Vom Vorstand bis zur Werkbank: So ungleich sind die Gehälter bei Siemens

Siemens gehört nicht nur in München zu den ganz großen Konzernen. Heißt das, dass man dort auch ganz groß verdient? Die AZ stellt die Gehälter vor.
Maximilian Neumair |
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Die Siemens-Firmenzentrale. Wer hier arbeitet, verdient in der Regel besser als in vergleichbaren Positionen in anderen Unternehmen.
Die Siemens-Firmenzentrale. Wer hier arbeitet, verdient in der Regel besser als in vergleichbaren Positionen in anderen Unternehmen. © Sven Hoppe/dpa

Im Herzen Münchens liegt die Siemens-Zentrale: Von hier aus werden die internationalen Geschäfte der Aktiengesellschaft gesteuert, die für das Jahr 2025 einen Rekordgewinn nach Steuern von 10,4 Milliarden Euro generierte. Weltweit umfasst das Unternehmen 312.000 Mitarbeiter, keiner der großen Fische in München kann da mithalten. Aber verdienen die Beschäftigten auch so viel Geld, wie der Umsatz vermuten lässt? Das will die AZ in ihrem zweiten Serien-Teil aufschlüsseln.

Die Chefs:

Am meisten verdient an der Spitze eines Dax-Konzerns wenig überraschend der Vorstandsvorsitzende. Im Fall der Siemens AG ist das Roland Busch: Der hat im Geschäftsjahr 2025 – das bei Siemens schon im September endet – etwa 11,5 Millionen Euro verdient, indem er die vom Konzern veranschlagten Ziele übererfüllte. Den Löwenanteil der Boni machten dabei die sogenannten Stock Awards aus, also die Vergütung eines Mitarbeiters in Form von Aktien. Der Boni für das Geschäftsjahr belief sich auf etwa 2,5 Millionen Euro.

Roland Busch, Vorstandsvorsitzender der Siemens AG, verdient das meiste Geld in dem Münchner Dax-Konzern.
Roland Busch, Vorstandsvorsitzender der Siemens AG, verdient das meiste Geld in dem Münchner Dax-Konzern. © Matthias Balk / dpa

Der Rest des Vorstands hat ebenso von hohen Aktien-Vergütungen profitiert: Arbeitsdirektorin Judith Wiese verdiente etwa neun Millionen Euro, davon gingen knapp sechs Millionen auf die Stock Awards zurück. Dicht dahinter folgt Finanzvorstand Ralf Peter Thomas, der über sieben Millionen Euro verdiente, rund 4,5 Millionen Euro allein mit Aktien. Am wenigsten verdienten die beiden Vorstands-Neulinge Veronika Bienert und Peter Körte: Beide erhielten rund 2,9 Millionen Euro – und noch keine Stock Awards.

Die Mitglieder des Aufsichtsrats verdienten zwischen 103.333 Euro (erst seit Februar im Aufsichtsrat) und 612.000 Euro (Vorsitz).

Die Arbeitnehmer:

Millionen-Gehälter bekommen Siemens-Arbeitnehmer zwar nicht, aber das durchschnittliche Jahreseinkommen ist mit 116.000 Euro durchaus üppig, wie der Geschäftsbericht für das Jahr 2025 offenbart. Die IG Metall hat zwar eine sondertarifliche Vereinbarung mit Siemens, das heißt, die Grundentgelte sind für die verschiedenen Vergütungsgruppen öffentlich einsehbar. Demnach verdienen Mitarbeiter in der höchsten Stufe (H) knapp 7000 Euro im Monat und außertariflich garantiert etwa 8700 Euro. Aber diese Gruppen verraten nicht, welche Berufe wo typischerweise dazugehören. Diese können teils verschiedenen Stufen angehören. Die Online-Plattform Kununu schafft Abhilfe: Dort können Arbeitnehmer die Höhe ihres Gehalts angeben, woraus sich Durchschnittswerte für die einzelnen Berufsgruppen ergeben. Wenig überraschend verdienen Angestellte bei Siemens im Branchenvergleich überdurchschnittlich.

Jahresgehälter in der Produktion/Vertrieb: 

  • Schlüsselkundenbetreuer: 102.000 Euro (Durchschnitt in Deutschland (DiD): 73.100 Euro)
  • Vertriebsassistent: 55.200 Euro (DiD: 40.200 Euro)
Teilnehmer eines Presserundgangs besichtigen am Stand von Siemens Mobility die Münchner S-Bahn auf der Bahntechnikmesse InnoTrans 2024 auf dem Messegelände. Siemens Mobility ist eine 100-prozentige Tochter der Siemens AG.
Teilnehmer eines Presserundgangs besichtigen am Stand von Siemens Mobility die Münchner S-Bahn auf der Bahntechnikmesse InnoTrans 2024 auf dem Messegelände. Siemens Mobility ist eine 100-prozentige Tochter der Siemens AG. © Carsten Koall

Jahresgehälter in der Entwicklung: 

  • Softwarearchitekt: 96.000 Euro (DiD: 85.400 Euro)

Jahresgehälter in der Leitung: 

  • Manager: 118.900 Euro (DiD: 79.700 Euro)

Siemens-Angestellte profitieren von der sondertariflichen Vereinbarung mit der IG Metall beim Weihnachts- und Urlaubsgeld. Das Weihnachtsgeld ist nach Länge der Betriebszugehörigkeit gestaffelt: Nach sechs Monaten gibt es 25 Prozent des Monatsverdienstes obendrauf, nach zwölf Monaten 35 Prozent, nach 24 Monaten 45 Prozent und nach 36 Monaten 55 Prozent. Das Urlaubsentgelt entspricht dem 1,5-fachen Durchschnittsverdienst je Urlaubstag. Das heißt: Es gibt 69 Prozent eines Monatsverdiensts obendrauf. Außerdem bekommen Mitarbeiter im Schnitt eine Leistungsprämie, die 11,25 Prozent des Grundgehalts entspricht.

Weitere Vorteile: Mitarbeiter erhalten sowohl einen Zuschuss in Höhe von 25 Prozent der Kosten für das Deutschlandticket. Auch für den Kauf von Aktien des Unternehmens gibt es einen Beitrag. Flankiert wird das Ganze von sogenannten Matching-Aktien: Für jeden vom Mitarbeiter investierten Betrag in Aktien gibt Siemens zusätzliche Aktien dazu – das erhöht den Wert des Investments. Angestellte entscheiden dabei selbst, ob und wie viel sie investieren. Für das Geschäftsjahr gewährte Siemens 479.364 solcher Matching-Aktien.

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