Tanz auf dem Parkett: Aktien-Boom bei jungen Menschen

Immer mehr Deutsche wagen in jungen Jahren ein Investment in Aktien, denn das Handeln ist dank Smartphone so einfach wie nie - die Hintergründe des Booms.
| Ben Obermaier
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Zum Ende des Jahres 2020 gab es ein Kursfeuerwerk.
Zum Ende des Jahres 2020 gab es ein Kursfeuerwerk. © imago images/McPHOTO

Corona hat der Aktienkultur in Deutschland nicht geschadet. Im Gegenteil: Der Anteil der Aktienbesitzer ist gestiegen. Vor allem 15- bis 25-Jährige investierten in Wertpapiere. Dadurch hat sich die Aktionärsstruktur verjüngt. Losgetreten wurde der Run während der ersten Lockdowns im vergangenen Frühjahr: Wer genug Geld zum Anlegen hatte, fand in dieser Phase auch genug Zeit, um sich damit zu beschäftigen.

Vertrauen in Rente sinkt, Vertrauen in Immobilien steigt

Die Gründe für den Aktienzulauf sind ohnehin vielschichtig. Seit längerem sorgt die Niedrigzinspolitik der Notenbanken dafür, dass klassische Anlageprodukte wie Tages- oder Festgeld kaum noch Zinsen bringen. Gleichzeitig ist das Vertrauen der Deutschen in die gesetzliche Rente durch die Corona-Krise weiter gefallen, im Gegenzug steigt das Vertrauen in die eigene Immobilie - und in Aktien sowie Fonds.

Aktienkauf so einfach wie nie zuvor

Ein weiterer Grund dafür könnte sein, dass Aktien kaufen und verkaufen heute so einfach ist wie nie zuvor. Mit wenigen Klicks lässt sich online oder via Smartphone ein Depot eröffnen und nach Videolegitimation sofort mit dem Handeln loslegen. Daneben dürften viele Menschen heute besser über das Kapitalmarktgeschehen informiert sein und sowohl die Chancen als auch die Risiken besser einschätzen können als noch in den 1990er-Jahren.

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Als im Jahr 2000 die künstlich aufgeblähte Dotcomblase platzte, verloren viele Anleger zum Teil sehr viel Geld. Das Verhältnis der deutschen Privatanleger zur Börse kühlte ab. Damals lag die Aktionärsquote hierzulande auf einem Niveau von rund neun Prozent. Heute liegt der Anteil der Aktien- und Fondsbesitzer in Deutschland bei 34 Prozent. 2017 lag die Quote noch bei nur 24 Prozent.

Experten registrieren ein Umdenken beim Anlageverhalten

Dabei überrascht es nur auf den ersten Blick, dass Anleger mitten in der Corona-Pandemie die Börse wieder für sich entdeckt haben. Nach einem dramatischen Kurseinbruch Mitte Mai 2020 legten die meisten Papiere kräftig zu. Viele Anleger hatten ihre Chance in der Krise erkannt und günstig in attraktive Marken investiert. Das Besondere dabei: Umfragen zeigen, dass allein in Deutschland bis zu einer halben Million Menschen erstmals ein Depot eröffnet und Aktien gekauft haben. Die Aktionärsquote stieg also in kürzester Zeit deutlich an.

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Die hiesigen Broker vermelden regelmäßig Rekordzahlen, und zwar sowohl im Hinblick auf die eröffneten Konten als auch bei der Anzahl der Trades. Das Engagement der privaten Haushalte auf dem Kapitalmarkt habe zuletzt "einen rasanten Aufschwung" erlebt, stellt die Bundesbank fest. Im dritten Vierteljahr 2020 kauften private Haushalte unter dem Strich Aktien sowie Anteile an Investmentfonds im Gesamtumfang von 20 Milliarden Euro. Das entspreche fast dem Dreifachen der durchschnittlichen Zukäufe der vergangenen zehn Jahre.

Aktienmarkt: Nachfrage nach Mischfonds steigt

Nach Angaben des Fondsverbandes BVI setzte sich in der Corona-Krise die Nachfrage nach Mischfonds fort, die vor allem Privatanleger über Sparpläne nutzen. Von Anfang Januar bis Ende Oktober 2020 kauften Anleger netto Anteile im Wert von 7,5 Milliarden Euro an solchen Fonds. Dies sei eine Steigerung um 44 Prozent gegenüber den ersten zehn Monaten des Vorjahres und bedeute voraussichtlich das neunte Jahr in Folge mit Zuflüssen, bilanzierte der BVI.

Und altersmäßig tut sich auch was. Unter den neuen Wertpapierbesitzern befinden sich zunehmend junge Aktionäre. Laut einer von Consorsbank, ING und Comdirect in Auftrag gegebenen Studie erhöhte sich bei den unter 25-Jährigen der Anteil der Aktienbesitzer um 13 Prozentpunkte auf 39 Prozent. In keiner anderen Altersklasse habe die Zahl der Aktionäre so sprunghaft zugenommen. Bei den Investments wiederum ziehen vor allem Zukunftsthemen wie Gesundheitswesen, Digitalisierung sowie Automatisierung und Roboter.

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