Wegen Corona-Krise: Messebauer fürchten Massenentlassungen

Trotz Lockerungen sind Großveranstaltungen in Zeiten der Corona-Krise noch in recht weiter Ferne – und vielen Betrieben geht langsam die Liquidität aus.
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Vor einer Ausstellungseröffnung schlägt die Stunde der Messebauer – hier auf der Internationalen Funkausstellung letztes Jahr in Berlin.
imago images Vor einer Ausstellungseröffnung schlägt die Stunde der Messebauer – hier auf der Internationalen Funkausstellung letztes Jahr in Berlin.

München - Trotz Lockerungen sind Großveranstaltungen noch in recht weiter Ferne – und vielen Betrieben geht langsam die Liquidität aus. In der Corona-Krise liegt das Messe- und Ausstellungswesen regelrecht brach. Den vorwiegend kleinen, meist mittelständischen Messebauern ist das Geschäft quasi über Nacht weggebrochen – über Monate. Die Branche rechnet jetzt mit einer großen Entlassungswelle.

Personalabbau: Nach Schätzungen 250.000 Menschen betroffen

"Noch bevor Messen wieder durchgeführt werden können, werden weite Teile der Veranstaltungsbranche insolvent sein", befürchtet der Geschäftsführer des Fachverbands Messe- und Ausstellungsbau (Famab), Jan Kalbfleisch. Nach rund vier Monaten ausgefallener Messen und Veranstaltungen drohe ab Juni eine große Kündigungswelle, weil vielen Betrieben die Liquidität ausgehe. "Bis Ende das Jahres ist damit zu rechnen, dass bis zu 70 Prozent aller Unternehmen der Branche Insolvenz anmelden müssen", sagt Kalbfleisch der AZ.

Bis dahin werde eine ganze Reihe von Unternehmen in großem Stil Personal abbauen. Nach Schätzungen des Verbandes könnten 250.000 Menschen betroffen sein. Das Instrument der Kurzarbeit hält Kalbfleisch für die Messebauer nicht für geeignet, um den Verlust von Arbeitsplätzen zu verhindern. Umsätze würden seit Monaten komplett ausbleiben, während Fixkosten weiter gezahlt werden müssten. Im Durchschnitt mache ein Mitgliedsunternehmen des Verbandes derzeit pro Monat einen Verlust in Höhe eines sonstigen Jahresgewinns.

3,5 Milliarden Euro: Schaden im Bereich Messe- und Ausstellungsbau

Vonseiten der Politik gebe es bislang keine effektiven Hilfen, da viele der Unternehmen etwa keinen Anspruch auf Soforthilfen hätten. "Darlehen funktionieren auch nicht, weil Unternehmer für Rückzahlungen unterschreiben müssen, von denen sie eigentlich wissen, dass sie sie nicht leisten können", so Kalbfleisch. Es brauche andere Hilfen, um die Arbeitsplätze zu sichern.

Schon jetzt liegt der Schaden im Bereich Messe- und Ausstellungsbau nach Angaben des Fachverbands bei mehr als 3,5 Milliarden Euro. Kalbfleisch fordert kurzfristige Entschädigungen für besonders betroffene Unternehmen in Höhe von zwei Prozent des Jahresumsatzes pro Monat. Mittelfristig sei ein Konjunkturpaket zur Stützung und Entwicklung der gesamten Veranstaltungsbranche nötig. Dass erste Fachmessen und Kongresse in den kommenden Monaten wieder erlaubt sein sollen, ist für den Fachverband noch kein Grund zum Aufatmen: "Die Bereitschaft, eine Messe zu machen, heißt nicht zwangsläufig auch, dass das funktionieren wird." Solange Reise- und Kontaktbeschränkungen gelten, könnten viele Messen nicht in gängiger Form stattfinden, da viele einen großen Anteil an internationalen Ausstellern sowie Gästen haben.

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