Steuer-Apps: Wie können die Anwendungen helfen?

Das Ausfüllen der Formulare bei der Steuererklärung ist oft umständlich – mit den richtigen Steuer-Apps gehts schneller. 
| Hubert Obermaier
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Steuer-Apps können die Steuerklärung erleichtern – doch was gilt es, zu beachten?
imago images / Jochen Tack Steuer-Apps können die Steuerklärung erleichtern – doch was gilt es, zu beachten?

900 Euro bekommen Steuerzahler angeblich im Schnitt zurück. Doch das Ausfüllen der Formulare ist oft umständlich – mit den richtigen Steuer-Apps geht's schneller. 

Wer bei einem Arbeitgeber angestellt ist, für den erledigt die dortige Buchhaltung in der Regel die Steuerangelegenheiten, man muss nicht zwingend selbst eine Steuererklärung machen. Aber: Das Finanzamt setzt dann bei allen steuermindernden Ausgaben wie Fahrtkosten, Extraausgaben oder für die Altersvorsorge nur die geltenden Pauschalbeträge an.

In der Praxis können die Kosten allerdings höher liegen – und man würde Geld verschenken. Deshalb kann es sich immer lohnen, eine Erklärung zu machen. Entweder man holt sich die Steuerformulare dafür direkt beim Finanzamt und füllt sie mit der Hand aus. Oder man erledigt es auf elektronischem Weg, per Computer oder App – das kann die Arbeit sehr erleichtern. Die wichtigsten Fragen und Antworten zu den Software-Anwendungen.

Steuer-Apps: Wie funktionieren die Hilfsprogramme?

Kein komplizierter Fragebogen, keine umständlichen Formulare – die Anwendungen kommen ganz einfach und überschaubar daher. Der Nutzer wird Schritt für Schritt zu seinen Lebensverhältnissen, seinem beruflichen Status, Einkommen und Ausgaben befragt. In manchen Fällen kann man ganz einfach seine Lohnsteuerbescheinigung scannen und hochladen und zusätzliche Fragen beantworten.

Rechnungen, Quittungen und Belege werden abfotografiert und eingefügt. Am Ende zeigen alle Anwendungen dem Nutzer, ob er Geld herausbekommt oder nachzahlen muss. Manche Anbieter machen davon abhängig, ob man für die Software-Nutzung etwas bezahlen muss. Dann werden die Daten per Elster-Programm ans Finanzamt übermittelt, und das war es dann theoretisch. Manche Anbieter werben damit, dass man nicht länger als eine halbe Stunde braucht.

Wem können Steuer-Apps helfen?

Sie kann für Leute hilfreich sein, die überschaubare Einkommensverhältnisse haben, wie Rentner oder Azubis, die nur ein Einkommen und einfache Ausgaben wie Fahrtkosten haben. Sobald die Einkommensverhältnisse kleinteiliger oder komplizierter werden, wie etwa bei Selbstständigen, versagen die Anwendungen und weisen darauf hin, dass sie nicht weiterwissen.

Was kann eine solche Software nicht?

Sie befreit den Nutzer nicht von der Pflicht, sich einmal grundlegend damit auseinanderzusetzen, welche Art finanziellen Status er hat. Dabei kommt es oft auch bei Steuererklärungen für Studenten oder Azubis auf Feinheiten an. Studenten zum Beispiel können viele Jahre rückwirkend eine Erklärung einreichen.

Wer während seiner Ausbildung in einem gemeinnützigen Verein jobbt und dafür eine Entschädigung erhält, für den kann der Verein eine Pauschalsteuer entrichten, kann das aber auch dem Jobber überlassen. Das sind Fragen, die in den Softwareanwendungen in der Regel nicht berücksichtigt werden.

Warum sollte man sich nie allein auf eine Steuer-Software verlassen?

Finanzämter fragen nach, das haben sie so an sich. Und oft, wenn in einer Erklärung etwas unklar ist, wollen die Bearbeiter eine Rechnung oder Quittung eingescannt oder auch im Original nachgereicht haben. Das heißt also: Trotz der Erklärung per Hilfsprogramm bleibt es dem Nutzer nicht erspart, Belege für eine bestimmte Frist aufzuheben. Mindestens so lange, bis er einen endgültigen Steuerbescheid hat. Und die Angaben sollten unbedingt korrekt sein. Etwaige Fehler beim Eintragen der Daten oder falsche Angaben können nicht der Software angelastet werden.

Steuer-Apps: Wo versagen die Hilfsprogramme?

So einfach die Steuererklärung mit einer Steuersoftware auf den ersten Blick scheint, es gibt etliche Stolperstellen:

  • Weiß die Anwendung, für welches Jahr der Nutzer seine Erklärung machen will? Die Steuergesetzgebung ändert sich jährlich, ist dafür die Version richtig und aktuell?
  • Wer während der Eingabe Probleme mit dem Empfang hat oder gar sein Handy verliert, für den sind die Daten ohne eine Cloudlösung weg.
  • Eine Software ist für die Steuerunterlagen und -daten kein geeignetes Speichermedium.

Wo man Hilfe bekommt

Steuerberater kosten richtig Geld – wie viel, richtet sich nach der sogenannten Steuerberatergebührenordnung und ist abhängig vom Jahreseinkommen. Trotz der Kosten lohnt sich vor allem für Selbstständige der Steuerberater. Bei einem Lohnsteuerhilfeverein wird man für wenige Euro Aufnahmegebühr Mitglied. Danach richtet sich der Jahresbeitrag in der Regel nach dem Einkommen und dem daraus folgenden Aufwand für die Steuererklärung.

Vorteil: Man wird beim Lohnsteuerhilfeverein das ganze Jahr über beraten und gegenüber dem Finanzamt vertreten. Aber: Der Lohnsteuerhilfeverein kann nur Angestellten, Rentnern oder auch Beamten zur Seite stehen, Selbstständige können dort nicht beraten werden.

Das Fazit zu den Steuer-Apps

Mit einer Softwareanwendung die Steuererklärung zu machen, kann einfach und schnell gehen. Das gilt aber nur für sehr einfache, überschaubare Einkommensverhältnisse. Sobald es etwas komplizierter wird, helfen die Softwareanwendungen in der Regel nicht weiter. Und: Steuerangelegenheiten sollten keine Sache von ein paar Minuten sein, man muss sich wenigstens einmal grundlegend mit seiner finanziellen Situation auseinandersetzen, um verstehen zu können, was da ausgefüllt wird. Ansonsten wird viel Geld verschenkt.

Vor Nachfragen und Nachforderungen vom Finanzamt schützt auch eine Steuer-App nicht. Für die Steuererklärung 2019 endet die allgemeine gesetzliche Abgabefrist für Steuerpflichtige am 31. Juli 2020. Bis dahin muss die Steuererklärung beim Finanzamt eingetroffen sein. Es sei denn, es hilft ein Lohnsteuerhilfeverein oder ein Steuerberater, dann verlängert sich die Abgabefrist bis Ende Februar 2021. Weil der letzte Februartag im Jahr 2021 aber auf einen Sonntag fällt, muss man solche Erklärungen spätestens bis zum 1. März 2021 einreichen.

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