Wirtschaftsprognose: Ukraine "mit dem Rücken zur Wand"

Russland leidet unter Sanktionen und einer Treibstoffkrise – doch Putin kann den Krieg laut Experten weiter finanzieren. Warum die Ukraine zugleich immer stärker unter Druck gerät.
von  dpa
Wirtschaftsinstitut: Wirtschaft des Landes "mit dem Rücken zur Wand".
Wirtschaftsinstitut: Wirtschaft des Landes "mit dem Rücken zur Wand". © Andrii Marienko/AP/dpa

Wegen der massiven russischen Angriffe verdüstern sich die wirtschaftlichen Aussichten der Ukraine laut einer neuen Prognose immer mehr. Die Wirtschaft des Landes stehe "mit dem Rücken zur Wand", heißt es in der jüngsten Analyse des Wiener Instituts für Internationale Wirtschaftsvergleiche (wiiw).

Das auf Zentral- und Osteuropa spezialisierte Institut senkte seine Erwartung für das diesjährige ukrainische Wirtschaftswachstum auf 0,6 Prozent. Das ist um 0,4 Prozentpunkte niedriger als in der vorigen Prognose von Juli.

Ukraine vor fünftem Kriegswinter

Die Wachstumsrate für 2027 wurde ebenfalls um 0,4 Prozentpunkte nach unten revidiert und liegt nun bei erwarteten 2,1 Prozent - falls die Ukraine genug finanzielle und militärische Unterstützung aus dem Ausland erhalte, hieß es. Dies erscheint jedoch zunehmend ungewiss, schrieben die Fachleute. "Der fünfte Kriegswinter dürfte die Ukraine vor eine harte Bewährungsprobe stellen", sagte Olga Pindyuk, eine Ukraine-Expertin des Instituts.

Russische Luftangriffe haben ukrainische Energieanlagen und Infrastruktur sowie Verladeeinrichtungen am Schwarzen Meer zerstört. Getreideexporte brachen laut dem Institut im August um 70 Prozent im Vergleich zum Juli ein. Auch die Stahlindustrie leide massiv unter den Angriffen. Die starke Teuerung und hohen Zinsen bremsten die Wirtschaft zusätzlich, hieß es.

Experte: Putin kann Krieg weiter finanzieren

Russland kämpfe ebenfalls mit den Folgen seines Angriffskrieges, hieß es vom wiiw. Doch Russland-Experte Vasily Astrov stellte klar: "Auch im nächsten Jahr wird Präsident Putin keinerlei Probleme haben, den Krieg gegen die Ukraine zu finanzieren." Der Staat könne sich weiter Geld bei inländischen Banken leihen. 

Die Wachstumsprognose des Instituts für Russland liegt bei 0,6 Prozent für 2026 und 1,3 Prozent für 2027. Ukrainische Drohnenangriffe auf russische Raffinerien haben zu einer Treibstoffkrise geführt, die die Inflation anheizt. Moskau verhängte ein Exportverbot für Treibstoffe. Dadurch profitiere das Land weniger stark von den derzeit hohen Weltmarktpreisen, so die Wiener Ökonomen. Die russische Industrie habe zusätzlich mit westlichen Sanktionen zu kämpfen.

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