Tesla: Das Elektro-Auto aus Feldkirchen

Der US-Autohersteller Tesla hat in Feldkirchen bei München eine ehemalige Waschhalle angemietet. Von hier aus soll der neue Tesla S den deutschen Markt erobern
| Rudolf Huber
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Hier geht's lang: Über Trachtenmode und Luftentfeuchtern führt der Weg zum neuen Wartungs-Centre von Tesla in Feldkirchen. Der (stolze) Preis: ab 71 400 Euro.
R. Huber 7 Hier geht's lang: Über Trachtenmode und Luftentfeuchtern führt der Weg zum neuen Wartungs-Centre von Tesla in Feldkirchen. Der (stolze) Preis: ab 71 400 Euro.
Gewerbegebiet Feldkirchen Einst eine Waschhalle, jetzt das Herzstück der Tesla-Invasion in Bayern.
R. Huber 7 Gewerbegebiet Feldkirchen Einst eine Waschhalle, jetzt das Herzstück der Tesla-Invasion in Bayern.
Das rote Tesla-Logo wirbt jetzt in Feldkirchen bei München.
R. Huber 7 Das rote Tesla-Logo wirbt jetzt in Feldkirchen bei München.
Die elektrische Elise: Auf der Basis des Lotos baute Tesla dieses Auto - den ersten Tesla.
R. Huber 7 Die elektrische Elise: Auf der Basis des Lotos baute Tesla dieses Auto - den ersten Tesla.
22. August 2013: Ein hier endmontiertes Modell des Tesla S verlässt die Halle im niederländischen Tilburg - auf dem roten Teppich im Blitzlichtgewitter.
dpa 7 22. August 2013: Ein hier endmontiertes Modell des Tesla S verlässt die Halle im niederländischen Tilburg - auf dem roten Teppich im Blitzlichtgewitter.
So sieht die Halle in Tilburg von innen aus.
dpa 7 So sieht die Halle in Tilburg von innen aus.
Und das ist eines der Hauptargumente für den Tesla: keine Emissionen - zumindest nicht beim Fahren.
dpa 7 Und das ist eines der Hauptargumente für den Tesla: keine Emissionen - zumindest nicht beim Fahren.

FELDKIRCHEN Der Weg in die Zukunft der Mobilität kann sehr trivial ausschauen. Etwa der zum Elektroauto-Pionier Tesla. Er führt vorbei an einem bunten Schild, das für ein Trachten-Outlet wirbt, über eine holprige Straße in ein kleines Gewerbegebiet. Rote Schilder mit Pfeilen sorgen dafür, dass man nicht vom rechten Weg abkommt auf der Suche nach dem neuen Service-Stützpunkt der Auto-Revoluzzer aus Kalifornien in Feldkirchen bei München.

Tesla? Nicht repräsentative Umfragen im Kollegen- und Bekanntenkreis offenbarten eine weitgehende Unkenntnis. Doch das dürfte sich ändern. Denn die Amerikaner unter Führung des Multimillionärs und Paypal-Gründers Elon Musk haben mit dem 2003 gegründeten Unternehmen viel vor. Sie wollen schlicht die automobile Fortbewegung revolutionieren. Ein ambitioniertes Ziel.

Und ein extrem schwieriges. Tesla erklomm schnell ungeahnte Höhen, vor allem dank diverser Hollywood-Stars, die begeistert in ihren supercoolen Roadstern posierten. Wer auf sich hielt im Sonnenschein-Staat, fuhr dieses E-Mobil. Dann wurde das Startup-Unternehmen aus Palo Alto von wilden Turbulenzen gebeutelt, Analysten sagten mehrmals das sichere Ableben der Society-Lieblinge voraus. Doch der Abgesang kam eindeutig zu früh. Nach vielen tiefroten Zahlen konnte Musk für die ersten beiden Quartale dieses Jahres Gewinne melden. Die Tesla-Aktie setzte zum Höhenflug an. Im Moment liegt der Kurs bei 161 Dollar, vor einem Jahr waren’s gerade mal rund 23.

Das geldige München spielt für Tesla eine große Rolle

Woran liegt das – und was hat die kleine Service-Werkstatt im Osten von München damit zu tun? Ganz einfach: Die Amerikaner haben neben ihrer Hartnäckigkeit auch eine richtig gute Strategie zur Umsetzung ihrer hoch gesteckten Ziele. So schnell wie möglich sollen in der Fabrik in Palo Alto 500 000 Fahrzeuge pro Jahr gebaut werden. Mutig, mutig – trotz einer deutlichen Steigerung waren’s heuer im zweiten Quartal nur knapp über 5100.

Nach dem Auslaufen des noch auf einer Lotus Elise basierenden Tesla Roadsters setzen die Macher um Musk derzeit voll auf das Model S. Seit letzter Woche wird es in der neuen Europazentrale in den Niederlanden endmontiert und auch in Feldkirchen an die Käufer ausgeliefert und gewartet. Die E-Pioniere aus den Staaten bauen Schritt für Schritt ihre Infrastruktur aus. Das geldige und technikaffine München spielt dabei eine wichtige Rolle.

Bisher nur mit einem Showroom samt kleiner Werkstatt in der Blumenstraße, jetzt mit deutlich vergrößerten Kapazitäten dank der ehemaligen Waschhalle im Osten. Neben den sonstigen Standort-Vorteilen Münchens, so verrät Tesla-Sprecherin Kathrin Schira, schätzen die Amerikaner bei ihrem Blick auf Deutschland auch die Elektro-Aktivitäten von Platzhirsch BMW. „Denn generell geht es uns um das Bewusstsein für die künftige Mobilität“, so Schira. „Und jeder Schritt in die richtige Richtung kommt uns zugute und fördert unsere Idee.“

Wie ist das Verhältnis zu BMW?

Als Konkurrenz sieht man die künftigen BMW-E-Mobile i3 und i8 bei Tesla nicht. Kathrin Schira: „Das ist eine ganz andere Geschichte.“ Zum Beispiel, wenn’s um das entscheidende Thema Reichweite geht. Denn für das Model S mit dem größeren von zwei Akku-Packs verspricht Tesla 500 Kilometer – eine entsprechende Fahrweise vorausgesetzt. „BMW liegt da schon viel weiter unten“, so die Tesla-Sprecherin.

Aber letztlich gehe es ja um das übergeordnete Ziel. Und das ist die grüne Mobilität. „Langsam gehen den Elektroauto-Gegnern die Argumente aus“, hat Schira in den letzten Wochen festgestellt. Die Reichweite passt, der Beschleunigungswert von 4,4 Sekunden ebenso. Und die Verarbeitung und die Anmutung des aktuellen Model S sind absolut auf Premium-Niveau. Vom klassenbesten Platzangebot ganz zu schweigen

Weitere Überzeugungsarbeit bei noch Wankelmütigen wird wohl der Ende letzter Woche veröffentlichte US-Crashtest-Bericht liefern. Den schloss das Model E mit der Bestnote von fünf Punkten mit den bisher besten Werten aller je gecrashten Fahrzeuge ab. Angeblich soll sogar eine der verwendeten Rammen am Tesla zerborsten sein.

Was also spricht noch gegen den massenhaften Elektroauto-Kauf? Zum einen der Preis. Ab 71 400 Euro wird das Model S angeboten. Dann die Verfügbarkeit. Die Amerikaner können ihre Produktion nicht beliebig steigern, derzeit müssen Interessenten noch rund ein Jahr warten. Und dann gibt’s natürlich das Thema Stromspeicher und Strom. Die Akku-Packs im Tesla bestehen aus tausenden kleinen Lithium-Ionen-Akkus, wie sie auch in Smartphones oder Tablets zu finden sind. In denen stecken auch seltene Erden und sonstige nicht beliebig verfügbare Stoffe. Und der verfahrene Strom stammt nicht unbedingt nur aus „grüner“ Produktion.

Es ist bezeichnend für die Professionalität der Kalifornier, dass sie speziell für das Strom-Thema eigene Antworten zu bieten haben. In Form so genannter Super-Charger, die in den USA schon weit verbreitet sind und in Europa sukzessive flächendeckend montiert werden sollen. An diesen Super-Ladestationen – mit Öko-Strom – können Tesla-Fahrer ihr Auto gratis auftanken. „Und zwar in 20 Minuten bis zu 80 Prozent der Akku-Kapazität“, so Kathrin Schira. Sprich: Dieser Tankvorgang unterscheidet sich gar nicht mehr so krass von einem bei einem Benzin- oder einem Diesel-Auto. Nächstes Jahr will Tesla die X genannte zweite Baureihe an den Start bringen, ein kleineres, preiswerteres Mittelklasse-Modell ist ebenfalls in Arbeit. 500000 Autos im Jahr? Den Kaliforniern ist alles zuzutrauen.

 

Ein Tesla Roadster-Fahrer im AZ-Interview

 

AZ: Warum ein E-Auto?

ALEXANDER SCHILLING: Ich finde die Technologie faszinierend, das Energie-Management ist derart ausgeklügelt und komplex. Angefangen hat es damit, dass ich mich über die ständig steigenden Spritpreise geärgert und mir einen e-Smart angesehen habe. Nachdem der aber auf zwölf Monate ausverkauft war, habe ich nach einer Alternative gesucht. Das einzige voll alltagstaugliche Elektroauto, das ich finden konnte, war damals der Tesla Roadster. Mir ist klar, dass es ökonomisch nicht sinnvoll ist, da sich der hohe Aufpreis für die Batterien in einem Autoleben vermutlich nicht amortisiert. Einen Tesla muss man aus Überzeugung kaufen.

Was beeindruckt Sie an Ihrem Auto am meisten?

Die Alltagstauglichkeit – ich hatte es eigentlich nur als Spaßauto gekauft, fahre es aber täglich und nur wenn ich den Platz brauche noch das Diesel-SUV. Man kann damit jedem Porsche davonfahren, man kann aber auch extrem sparsam fahren. Wobei selbst das Erstgenannte immer noch sparsam ist, zirka drei Euro Stromkosten auf 100 Kilometer mit Nachtstrom. Auch im Winter – wenn nicht sehr hoch Schnee liegt – fährt er sich super.

Fällt der Tesla auf?

Ich werde von vielen Menschen auf das Auto angesprochen, bestimmt zwei Mal pro Woche, die haben immer die selben Fragen: Wie weit kommt man damit und wie lange dauert das Aufladen? Das ist insofern witzig, weil man sich im Alltag darüber überhaupt keine Gedanken mehr macht. Realistisch sind 250 bis 300 Kilometer Reichweite, auch wenn es einige Sparfüchse gibt, die 400 Kilometer knacken. Da ich noch nie mehr als 100 Kilometer am Tag gefahren bin, ist die Frage für mein Fahrprofil völlig irrelevant. Man steckt das Auto am Abend ein und hat am Morgen ein vollgetanktes Fahrzeug. Das ist ein grundlegender Unterschied zu einem Benziner, bei dem kein Heinzelmännchen kommt und das Auto nachts heimlich auftankt. Das heißt, auch die Frage nach der Ladedauer ist im Grunde völlig unwichtig. Das Ganze ändert sich nur, wenn man zum Beispiel im Außendienst arbeitet und jeden Tag hunderte Kilometer fährt – dann ist ein Elektroauto in der heutigen Form nicht geeignet.

Würden Sie als nächstes Auto wieder einen Stromer kaufen?

Ich denke, ich würde ein Model S kaufen, da es einfach konzeptionell drei Jahre jünger ist und auf den beim Roadster gewonnenen Erkenntnissen aufbaut. Mein nächstes Auto wird aber mit Sicherheit wieder ein Elektroauto.

Alexander Schilling arbeitet als Computer-Spezialist in München

 

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