Studie: Abwanderung nach Osteuropa bringt Firmen wenig

Viele deutsche Industriefirmen verlagern ihre Produktion ins Ausland. Beliebt sind die mittel- und osteuropäischen Länder. Doch die Einsparungen dort sind offenbar häufig niedriger als erhofft.
dpa |
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Polen ist seit einigen Jahren beliebtes Ziel für deutsche Industrieunternehmen. (Archivbild)
Polen ist seit einigen Jahren beliebtes Ziel für deutsche Industrieunternehmen. (Archivbild) © Patrick Pleul/dpa
München

Die Abwanderung nach Mittel- und Osteuropa bringt der bedrängten deutschen Industrie nicht viel. Laut einer Analyse der Beratung Strategy& sind die Einsparungen dort vergleichsweise niedrig, zudem gibt es weitere Nachteile. Dazu zählen die Autoren eine ganze Reihe von Faktoren: im Vergleich mit Deutschland noch größeren Fachkräftemangel, mangelnde Automatisierung sowie einen starken Anstieg der Arbeitskosten in den vergangenen Jahren. Tatsächlich niedrigere Kosten und bessere Bedingungen bieten demnach asiatische Länder.

Anlass der Studie sind die vermehrten Investitionen deutscher Industrieunternehmen in den östlichen Nachbarländern. Abgesehen von den hohen Energiepreisen sind laut Stategy& die Arbeitskosten in Deutschland um 30 Prozent höher als im EU-Schnitt. Die Begeisterung für China ist in vielen Chefetagen in den vergangenen Jahren stark abgekühlt. Daher konzentrieren sich etliche Unternehmen nun vermehrt auf die nähere Umgebung, im Management-Jargon als "nearshoring" bekannt. Die zwei beliebtesten Länder zwischen 2015 und 2024 waren demnach Polen und Tschechien. 

Verlagerung nach Osteuropa spart weniger als erhofft

Doch die Hoffnung auf größere Einsparungen wird der Studie zufolge in Mittel- und Osteuropa häufig enttäuscht. Zu den Nachteilen der Region zählen die Autoren unter anderem, dass die Arbeitskosten in den vergangenen Jahren dreieinhalbmal so schnell gestiegen seien wie die Produktivität. Der Mangel an Fachkräften für die Industrie ist demnach noch um 16 Prozent größer als in Deutschland, und die Energiepreise in der Region haben sich laut Strategy& innerhalb von fünf Jahren nahezu verdreifacht. "CEOs können sich nicht mehr auf den Standort als alleinstehenden Wettbewerbsvorteil verlassen", sagte Studienautor Michael Weiß an die Adresse von Firmenchefs. 

Asiatische Wettbewerbsvorteile: Billige Energie, mehr Roboter

Tatsächlich wettbewerbsfähiger sind demnach etliche asiatische Länder von China bis Malaysia, insbesondere wegen im Vergleich zu Europa sehr niedriger Energiepreise. In China sind die durchschnittlichen Gehälter demnach zwar nur noch zehn Prozent niedriger als in Deutschland, doch ist auch die Produktivität dort laut Strategy& wegen schneller Automatisierung und des massenhaften Einsatzes von Robotern in den Fabriken schnell gewachsen, während sie in Deutschland stagnierte. Strategy& ist das Beratungsunternehmen der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PwC.

Hinweis: Diese Meldung ist Teil eines automatisierten Angebots der nach strengen journalistischen Regeln arbeitenden Deutschen Presse-Agentur (dpa). Sie wird von der AZ-Onlineredaktion nicht bearbeitet oder geprüft. Fragen und Hinweise bitte an feedback@az-muenchen.de

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