Sollten Geschäfte häufiger sonntags öffnen dürfen?

Handelsverbände drängen auf mehr Sonntagsöffnungen, die Gewerkschaft Verdi stemmt sich dagegen. Eine Umfrage zeigt, was die Menschen in Deutschland wollen.
dpa |
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Verbände fordern, dass sonntags häufiger eingekauft werden kann. (Symbolbild)
Verbände fordern, dass sonntags häufiger eingekauft werden kann. (Symbolbild) © Thomas Banneyer/dpa
Köln/Berlin

Deutschland ist gespalten in der Frage, ob Geschäfte sonntags öfter öffnen dürfen sollten. 43 Prozent der Menschen würden dies "auf jeden Fall" oder "eher" befürworten, 50 Prozent lehnen es hingegen ab. 6 Prozent machten keine Angabe. Das zeigt eine repräsentative YouGov-Befragung mit 4.022 Teilnehmern ab 18 Jahren. Jüngere und Männer stehen einer Lockerung der Sonntagsöffnungen demnach offener gegenüber als Ältere und Frauen.

Vor knapp einem Jahr hatte YouGov – mit ähnlicher Fragestellung – schon einmal eine Umfrage zum Thema durchgeführt. Die Ablehnung war damals größer. 34 Prozent sprachen sich für häufigere Sonntagsöffnungen aus, 59 Prozent dagegen. Die übrigen machten keine Angabe oder zeigten sich unentschlossen.

Was spricht dafür?

Die Handelsverbände werben schon seit längerem dafür, Geschäfte öfter und flexibler sonntags öffnen zu dürfen. "Einkaufen ist auch Freizeiterlebnis. Daher setzen wir uns für gelegentliche Sonntagsöffnungen im stationären Einzelhandel ein, insbesondere um Innenstädte attraktiv und lebendig zu halten", sagt Stefan Genth, der Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands Deutschland (HDE).

Auch der Handelsverband Textil Schuhe und Lederwaren (BTE) drängt auf eine Vereinfachung. Die Auflagen und Hürden der einzelnen Bundesländer sowie der Städte und Gemeinden führten vielfach dazu, dass verkaufsoffene Sonntage gar nicht erst beantragt werden – aus Angst, der geforderte Anlassbezug reiche nicht aus und werde womöglich kurzfristig vor Gericht gekippt, sagt Hauptgeschäftsführer Rolf Pangels.

Er fordert die Abschaffung des Anlassbezugs. "Der Handel braucht statt bürokratischer Hürden jetzt klare und praktikable Rahmenbedingungen." Pangels hält bis zu vier Sonntagsöffnungen pro Jahr in den meisten Städten für wirtschaftlich sinnvoll und für die Mitarbeitenden tragbar. "Für attraktive Standorte kann ich mir aber auch 10 bis 12 Sonntage vorstellen."

Was spricht dagegen?

Die Gewerkschaft Verdi lehnt eine Lockerung der Regelungen ab. "Der Sonntag ist für die Beschäftigten der einzige verlässlich planbare freie Tag, an dem Zeit für körperliche und mentale Entlastung in diesem anstrengenden Job bleibt", sagt Vorstandsmitglied Silke Zimmer, zuständig für Handel.

Längere Öffnungszeiten ließen immer weniger Raum für Familie, Freunde und Ehrenamt und brächten weder mehr Umsatz noch lebendigere Innenstädte. "Sie sind ein starkes Instrument im Verdrängungswettbewerb der großen Handelskonzerne", so Zimmer. Die Folge seien noch trostlosere Innenstädte mit den immer gleichen Ketten.

So ist die Gesetzeslage

An Sonn- und Feiertagen müssen Geschäfte in der Regel geschlossen bleiben. Die Regelungen zur Sonntagsöffnung sind im Ladenschlussgesetz festgelegt und variieren in den Bundesländern. Es ist eine Höchstzahl verkaufsoffener Sonntage vorgegeben, die an einen Anlass geknüpft sein müssen.

Einige Länder haben ihre Gesetze jüngst angepasst. So ist in Schleswig-Holstein künftig auf dem Land sonn- und feiertags der Einkauf in Kleinstsupermärkten ohne Personal erlaubt. In Thüringen gibt es seit einigen Monaten ausdrückliche Regelungen für kleine 24-Stunden-Läden. Sonntags dürfen sie öffnen, allerdings nur ohne Personal.

Hinweis: Diese Meldung ist Teil eines automatisierten Angebots der nach strengen journalistischen Regeln arbeitenden Deutschen Presse-Agentur (dpa). Sie wird von der AZ-Onlineredaktion nicht bearbeitet oder geprüft. Fragen und Hinweise bitte an feedback@az-muenchen.de

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