Strafzölle von Donald Trump: BMW als Verlierer?

Die Drohungen des US-Präsidenten könnten böse Folgen haben für deutsche Autobauer, meint ifo-Experte Gabriel Felbermayr im AZ-Interview.
| Ralf Müller
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Gabriel Felbermayr, 41-jährige Österreicher, leitet das ifo-Zentrum für Außenwirtschaft und lehrt VWL an der LMU.
dpa Gabriel Felbermayr, 41-jährige Österreicher, leitet das ifo-Zentrum für Außenwirtschaft und lehrt VWL an der LMU.

AZ: Herr Professor Felbermayr, was würde die Umsetzung der Drohung von US-Präsident Trump, die Einfuhrzölle auf Autos und Autoteile aus Deutschland drastisch anzuheben, für die deutsche Wirtschaft bedeuten?
GABRIEL FELBERMAYR:
 Man muss unterscheiden zwischen den Effekten für die Automobilbranche und für die deutsche Volkswirtschaft. Die Autobranche verfügt über viel Freiheit, da sie stark globalisiert ist und weltweit produziert, auch in den USA. Das gilt auch für die Zulieferer. Für sie sind die Zölle ärgerlich, tun aber nicht wahnsinnig weh, weil sie ihre Aktivitäten so strukturieren können, dass sie von den Zöllen wenig betroffen sind. Weh tun kann es aber den Arbeitnehmern in den deutschen Automobilwerken, die nicht einfach in die USA gehen können.

Höhere Einfuhrzölle: Wie bedeutet das für BMW?

Gerade die bayerischen Premium-Automobile sind unterschiedlich betroffen. Audi produziert in den USA gar nicht, dafür steht die größte BMW-Fabrik dort. Macht das nicht einen Unterschied?
Audi wird es stärker treffen. Aber Audi produziert auch in Mexiko und deshalb wird es darauf ankommen, wie es mit der amerikanischen Freihandelszone Nafta weitergeht. Möglicherweise kann Audi über Mexiko den US-Markt zollfrei bedienen. BMW ist sicher weniger stark betroffen, aber auch in dem Fall kommen Motoren Getriebe und viele hochwertige Teile aus Deutschland. Wenn die Zölle auch auf Autoteile erhoben werden, trifft das die Zulieferer und auch BMW.

Sie meinen also, Wertschöpfung würde im Fall der Zölle in die USA zulasten deutscher Arbeitsplätze verlagert?
Genau. Die Konzerne können sich darauf einstellen. Es sind die deutschen Arbeitnehmer, die darunter leiden würden, weil sie nicht einfach von Dingolfing nach Spartanburg umziehen können. Die müssten die Zeche bezahlen und sie sind die großen Verlierer, nicht so sehr die Eigentümer von BMW und den anderen.

Europäische Auto-Zölle viermal so hoch

Trump sagt, Waren aus den USA würden in Europa höher besteuert. Das wäre unfair. Hat er recht?
Das ist schon so. Gerade bei Autos haben wir in Europa vier Mal so hohe Zölle wie derzeit die Amerikaner – die Amerikaner 2,5 Prozent, wir zehn. Im Durchschnitt erheben wir in Europa höhere Zölle, gerade auch im Lebensmittelbereich. Bei Fleisch, Getreide und Zucker zum Beispiel haben wir hohe Barrieren. Da hat Herr Trump schon recht. Man muss aber auch sagen, dass die heutige Zolllandschaft das Ergebnis von Verhandlungen ist, die schon eine Weile zurückliegen.

Damals war das ein Deal, bei welchem man den Amerikanern andere Zugeständnisse gemacht hat.
Es wäre höchste Zeit, sich an einen Tisch zu setzen und die Handelsbeziehungen zu modernisieren. Das gescheiterte Handelsabkommen TTIP hätte viele der Probleme, die jetzt von Trump angesprochen werden, aus der Welt geschafft.

Zweite Amtszeit von Trump sehr wahrscheinlich

Trump hätte auch TTIP wieder aufkündigen können.
Das ist wahr. Es gibt jetzt zwei Varianten des Umgangs miteinander. Erstens: ein Handelskrieg. Wenn sich zwei gleich große Blöcke mit einem relativ ausgeglichenen Handel wie die USA und Europa gegenüber stehen, dann kann keiner gewinnen. Die andere Variante besteht im steinigen Weg der Verhandlungen. Ich nehme an, dass in der zweiten Amtszeit von Trump die Handelskriegspropaganda zurückgefahren wird und er versucht, seine Ziele auf dem Verhandlungsweg zu erreichen, weil das letztlich di einzige Möglichkeit ist.

Sie rechnen mit einer zweiten Trump-Amtszeit?
Ich fürchte, den Herrn kriegen wir nicht so schnell los.

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