Schweiz koppelt Franken an den Euro

Die Schweizer Nationalbank hat ihren Franken an den Euro gekoppelt und einen Mindestkurs festgelegt. Der Euro setzte daraufhin zu einem Höhenflug an.
| dapd
X
Sie haben den Artikel der Merkliste hinzugefügt.
zur Merkliste
Merken
0  Kommentare Empfehlungen
Um den Höhenflug des Schweizer Franken zu begrenzen, hat die Nationalbank SNB nun ihre Währung an den Euro gekoppelt. Für die Börsen war das eine gute Neuigkeit.
AZ/dpa Um den Höhenflug des Schweizer Franken zu begrenzen, hat die Nationalbank SNB nun ihre Währung an den Euro gekoppelt. Für die Börsen war das eine gute Neuigkeit.

Die Schweizer Nationalbank hat ihren Franken an den Euro gekoppelt und einen Mindestkurs festgelegt. Der Euro setzte daraufhin zu einem Höhenflug an.

Genf - Die Schweizer Nationalbank (SNB) hat am Dienstag in ihrem Kampf gegen den Höhenflug des Franken die Währung an den Euro gekoppelt und einen Mindestkurs von 1,20 Franken festgelegt. Sie werde diesen Mindestkurs mit größter Entschlossenheit durchsetzen und sei dazu auch bereit, unbeschränkt Devisen zu kaufen, teilte die SNB mit.

Nach der Ankündigung schoss der Eurokurs schlagartig in die Höhe und notierte bei über 1,20 Franken. Am Morgen hatte der Wechselkurs bei unter 1,11 Franken gelegen.

Sowohl die Europäische Zentralbank (EZB), als auch die Europäische Kommission erklärten in einer kurzen Stellungnahme, sie nähmen den Schritt der SNB zur Kenntnis. Die gegenwärtig massive Überbewertung des Schweizer Frankens stelle eine akute Bedrohung für die Schweizer Wirtschaft dar und damit auch das Risiko einer deflationären Entwicklung, hieß es von der Bank.

Allerdings sei der Franken auch bei einem Eurokurs von 1,20 noch hoch bewertet und sollte sich über die Zeit weiter abschwächen. Falls die Wirtschaftsaussichten und die deflationären Risiken es erforderten, werde die Nationalbank weitere Maßnahmen ergreifen.

Das letzte Mal, dass der Wert des Franken auf diese Weise begrenz wurde, war im Jahr 1978, als der Wechselkurs gegenüber der Mark gesenkt wurde.

Der starke Franken hatte in der vergangenen Zeit die Wirtschaft der Schweiz belastet, vor allem der Export musste Einbußen hinnehmen. Analysten hatten deshalb seit Wochen über eine mögliche Koppelung des Franken an den Euro als Schutzmaßnahme für die Schweizer Wirtschaft spekuliert. Nach der Ankündigung des Schritts durch die SNB legten Schweizer Aktien deutlich zu, der Schweizer SMI kletterte um 4,8 Prozent auf 5.399 Punkte.

Schweizer Unternehmer erleichtert

Der Dachverband der Schweizer Unternehmen reagierte erleichtert auf den neuen Mindestkurs des Franken. „Das ist eine Notmaßnahme in einer äußerst schwierigen Zeit“, sagte der Chefökonom des Verbandes economiesuisse, Rudolf Minsch, am Dienstag der Nachrichtenagentur dapd. „Ohne diese Maßnahme wäre es bei unseren Unternehmen zu einem größeren Arbeitsplatzabbau gekommen“, fügte er hinzu.

Dennoch sei der Franken noch stark überbewertet, sagte Minsch, dessen Verband nach eigenen Angaben 30.000 Unternehmen mit 1,5 Millionen Mitarbeitern vertritt. „1,30 bis 1,40 Euro wäre ein fairer Wechselkurs“, sagte er.

Internationale Händler hatten angesichts der Unsicherheit an den Börsen ihr Geld in Schweizer Banken gesteckt. Auch die Schweizer Wirtschaft hat sich in den vergangenen Monaten besser entwickelt, als die vieler anderer schuldengeplagter europäischer Staaten. Doch die Regierung erwartete durch den Höhenflug des Franken ein verringertes Wachstum von nur 2,1 Prozent für 2011 und 1,5 Prozent für 2012.

 

Lädt
Anmelden oder registrieren

Zum Login
Zu meinen Themen hinzufügen

Hinzufügen
Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten
Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen
Um "Meine AZ" nutzen zu können, müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen.

Zustimmen
Teilen 0  Kommentare Empfehlungen
0 Kommentare
Artikel kommentieren