Warnung: EU-Banker drängen zum Handeln

Bankmanager der Euro-Zone drängen auf die Bewältigung der Schuldenkrise. Allerdings sehen sie auch gute Chancen, die massiven Probleme zu bewältigen, "wenn man denn will".
| dapd
X
Sie haben den Artikel der Merkliste hinzugefügt.
zur Merkliste
Merken
0  Kommentare Empfehlungen

Frankfurt/Main - Führende europäische Bankenvertreter dringen auf einen schnellen und zuverlässigen Abbau übermäßiger Staatsschulden, sehen dafür aber auch Chancen. Der Vorstandsvorsitzende der Commerzbank, Martin Blessing, sagte am Dienstag in Frankfurt am Main, eine Rückführung der Staatsschulden der Euro-Problemländer auf verträgliche Werte sei in einigen Jahren zu erreichen, „wenn man es denn will“.

Blessing erklärte bei der „Handelsblatt“-Bankentagung, zur Bewältigung der Schuldenkrise in den Problemstaaten Portugal, Irland, Italien, Griechenland und Spanien müssten Gläubiger, die Steuerzahler in den bessergestellten Euroländern, vor allem aber auch die Schuldner ihren Beitrag leisten. Das Beispiel Belgiens habe in der Vergangenheit bewiesen, dass die Konsolidierung eines Landes unter die Verschuldungsgrenze machbar sei, auch wenn es Jahre dauere. Allerdings reiche nicht aus, was viele der betroffenen Länder bisher gemacht hätten, bemängelte Blessing.

Er lehnte zugleich die Einführung von Euro-Bonds, gemeinsamer Schuldverschreibungen der Eurozone, zum gegenwärtigen Zeitpunkt strikt ab. Nötig wäre es zuvor, verbindliche Regeln für die Beteiligten zu schaffen, was wahrscheinlich Änderungen der EU-Verträge und auch einiger Landesverfassungen erforderlich machen und deshalb geraume Zeit dauern würde. Euro-Bonds könnten nicht kurzfristig kommen, sondern allenfalls die Krönung nach Vollendung einer europäischen Fiskalunion sein.

Ghizzoni fordert europäische Regierung

Blessing und der Vorstandsvorsitzende der italienischen UniCredit, Federico Ghizzoni, betonten die Bedeutung der europäischen Gemeinschaft. Die europäischen Staaten müssten die Integration weiter vorantreiben, um nicht in wenigen Jahren hinter aufstrebende Länder wie China und Indien zurückzufallen, erklärte Blessing. Dazu müssten sie „den Euro wetterfest machen“. Ghizzoni sagte, die gegenwärtige Krise betreffe zum allerersten Mal das europäische System auf der Grundlage des Euro.

„Das ist der erste wirkliche Test für die europäischen Führer. Sie müssen die Entscheidung treffen, ob sie den Euro unterstützen oder aufgeben.“ Er trat für eine europäische Regierung ein, um Europa weiter voranzutreiben. Sie müsse das Recht haben „zu intervenieren, wenn ein Land sich nicht an Vereinbarungen hält“.

Der Chef der französischen Société Générale, Frédéric Oudéa, erklärte, die aktuelle Lage sei trotz aller Probleme viel besser als noch 2009. Seine Bank erwarte kein neuerliches Absacken der Wirtschaft in eine Rezession, auch wenn die Erwartungen nach unten korrigiert worden seien. Auch für die Banken sei die Situation viel besser als 2009. Es sei aber wichtig, übermäßige Verschuldung sowohl im privaten als auch im öffentlichen Sektor abzubauen.

 

Lädt
Anmelden oder registrieren

Zum Login
Zu meinen Themen hinzufügen

Hinzufügen
Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten
Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen
Um "Meine AZ" nutzen zu können, müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen.

Zustimmen
Teilen 0  Kommentare Empfehlungen
0 Kommentare
Artikel kommentieren