Wohnungen werden erstmals seit Jahrzehnten wieder kleiner

Die durchschnittliche Wohnung in Deutschland ist seit den Sechzigerjahren deutlich größer geworden. Das ändert sich nun: Grund sind hohe Immobilienpreise, aber auch ein gesellschaftlicher Trend.
dpa |
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Mehr Single-Haushalte und steigende Immobilienpreise: Neubauwohnungen werden wieder kleiner. (Symbolbild)
Mehr Single-Haushalte und steigende Immobilienpreise: Neubauwohnungen werden wieder kleiner. (Symbolbild) © Julian Stratenschulte/dpa
Berlin

Über Jahrzehnte sind die Wohnflächen in Deutschland gewachsen, doch nun zeichnet sich eine Trendwende ab. Erstmals seit Beginn der Erhebungen stagniere die durchschnittliche Wohnungsgröße und dürfte in den kommenden Jahren schrumpfen, zeigt eine neue Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW).

Seit 1965 ist demnach die durchschnittliche Wohnungsfläche von 69 auf 94 Quadratmeter gestiegen und damit um mehr als ein Drittel, hieß es. Parallel dazu habe sich die Wohnfläche pro Person von knapp 20 auf gut 49 Quadratmeter mehr als verdoppelt.

Doch seit etwa 2005 würden Neubauwohnungen wieder kleiner, was sich auch im Bestand bemerkbar machen werde. "Bis 2050 dürfte die durchschnittliche Wohnung etwa sechs Quadratmeter kleiner sein als heute", schreiben die Autoren, die für die Studie amtliche statistische Daten ausgewertet haben. Die durchschnittliche Wohnung würde dann bei rund 88 Quadratmeter liegen.

"Über Jahrzehnte haben steigende Einkommen und der Wunsch nach mehr Komfort dazu geführt, dass unsere Wohnungen immer größer wurden", sagt DIW-Immobilienexperte Konstantin Kholodilin. "Doch die Wachstumsphase scheint vorbei. Der Rückgang der Neubaugrößen signalisiert einen strukturellen Wandel auf dem gesamten Wohnungsmarkt."

Mehr Single-Haushalte und steigende Immobilienpreise

Grund für den Rückgang seien zwei zentrale Faktoren: kleinere Haushalte und steigende Immobilienpreise. Die demografische Entwicklung sei der Haupttreiber: Der Anteil der Einpersonenhaushalte in Deutschland habe sich seit den 1960er Jahren auf 41 Prozent verdoppelt – in Großstädten wie Berlin oder München liegt er sogar bei rund 50 Prozent. Auch der starke Anstieg der Immobilienpreise seit 2010 verschärfe die Entwicklung. "Viele können sich größere Wohnungen nicht mehr leisten, und für Bauträger wiederum sind kleine Wohnungen wirtschaftlich attraktiver."

Die Entwicklung in Deutschland ähnle der in vielen anderen Ländern. In Belgien, Japan oder Norwegen wurden Neubauwohnungen laut DIW bereits um die Jahrtausendwende kleiner, in Frankreich, Polen und Russland wenige Jahre später.

"Kleinere Wohnungen nötige Anpassung an Realität"

Obwohl die durchschnittliche Haushaltsgröße in Deutschland deutlich geschrumpft ist, dominierten im Bestand große Wohnungen. Das mache deutlich, dass der Wohnungsmarkt vor einer Anpassung stehe.

"Wenn neue Wohnungen kleiner werden, ist dies kein Rückschritt, sondern eine notwendige Anpassung an gesellschaftliche Realitäten", sagt Studien-Co-Autor Sebastian Kohl. "Kleinere, gut geschnittene und energieeffiziente Wohnungen werden die zentrale Wohnform der Zukunft sein – und sie sind ein Schlüssel, um den großen Energiebedarf des Gebäudesektors zu senken."

Hinweis: Diese Meldung ist Teil eines automatisierten Angebots der nach strengen journalistischen Regeln arbeitenden Deutschen Presse-Agentur (dpa). Sie wird von der AZ-Onlineredaktion nicht bearbeitet oder geprüft. Fragen und Hinweise bitte an feedback@az-muenchen.de

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