Vattenfall-Chefin Borg: Neue Kernenergie ist im Aufschwung

Wie sieht das Energiesystem der Zukunft aus? Der Energiekonzern Vattenfall setzt auf die hierzulande umstrittene Kernkraft. Die stabilisiere die Strompreise, argumentiert Konzernchefin Borg.
von  dpa
Die Schwedin Borg leitet seit 2020 den staatseigenen schwedischen Energiekonzern Vattenfall, der Deutschland zu seinen Kernmärkten zählt. (Archivbild)
Die Schwedin Borg leitet seit 2020 den staatseigenen schwedischen Energiekonzern Vattenfall, der Deutschland zu seinen Kernmärkten zählt. (Archivbild) © Ulrich Perrey/dpa

Vattenfall-Chefin Anna Borg rechnet nach eigener Aussage damit, dass die Bedeutung der Kernenergie in den nächsten Jahren zunehmen wird. "Neue Kernenergie ist in vielen Ländern im Aufschwung", sagte die Vorstandsvorsitzende in einem Interview der Deutschen Presse-Agentur.

Mit dem Begriff "neue Kernenergie" werden neue Reaktorkonzepte bezeichnet. Gemeint sind unter anderem modulare Reaktoren mit geringerer Leistung, die sogenannten Small Modular Reactors (SMRs), deren Komponenten teils vorgefertigt werden.

Borg sagte, das staatseigene schwedische Unternehmen Vattenfall werde sowohl in seine bestehenden Kernkraftwerke investieren, damit sie rund 20 Jahre länger laufen könnten, als auch den Bau von drei bis fünf SMRs erwägen. Diese modularen Reaktoren sollen auf der schwedischen Halbsinsel Värö entstehen, die südlich von Göteburg liegt.

"Wir gehen davon aus, dass der Bau modularer Reaktoren mit der Zeit zu Kosteneinsparungen führen wird", sagte Borg. Der Bau der SMRs sei vergleichsweise einfach. Zudem rechnet Borg mit Lerneffekten, weil gleich mehrere Reaktoren gebaut werden müssten.

Kernenergie stabilisiert Borg zufolge die Strompreise

Gefragt nach den Kosten der Atomkraft sagte Borg: Es stimme, dass Kernkraft teurer als andere Energiequellen sei. Es sei natürlich günstiger, Windkraftanlagen zu bauen als Atomkraftwerke. Kernkraft könne dennoch wirtschaftlich sein. "Wir dürfen aber nicht vergessen, dass wir das schwedische Energiesystem um- und ausbauen und nicht allein Anlagen." 

"Kernenergie liefert Grundlaststrom, der zur Stabilität der Strompreise in Schweden beiträgt", sagte Borg. Das helfe Vattenfall, die Strompreise in Schweden zu stabilisieren. Deutschland gehe einen anderen Weg: "Deutschland setzt auf Erneuerbare - und benötigt als Partner flexible Speichertechnologien, um Schwankungen auszugleichen." 

Hintergrund von Borgs Aussage ist, dass Windräder und Photovoltaikanlagen nicht gleichmäßig Strom erzeugen, sondern wetterbedingt Schwankungen unterliegen. Unter Grundlast wird die Mindestmenge an Strom verstanden, die rund um die Uhr benötigt wird. Es wird immer Strom gebraucht, weil etwa Hochöfen, Ampeln und Kühlschränke stetig Strom beziehen. In Deutschland gingen die letzten Atommeiler 2023 vom Netz.

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