US-Notenbank erhöht erstmals seit Juli 2023 wieder Leitzins

Fed-Chef Warsh signalisierte jüngst Bereitschaft für eine Zinserhöhung, an den Finanzmärkten wurde mit großer Mehrheit damit gerechnet. Sicher war das allerdings keineswegs.
von  Khang Mischke, dpa
Die Federal Reserve hat erstmals seit Juli 2023 wieder den Leitzins angehoben. (Archivfoto)
Die Federal Reserve hat erstmals seit Juli 2023 wieder den Leitzins angehoben. (Archivfoto) © Rod Lamkey/FR172078 AP/AP/dpa

Die US-Notenbank Federal Reserve hebt wegen der hartnäckig hohen Inflation erstmals seit Sommer 2023 den Leitzins an. Dieser steigt um 0,25 Prozentpunkte auf 3,75 bis 4,00 Prozent, wie der Fed-Zentralbankrat mitteilte. Die Entscheidung werde eine schnellere Rückkehr zum Zwei-Prozent-Inflationsziel der Fed unterstützen, sagte Fed-Chef Kevin Warsh. 

Mit der Straffung gerät er auf Konfrontationskurs mit Donald Trump, nachdem die Fed seit Monaten nichts geändert hatte und die Forderungen des US-Präsidenten nach niedrigeren Zinsen wirkungslos geblieben waren. Darauf angesprochen wich Warsh aus. "Die heutige Entscheidung war richtig, um den Auftrag des Kongresses zur Gewährleistung stabiler Preise zu erfüllen", sagte er und fügte später noch hinzu: "Zur Unabhängigkeit der Federal Reserve gehört auch, dass wir uns auf unser Fachgebiet konzentrieren."

Vor knapp einer Woche hatte schon die Europäische Zentralbank (EZB) angesichts der wegen des Iran-Kriegs gestiegenen Teuerung ihren Leitzins erhöht, bereits zum zweiten Mal in diesem Jahr. Die Notenbank hob den für Banken und Sparer wichtigen Einlagenzins von 2,25 auf 2,5 Prozent an. 

Bei der US-Notenbank könnte es derweil nicht die einzige Zinserhöhung in diesem Jahr sein. Angesichts der aktuellen Inflation erwarten derzeit 16 der 18 befragten Fed-Mitglieder mindestens eine Erhöhung um einen Schritt (25 Basispunkte). Unter diesen können sich vier eine noch weitreichendere Straffung vorstellen. Ein ähnliches Bild zeichnet sich für 2027 ab: 14 Mitglieder erwarten für das Jahr einen Leitzins von 4,00 bis 4,25 Prozent, eine knappe Mehrheit davon rechnet mit 4,25 bis 4,5 Prozent.

Zinssenkung lässt Kritik an Warsh abklingen

Mit der Straffung der Geldpolitik dürfte Warsh nun gleich zwei Lager von Kritikern besänftigt haben. So vermissten einige Experten seit seinem Amtsantritt im Mai tatsächliche Schritte, um der von ihm priorisierten Preisstabilität nachzukommen. An den Finanzmärkten war befürchtet worden, dass eine sechste Zinspause in Folge seit Dezember 2025 die Glaubwürdigkeit der Fed massiv beschädigt hätte.

Zudem dürfte Warsh zunächst jenen Skeptikern den Wind aus den Segeln nehmen, die ihm eine zu große Nähe zu Trump nachgesagt hatten. Warshs Personalie war umstritten: Volkswirte befürchteten, dass sich die Fed von einer datenbasierten Geldpolitik entfernen und politisch gesteuert agieren könnte. Warsh hingegen beteuert, er habe sich gegenüber dem Präsidenten zu keiner bestimmten Zinsentscheidung verpflichtet und sei von diesem auch nie dazu aufgefordert worden. Er wolle die Fed unabhängig weiterführen.

Zinserhöhung war erwartet worden

Dass die Fed ihre Geldpolitik nun strafft, hatten viele Volkswirte erwartet. So hatte sich Warsh Ende August ungewöhnlich deutlich zur hohen Teuerungsrate geäußert und damit Spekulationen über eine Straffung der Geldpolitik angeheizt. "Wir müssen davon überzeugt sein, dass sich die Kerninflation eindeutig und mit ausreichender Geschwindigkeit unserem Ziel annähert. Andernfalls haben wir noch einiges zu tun", sagte er bei einem Notenbank-Treffen.

Warsh sagte zwar, dass jüngste Konjunkturdaten eine leichte Abkühlung gezeigt hätten. Allerdings sehe er darin nicht, dass sich an der grundlegenden Entwicklung etwas geändert habe. "Daher sollte sich die Fed derzeit vorrangig auf die Preise konzentrieren", sagte er. Die Teuerungsrate nannte er "zu hoch".

Mit ihren Zinsentscheidungen versucht die Notenbank, einen Kompromiss zwischen stabilen Preisen und möglichst vielen Vollbeschäftigten zu finden. Ist der Leitzins zu hoch, bremst das die Wirtschaft etwa wegen zu hoher Kreditkosten aus. Ein niedrigerer Zins stimuliert zwar Wachstum und den Arbeitsmarkt, kann aber die Inflation anheizen.

Mehrere Indikatoren für Straffung

Seit Dezember 2025 hatte die Fed fünfmal in Folge den Leitzins nicht angerührt und die Spanne bei 3,5 bis 3,75 Prozent belassen. Die letzte Erhöhung erfolgte im Juli 2023. 

Zuletzt hatten mehrere Indikatoren eine Straffung wahrscheinlicher gemacht. Im August stieg die Beschäftigtenzahl überraschend stark um 162.000 - Volkswirte hatten im Schnitt lediglich mit 55.000 zusätzlichen Stellen gerechnet. Im Juli hatte der Arbeitsmarkt noch enttäuscht. 

Zudem verharrte die Inflation in den USA im August auf hohem Niveau. Im Jahresvergleich stiegen die Verbraucherpreise um 3,4 Prozent - so wie auch schon im Juli. Damit liegt die Inflation weiterhin deutlich über dem von der Fed angestrebten Ziel von 2 Prozent, und das schon seit fünf Jahren.

Entscheidung wird Trump nicht gefallen

Derweil dürfte Trump die Entscheidung nicht gefallen. Seit langem fordert Trump von der von Gesetzes wegen unabhängigen Federal Reserve – und entgegen gängiger Expertenmeinungen – niedrigere Leitzinsen. Zuletzt drohte er mit einem Handelsstopp mit bestimmten Ländern, sollte die Fed ihre Geldpolitik nicht lockern.

Wie Trump mit standhaften Personen verfährt, zeigte sich bereits an seinem Umgang mit dem früheren Fed-Chef Jerome Powell und der Fed-Vorständin Lisa Cook. Powell geriet unter Trumps regelmäßigem Beschuss aus Beleidigungen und Rücktrittsforderungen, zudem ermittelte die Bezirksstaatsanwältin und Trump-Vertraute Jeanine Pirro gegen Powell wegen angeblich ausufernder Kosten einer Renovierung.

Cook hingegen wollte Trump feuern lassen. Der Oberste Gerichtshof der USA hatte Ende Juni allerdings einen Antrag der US-Regierung abgewiesen und damit Cook vorerst weiter im Amt gelassen. Das Gerichtsverfahren rund um ihre Personalie läuft in unterer Instanz weiter. Medien zufolge soll das Weiße Haus allerdings im August einen Brief an die Fed-Gouverneurin geschickt haben, in dem ihre Entlassung "erwogen" werde.

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