So viel verdienen Amazon-Mitarbeiter in Deutschland
Der berühmteste Online-Händler der Welt war schon früh mit Bayern verbandelt: Die erste deutsche Zentrale entstand vor 25 Jahren in Hallbergmoos. Inzwischen gibt es 20 Standorte von Amazon im Freistaat, der neue Hauptsitz für die deutsche Zentrale liegt seit November 2025 in der Anni-Albers-Straße im Münchner Norden.
Deutschland ist nach den USA der größte Ländermarkt für Amazon: Der US-Reise verdiente laut seiner Jahresbilanz für 2025 hierzulande 45,9 Milliarden US-Dollar (in etwa 40,7 Milliarden Euro nach dem durchschnittlichen Wechselkurs). Und somit noch mehr als in Großbritannien (43,2 Milliarden US-Dollar) und Japan (30,7 Milliarden US-Dollar).

Großer Umsatz heißt allerdings nicht automatisch große Gehälter. Wer an Amazon denkt, verbindet die Jobs für gewöhnlich mit dem Niedriglohnsektor. Inwiefern diese Vorstellung stimmt, hat sich die AZ in ihrem neuen Serien-Teil genauer angesehen.
Die Chefs:
Für Amazon Deutschland zuständig ist Rocco Bräuniger – er ist ein sogenannter Country Manager für Deutschland, Österreich und die Schweiz. Über sein Gehalt ist öffentlich nichts bekannt – es könnte im direkten Vergleich mit den Gehältern, die im US-Vorstand gezahlt werden, wohl auch nicht mithalten.

Der Amazon-CEO Andy Jassy – seit 2021 der Nachfolger von Gründer Jeff Bezos – erhielt laut Amazons jährlichem Proxy Statement im Jahr 2024 insgesamt 40,1 Millionen US-Dollar (etwa 37 Millionen Euro), aber nur ein Grundgehalt von 365.000 US-Dollar (rund 337.000 Euro). Amazon vergütet seinen Vorstand in erster Linie über firmeneigene Aktien.
CFO Brian Olsavsky erhielt Aktien im Wert von 25,7 Millionen US-Dollar (rund 24 Millionen Euro), Douglas Herrington, CEO der weltweiten Amazon Stores, im Wert von 34,2 Millionen US-Dollar (etwa 31,6 Millionen Euro) und Amazon-Web-Services-CEO Matt Garman wurde mit Wertpapier in Höhe von 32,8 Millionen US-Dollar (rund 30 Millionen Euro) bedacht.
Die Arbeitnehmer:
Laut der Gewerkschaft Verdi verweigert Amazon seit Jahren die Anerkennung von Tarifverträgen des Einzel- und Versandhandels. Die Löhne vieler Beschäftigter lägen „unter den tariflichen Standards“. Um mehr über die Gehälter der Mitarbeiter zu erfahren, braucht es deshalb die Hilfe des Online-Portals Kununu, auf dem Angestellte ihre Gehälter veröffentlichen können. Daraus ergibt sich ein Durchschnittswert, der sich mit dem deutschlandweiten Schnitt vergleichen lässt. Die Daten bestätigen: Amazon zahlt tatsächlich in vielen Fällen unterdurchschnittlich – insbesondere im operativen Bereich, also im Lager und im Versand.

Das Unternehmen selbst lobt sich auf seiner Webseite hingegen für seinen Einstiegslohn von 16 Euro pro Stunde in der Logistikbranche. Weitere finanzielle Zusatzleistungen sind laut Konzern etwa Sondervergütungen für Überstunden, eine kostenlose Lebens- und Erwerbsunfähigkeitsversicherung, Übernahme des Deutschlandtickets sowie vergünstigte Mahlzeiten in den Kantinen und seit 2025 feste Sommer- und Winterboni im Wert von 1200 Euro für Logistikmitarbeiter mit Karrierestufen eins bis drei.
Boni für Altersvorsorge und Kinder
Amazon zahlt außerdem zwei Familienboni, die unabhängig voneinander gewährt werden. Den Familienbonus I gibt es zur Geburt für alle Mütter, die bei Amazon beschäftigt sind. Er umfasst eine Einmalzahlung in Höhe von 50 Prozent der Bruttomonatsvergütung. Außerdem erhält geschlechtsunabhängig jeder Mitarbeiter, der in Elternzeit geht, einen einmaligen Bonus in Höhe von 75 Prozent des Bruttomonatsgehalts (Familienbonus II).

Ein weiterer Vorteil ist die betriebliche Altersvorsorge: Sie ermöglicht, einen selbst gewählten Anteil des Bruttolohns (maximal rund 300 Euro monatlich) als Entgeltumwandlung in eine Direktversicherung einzuzahlen, wobei Amazon 15 Prozent des eingezahlten Beitrags obendrauf gibt. Ab einer Beschäftigungsdauer von sechs Monaten zahlt Amazon zudem für jeden Euro des Mitarbeiters in die Direktversicherung einen weiteren Euro in den Euro-Betriebs-Pensionsfonds (EPF). Laut Amazon sind das zusätzlich 100 Prozent Zuschuss bis maximal zwei Prozent des Bruttolohns. Demnach gäbe es bei einem Bruttojahresfestgehalt von 35.600 Euro im Rentenalter eine Einmalzahlung von Amazon in Höhe von rund 47.000 Euro.
Jahresgehälter im operativen Bereich:
| Beruf | Gehalt | Durchschnitt in Deutschland |
|---|---|---|
| Instandhaltungstechniker | 53.600 Euro | 47.400 Euro |
| Industriemechaniker | 50.000 Euro | 42.400 Euro |
| Techniker | 50.100 Euro | 50.400 Euro |
| Ausbilder | 41.500 Euro | 47.500 Euro |
| Supervisor | 39.500 Euro | 48.300 Euro |
| Logistiker | 35.900 Euro | 36.200 Euro |
| Kundenberater | 33.200 Euro | 38.200 Euro |
| Fahrer | 32.100 Euro | 30.900 Euro |
| Sachbearbeiter Versand | 31.500 Euro | 34.300 Euro |
| Call Center Agent | 31.500 Euro | 27.300 Euro |
| Paketzusteller | 30.600 Euro | 31.400 Euro |
| Lagerist | 30.100 Euro | 31.500 Euro |
| Packer | 30.100 Euro | 29.700 Euro |
| Post-Mitarbeiter | 28.400 Euro | 31.000 Euro |
Jahresgehälter im administrativen Bereich:
| Beruf | Gehalt | Durchschnitt in Deutschland |
|---|---|---|
| Program Manager | 79.500 Euro | 85.000 Euro |
| Account Manager | 73.700 Euro | 60.000 Euro |
| Supply Chain Manager | 68.100 Euro | 59.200 Euro |
| IT-Supporter | 45.600 Euro | 45.400 Euro |
| Personalsachbearbeiter | 41.100 Euro | 41.400 Euro |
| Customer Service Manager | 36.600 Euro | 40.900 Euro |
Jahresgehälter in der Leitung:
| Beruf | Gehalt | Durchschnitt in Deutschland |
|---|---|---|
| Manager | 79.800 Euro | 79.800 Euro |
| Operations Manager | 76.900 Euro | 56.000 Euro |
| Abteilungsleiter | 76.800 Euro | 72.500 Euro |
| Area Manager | 65.000 Euro | 72.000 Euro |
| HR-Manager | 58.900 Euro | 56.100 Euro |
| Schichtführer | 53.000 Euro | 44.900 Euro |
| Teamleiter | 49.500 Euro | 63.300 Euro |
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