Wolken über der Autobranche

Die Abgas-Affäre stürzt auch andere Hersteller in Aufruhr
| Theresa Münch
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"Wir sind sauber" - sagen alle. Doch die Abgas-Affäre stürzt auch andere Hersteller in Aufruhr

Freiwillig spricht das „Dieselgate“ keiner der Redner an. Nicht Bernhard Mattes, der Deutschland-Chef von Ford. Auch nicht BMW-Entwicklungsvorstand Klaus Fröhlich. Doch natürlich werden sie beim Kongress der Fachzeitung „Automobilwoche“ in Berlin angesprochen auf den VW-Skandal. Die wichtigste Botschaft der Branche: Jetzt bloß nicht in Hysterie verfallen. Doch der Blick in die kommenden Monate ist alles andere als zuversichtlich.

Eigentlich soll es bei dem Kongress am Donnerstag um Digitalisierung und Innovationen bei den Autobauern gehen. Ihre Vorträge dazu ziehen die Redner auch knallhart durch, sprechen über Elektroautos, halbautomatisiertes Fahren, Spurhalte-Assistenten, diverse Apps und Google im Auto. Zugleich aber wird den Zuhörern klar: Die Branche ist aufgewühlt wie lange nicht. Ein deutscher Mythos ist nach den manipulierten Abgasmessungen beschädigt. Die Welt des mächtigen Volkswagen-Konzerns liegt ziemlich in Trümmern. Die Auswirkungen dessen sieht man zuerst dem Kongress-Programm an. Jürgen Stackmann, angekündigt noch als Vorstandschef von Seat, sagte ab. Er soll neuer Vertriebschef im VW-Konzernvorstand werden. Auch den Namen von VW-Zukunftsforscher Wolfgang Müller-Pietralla sucht man im aktualisierten Zeitplan vergebens.

„Dürfen bloß nicht den Fehler machen, Diesel infrage zu stellen“

Der Name „Volkswagen“ ist trotzdem in aller Munde. BMW und Ford bemühen sich, klar zu machen: Wir haben uns nichts vorzuwerfen. Gelassen sind sie trotzdem nicht. BMW-Entwicklungschef Fröhlich fürchtet eine monatelange, unsachliche Diskussion. „Es werden jetzt Hunderte von Testergebnissen aufsteigen, wo irgendjemand irgendwas gefahren hat“, sagte er. Die meisten Tests sagten aber nichts aus. Auch die Münchner waren in die Schlagzeilen geraten, hatten alle Vorwürfe zurückgewiesen. Ford-Deutschlandchef Mattes fürchtet sogar um das Image des Dieselmotors an sich.

Denn bei vielen Verbrauchern bleiben wohl nicht die Details hängen, sondern die Frage: Stimmt was nicht mit meinem Diesel? Die Autobranche müsse jetzt klar kommunizieren, dass sie weiter auf den Antrieb setze, betont Mattes. Daran ändere sich nichts, auch wenn VW die Abgaswerte mit manipuliert habe. Dieselmotoren seien trotzdem gut im Hinblick auf Emissionen. „Wir dürfen bloß nicht den Fehler machen, das jetzt infrage zu stellen“, fordert Fröhlich eindringlich. Die Folgen mag sich öffentlich keiner ausmalen. Den Ruf der deutschen Wirtschaft sehen die Autobauer zunächst nicht beschädigt. Das Label „Made in Germany“ hänge ja nicht nur an der Autoindustrie, betont Mattes.

Zu viel der Ehre – und Verantwortung. Doch er räumt ein: Deutsche Firmen müssten sich das Vertrauen der Kunden nicht mehr allein durch hervorragende Leistungen verdienen, sondern auch durch Glaubwürdigkeit.

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