Schwarzarbeit bei Reinigungsfirmen? Verdächtige in Haft

Es geht um Schwarzarbeit und Ausbeutung von Menschen - und viel Geld. Nach langen Ermittlungen schlagen Polizei und Zoll zu.
dpa |
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Bei Durchsuchungen fanden Fahnder Geldscheine in Briefumschlägen einsortiert - bereit zur Auszahlung an die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. (Handout)
Bei Durchsuchungen fanden Fahnder Geldscheine in Briefumschlägen einsortiert - bereit zur Auszahlung an die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. (Handout) © ---/Bundespolizei Berlin/dpa
Berlin/Hamburg

Nach bundesweiten Durchsuchungen in Hotels und Reinigungsfirmen wegen des Verdachts auf Schwarzarbeit, Menschenhandel und Sozialbetrug sitzen zehn mutmaßliche Bandenmitglieder in Untersuchungshaft. Drahtzieher ist aus Sicht der Staatsanwaltschaft Berlin ein 50-Jähriger, der am Mittwoch an seinem Wohnsitz in Hamburg festgenommen wurde. Er soll seit 2022 zunächst von Berlin aus mit 22 Komplizen "zum Zwecke der Gewinnmaximierung" zusammengearbeitet und dabei ein komplexes Firmengeflecht mit 30 bis 40 Unternehmen aufgebaut haben.

Mehr als eine Million Euro Bargeld wurden nach Behördenangaben bei den Durchsuchungen in der Hauptstadt und in Hamburg sowie Thüringen (Masserberg), Sachsen (Dresden), Sachsen-Anhalt (Halle/Saale), Hessen (Frankfurt/Main), Nordrhein-Westfalen (Düsseldorf) und Baden-Württemberg (Karlsruhe) sichergestellt. Die Fahnder fanden die Geldscheine in Briefumschlägen einsortiert - bereit zur Auszahlung an die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, wie es hieß.

Gold und Luxusautos

Zudem wurden den Angaben nach Gold im Wert von mehr als 200.000 Euro sowie zahlreiche Luxusgüter - darunter hochwertige Autos und ein Motorrad - in einem Gesamtwert von rund 77.000 Euro sichergestellt. Neben illegalen Waffen beschlagnahmten die Einsatzkräfte bei der Durchsuchung von mehr als 100 Wohnungen, Unterkünften, Firmen und Hotels zahlreiche Handys und Laptops sowie weiteres Beweismaterial.

Ausgangspunkt der Ermittlungen war in Berlin, weswegen die Staatsanwaltschaft dort federführend ist. Die Ermittlungen hätten jedoch schnell "riesige Dimensionen" angenommen, hieß es von Polizei und Zoll. "Das war ein bisschen wie ein Tsunami", sagte Oberstaatsanwältin Christine Höfele. Darum sei die gemeinsame Ermittlungsgruppe "Purgatio" (lateinisch: "Reinigung") zwischen der Bundespolizeiinspektion Kriminalitätsbekämpfung Berlin und dem Hauptzollamt Berlin eingerichtet worden.

Umfangreiche Beweismittel sichergestellt

Nach rund eineinhalb Jahren verdeckten Ermittlungen gegen die mutmaßliche Bande erfolgten am Mittwoch die deutschlandweiten Durchsuchungen mit rund 2.200 Kräften. Die Beteiligten sprachen von einem "sehr erfolgreichen Schlag" im Kampf gegen Organisierte Kriminalität im Bereich der Wirtschaft. Nun gelte es die umfangreich sichergestellten Beweismittel möglichst schnell auszuwerten, um die mutmaßlichen Täter vor Gericht zu bringen.

Laut Staatsanwaltschaft handelt es sich um deutsche Staatsangehörige, einige von ihnen mit Migrationshintergrund. Der Kopf der Bande soll Menschen gezielt nach Deutschland eingeschleust und sie im gesamten Bundesgebiet für Arbeiten im Reinigungsgewerbe eingesetzt haben. 

"Die Menschen wollen hier arbeiten und kommen aus wirtschaftlicher Not nach Deutschland", erklärte Höfele. Dies werde von Kriminellen ausgenutzt. Wie einst Sklaven würden die Menschen in Abhängigkeit gehalten für den eigenen Profit. "Die Menschen werden nicht nur sämtlicher Arbeitsrechte entkleidet, sondern auch ihrer Würde", so die Oberstaatsanwältin. 

Nach den Ermittlungen kamen viele der Beschäftigten aus Osteuropa, etwa aus der Ukraine und Georgien. Löhne und Arbeitsbedingungen für sie sollen deutlich geringer gewesen sein als die der deutschen Kolleginnen und Kollegen. Nach Hochrechnungen der Behörden ist dem Staat allein im Rahmen der Sozialversicherung innerhalb von vier Jahren ein Schaden von etwa 25 Millionen Euro entstanden.

Hinweis: Diese Meldung ist Teil eines automatisierten Angebots der nach strengen journalistischen Regeln arbeitenden Deutschen Presse-Agentur (dpa). Sie wird von der AZ-Onlineredaktion nicht bearbeitet oder geprüft. Fragen und Hinweise bitte an feedback@az-muenchen.de

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