Schaeffler-Familie um 17 Milliarden ärmer - wer noch verloren hat

Die Schaefflers zählen zu den Superreichen in Deutschland, doch ihr Vermögen gerät durch Kursschwankungen an der Börse ins Wanken. Jetzt entscheidet sich, ob der Niedergang noch aufzuhalten ist.
| Julia Sextl
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Die Schaeffler-Familie erwartungsfroh beim Börsengang 2015: Jürgen Thumann (v.l.n.r.), seine Frau Maria-Elisabeth Schaeffler-Thumann und ihr Sohn Georg Schaeffler sowie der Schaeffler-Vorstandsvorsitzende Klaus Rosenfeld.
Arne Dedert/dpa Die Schaeffler-Familie erwartungsfroh beim Börsengang 2015: Jürgen Thumann (v.l.n.r.), seine Frau Maria-Elisabeth Schaeffler-Thumann und ihr Sohn Georg Schaeffler sowie der Schaeffler-Vorstandsvorsitzende Klaus Rosenfeld.

Berlin – Wessen Besitz vor allem auf Firmenanteilen basiert, muss mit den Schwankungen am Aktienmarkt zurecht kommen. Geschäftlich, aber auch emotional – wie jetzt Georg Friedrich Wilhelm Schaeffler: Der 54-Jährige hat 2018 rund die Hälfte seines Vermögens verloren. Es liegt mittlerweile bei "nur" noch 10,3 Milliarden Dollar.

Dem Familienerben gehören 80 Prozent der Schaeffler-Gruppe. Die übrigen 20 Prozent sind im Besitz seiner Mutter, Maria-Elisabeth Schaeffler-Thumann (77). Über eine Holding sind beide zudem größte Anteilseigner bei Continental. Dem Nachrichtendienst Bloomberg nach verloren Georg Schaeffler und seine Mutter insgesamt satte 17 Milliarden Dollar.

Beide Konzerne haben mit massiven Kursverlusten an den Börsen zu kämpfen – die Probleme der deutschen Autoindustrie spüren auch die Zulieferer. Wegen der schwächelnden Geschäfte in Europa und Asien hat sich der Aktienkurs in etwa halbiert. Mit einem Ausgabekurs von 12,50 Euro war Schaeffler 2015 an die Börse gegangen. Anfang 2018 kletterte die Aktie bis auf über 16,50 Euro. Dann begann der Sinkflug. Derzeit liegt das Papier bei gerade einmal sieben Euro.

Schafft Schaeffler den Schritt in die E-Mobilität?

Wie es nun weitergeht, hängt ganz davon ab, ob und wie die Zulieferer den Schritt in die Elektromobilität bewältigen. Schaeffler-Vorstandschef Klaus Rosenfeld sagt zwar selbst, die Börse sei der wahre Gradmesser dafür, was die Kapitalmärkte von der Zukunft einer Firma halten. "Im Kursrückgang ist eingepreist, dass Investoren sich nach wie vor Sorgen machen, ob wir den Transformationsprozess richtig hinbekommen", so der 52-Jährige zur "Welt". Dennoch zeigt er sich optimistisch: Der Konzern sei strategisch und operativ auf dem richtigen Weg.

Bislang war Schaeffler im Bereich der klassischen Verbrennungsmotoren und Getriebe bestens aufgestellt. "Wenn wir aber bis 2030 denken, werden wir in diesen Bereichen nicht mehr so stark wachsen wie in der Vergangenheit. Gleichzeitig wird sich in der E-Mobilität unsere Wertschöpfung ändern. Die wird abnehmen. Das heißt auch, dass die Marge in diesem Geschäft tendenziell zurückgehen wird", so Rosenfeld in der "Welt". Dafür werde aber gleichzeitig der nötige Kapitaleinsatz kleiner – und eine geringere Marge somit durchaus verkraftbar.

Ob die Anleger das auch so sehen, wird sich unter anderem Anfang März zeigen. Dann wird Rosenberg seine Prognose für 2019 sowie eine überarbeitete Mittelfristprognose für Schaeffler vorlegen. Wie Schaeffler, hatte auch Continental zuletzt seine Prognosen gekürzt. Jeder Kursrückgang mindert das Vermögen der Familie.

Die Schaefflers sind heftige finanzielle Schwankungen gewohnt

Im Jahr 2008 hätte Maria-Elisabeth Schaeffler-Thumann das Familienunternehmen zusammen mit dem früheren Schaeffler-Vorstandschef Jürgen Geißinger bei der Übernahme des Konkurrenten Continental beinahe an die Wand gefahren.

Als "Zockerin" wurde sie beschimpft, als die Firma Schaeffler zunächst nur 49,9 Prozent der Conti-Anteile übernehmen wollte, plötzlich aber 90 Prozent der Conti-Papiere besaß – und damit unter einem existenzbedrohenden Zwölf-Milliarden-Euro-Schuldenberg ächzte. Viele Conti-Anteilseigner hatten mitten in der Finanzkrise das Schaeffler-Angebot von 75 Euro je Aktie gern angenommen.

Diese Wogen sind längst geglättet. Gefragt, wie sie die damals über sie ausgegossenen Schmähungen ertrug, sagte Schaeffler-Thumann der "Süddeutschen Zeitung": "Man schüttelt sich wie ein nasser Pudel und lässt alles hinter sich."

Auch privat hat die 77-Jährige ihr Glück gefunden: Seit viereinhalb Jahren ist sie mit dem früheren Präsidenten des Bundesverbandes der Deutschen Industrie, Jürgen Thumann, verheiratet – nach dem Tod ihres Mannes Georg Schaeffler 1996. Dieser hatte das Unternehmen mit Firmenhauptsitz in Herzogenaurach gegründet – seine Frau baute es zum Weltkonzern aus.


Die Absteiger - diese Superreichen haben am meisten verloren

Die Angst vor einem Handelskrieg, einem harten Brexit und massive Kursverluste an den Börsen lassen auch die Vermögen der Superreichen schwanken. Wer 2018 am meisten Geld verloren hat:

Georg Schaeffler: Vermögen: 10,3 Milliarden Dollar, Verlust: minus 57 Prozent. Unternehmen: Schaeffler und Continental.

Peter-Alexander Wacker: Vermögen: 3,8 Milliarden Dollar, Verlust: minus 50 Prozent. Dem 67-Jährigen gehören 50 Prozent des Wacker-Konzerns.

Anders Holch Povlsen: Vermögen: 3,9 Milliarden Dollar, Verlust: minus 50 Prozent. Povlsen gilt als reichster Däne und ist zweitgrößter Anteilseigner von Zalando sowie zweitgrößter privater Landbesitzer in Großbritannien.

Kyung-bae Suh: Vermögen: 4,4 Milliarden Dollar, Verlust: minus 47 Prozent. Unternehmen: Kosmetika-Hersteller Amorepacific mit Sitz in Südkorea. Kyung-bae Suh gilt als zweitreichster Mann des Landes.

Richard Liu: Vermögen: 5 Milliarden Dollar, Verlust: minus 46 Prozent. Der Chinese Liu Qiangdong, der sich meist Richard Liu nennt, ist Gründer der chinesischen Internet-Plattform JD.com

China bringt durch seinen wirtschaftlichen Aufschwung übrigens die meisten Milliardäre hervor: Laut "Welt", die sich auf eine UBS-Analyse bezieht, leben dort inzwischen 373 Milliardäre. In Deutschland sind es nur 123.

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