jahr 2030 erwarten Experten in Deutschland 3,4 Millionen Senioren mit Pflegebedarf. sun

 

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