VW muss in Russland sparen

Abgasskandal, Sanktionen, Wirtschaftskrise: Der VW-Konzern hat auch in Russland mit vielen Problemen zu kämpfen. Vor allem Ölpreisverfall und Rubel-Absturz haben den einstigen Hoffnungsmarkt zurückgeworfen.
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Arbeiter stehen bei der Qualitätskontrolle fertiger Fahrzeuge im VW-Werk in Kaluga, rund 170 Kilometer südlich von Moskau.
dpa Arbeiter stehen bei der Qualitätskontrolle fertiger Fahrzeuge im VW-Werk in Kaluga, rund 170 Kilometer südlich von Moskau.

Kaluga - Mehr als der milliardenschwere Abgas-Skandal hat eine tiefe Wirtschaftskrise den VW-Konzern in Russland zum Sparen gezwungen.

"Wenn in Deutschland der Automarkt um 5 Prozent nach unten geht, dann spricht man von Krise. Das ist hier mit minus 45 Prozent in zwei Jahren schon eine andere Art von Krise", sagte Marcus Osegowitsch, Chef von VW-Russland, der Deutschen Presse-Agentur in Kaluga. Schuld sei vor allem der heftige Ölpreisverfall.

 

VW leidet auch unter schwachem Autoabsatz in Russland

 

Der Autoabsatz in Russland ist seit Mitte 2013 massiv eingebrochen. Nach einer Marktanalyse der Vereinigung Europäischer Unternehmer in Moskau kauften die Russen von Januar bis November 2015 rund 34 Prozent weniger Autos als im Vorjahreszeitraum. VW musste demnach ein Minus von 38 Prozent verzeichnen. Auch internationalen Wettbewerbern macht die Krise zu schaffen. Der US-Konzern General Motors hatte im März den Rückzug aus dem einstigen Hoffnungsmarkt angekündigt.

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Auf die Probleme habe VW mit einem massiven Sparkurs reagiert und unter anderem eine komplette Werksschicht gestrichen, sagte Osegowitsch. "Bei den Investitionen gehen wir vorsichtiger ran. Wir glauben an Russland", sagte er. Erst im September hatten die Wolfsburger auf dem Fabrikgelände in Kaluga rund 170 Kilometer südlich von Moskau ihr erstes Motorenwerk in Russland eröffnet.

 

Wenige Diesel: Russland kaum von Abgas-Skandal betroffen

 

Da für VW in Russland der Handel mit Dieselmotoren nur gut fünf Prozent des Geschäfts ausmache, habe der Abgas-Skandal keine großen Auswirkungen. Dennoch wolle VW auch in Russland eine freiwillige Nachrüstung der wenigen betroffenen Fahrzeuge anbieten. "Wenn wir das in Deutschland machen, wollen wir das hier in Russland freiwillig auch tun."

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Von den Sanktionen des Westens gegen Russland wegen der Ukraine-Krise sei VW nicht so stark betroffen wie zunächst erwartet, sagte Osegowitsch. "Die Gefahr besteht eher, dass wir uns emotional auseinanderleben, Europa und Russland, als dass wirtschaftlich große Probleme entstehen", warnte er.

 

VW-Topmanager rechnet nicht mit Erholung des Marktes

 

Mit einer Erholung des Marktes im kommenden Jahr rechnete der VW-Top-Manager angesichts von hoher Inflation und dem Wechselkurstief des Rubels zum Dollar und Euro nicht. "Kaufkraftverlust und Arbeitslosigkeit werden sich auch 2016 auf das Konsumklima sehr deutlich auswirken."

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Präsident Wladimir Putin hatte die Regierung angewiesen, Programme für die gefährdete Automobilindustrie zu entwickeln. Bereits im Herbst 2014 hatten die Behörden vorübergehend eine Abwrackprämie nach deutschem Vorbild eingeführt, um die Nachfrage anzukurbeln.

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