Siemens nach massiven Protesten am Pranger

Nach massiven Protesten wegen einer Lieferung für ein Kohlebergwerk trifft sich Vorstandsvorsitzender Joe Kaeser mit Aktivistin Luisa Neubauer./stro
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Demonstranten vor dem Münchner Hauptsitz des Elektrokonzerns Siemens am Freitag am Wittelsbacherplatz.
Tobias Hase/dpa Demonstranten vor dem Münchner Hauptsitz des Elektrokonzerns Siemens am Freitag am Wittelsbacherplatz.

Nach massiven Protesten wegen einer Lieferung für ein Kohlebergwerk trifft sich Vorstandsvorsitzender Joe Kaeser mit Aktivistin Luisa Neubauer.

München - "Australien brennt – Joe Kaeser, gießen Sie Kohle ins Feuer?", steht auf einem der Plakate vor dem Siemens-Hauptsitz in München. Ein Mann hält es in die Luft, einer der vielen Demonstranten, die am Freitag – von der Klimaschutzbewegung "Fridays for Future" angeführt – vor Siemens-Büros in mehreren Städten protestiert haben.

Am Hauptsitz am Wittelsbacherplatz übergaben die Aktivisten nach eigenen Angaben 57.000 Unterschriften einer Petition gegen die umstrittene Lieferung der Siemens-Signalanlage für ein Kohlebergwerk in Australien.

Unterschiedliche Interessenlagen bei Siemens

Parallel dazu traf sich am Freitag Siemens-Chef Joe Kaeser mit "Fridays for Future"-Aktivistin Luisa Neubauer zu einem Gespräch in Berlin. Siemens wolle angesichts der Proteste bis Montag entscheiden, ob der Auftrag zur Lieferung einer Zugsignalanlage für ein Kohlebergwerk in Australien ausgeführt wird, sagte Kaeser im Anschluss. Es gebe unterschiedliche Interessenlagen von Aktionären, Kunden und auch der Gesellschaft. Siemens müsse früher erkennen, wenn sich der Konzern an kritischen Projekten beteilige.

Kaeser sagte zudem, er habe Neubauer in einem Aufsichtsgremium in der neuen Gesellschaft Siemens Energy einen Sitz angeboten. "Ich möchte, dass die Jugend sich aktiv beteiligen kann." Er unterstütze "Fridays for Future". Neubauer sagte vor dem Gespräch der "Augsburger Allgemeinen", dass Siemens Klimaneutralität anstrebe und zugleich das in Australien geplante Großprojekt mit Technik ausrüsten wolle, sei ein eklatanter Widerspruch, der durch nichts zu rechtfertigen sei: "Als Konzern, der verstanden hat – oder vorgibt, zu verstehen, was die menschengemachte Klimakrise bedeutet – ist es nicht zu rechtfertigen, an einem Projekt wie der Adani-Mine festzuhalten."

"Wir haben so einen massiven Druck in Deutschland und Australien"

Kaeser hatte schon Mitte Dezember angekündigt, den Auftrag auf den Prüfstand zu stellen. Insidern zufolge hat das Geschäft ein Volumen von rund 20 Millionen Euro. "Wir haben so einen massiven Druck in Deutschland und Australien, dass ich mir bei einem Volumen von 20 Millionen Euro gut vorstellen kann, dass Siemens die in unseren Augen vernünftige Entscheidung trifft", sagte Nick Heubeck von "Fridays for Future" dazu.

Auch die eigenen Angaben zufolge aus 130 Organisationen bestehende Klima-Allianz Deutschland – der auch Brot für die Welt, Verdi und der WWF angehören – fordert Kaeser auf, den entsprechenden Auftrag abzulehnen.

Auslöser der Proteste ist die Lieferung eines von Siemens hergestellten Zugsignalsystems für den indischen Industriekonzern Adani. Dieser will in Australien eines der größten Kohlebergwerke der Welt aufbauen, das aus fünf Untertageminen und sechs Tagebaustätten bis zu 60 Millionen Tonnen Kohle pro Jahr fördern soll.

Das Projekt wird von Umweltschützern seit Jahren bekämpft. Der Ausbau der Kohlewirtschaft sei "eine gewaltige Bedrohung für die Zukunft der Welt" und "aus klimapolitischer Verantwortung heraus völlig untragbar", schreibt etwa die Klima-Allianz.

Lesen Sie auch: Siemens bietet Klima-Aktivistin Neubauer Spitzenposten an

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