Unter Druck

Susanne Stephan, Wirtschaftsredakteurin der AZ, über die Sparpläne von IBM.
Susanne Stephan |
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Für eine Branche, die von der Kreativität lebt, sind Überlegungen wie die der IBM-Führung logisch. Flexibles Denken, eine schnelle Reaktion auf Marktchancen und lebenlange Arbeitsverträge für die Beschäftigten schließen sich manchmal gegenseitig aus. Viel bequemer kann es fürs Management sein, je nach Bedarf Fachkräfte anzuheuern – und sie genauso schnell wieder loszuwerden. Auch für die Beschäftigten ist es oft sinnvoll, als Freiberufler zu arbeiten. Wer an seinem festen Arbeitsplatz klebt, verliert schnell das Vertrauen in seine eigene Wandlungsfähigkeit, und nach Jahrzehnten im gleichen Unternehmen stellt sich fast unweigerlich die Langeweile ein.

Dass die Gewerkschaft angesichts der Gedankenspiele der IBM-Führung Alarm schlägt, ist trotzdem nachvollziehbar. Ein Unternehmen, das feste Beschäftigungsverhältnisse weitgehend vermeiden will, schafft sich ein mächtiges Druckmittel gegenüber seinen Mitarbeitern und kann Fachkräfte in verschiedenen Ländern gegeneinander ausspielen. Wenn deutsche High-Tech-Spezialisten nicht mit Billiglöhnern in Indien konkurrieren wollen, müssen sie dagegen ihren Widerstand organisieren.

Gerade hochqualifizierten Arbeitnehmern fällt dies schwer, da sie das Gefeilsche um Kündigungsfristen oder Überstundenzuschläge kaum mit ihrem Selbstbild als kreative Köpfe unter einen Hut bringen. Doch wer sich für den Machtkampf im Betrieb zu fein ist, darf nicht klagen, wenn ihn das Management bei Bedarf kalt abserviert.

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