Pfiffe und Buhrufe gegen die Quelle-Zentrale

Zu einem "letzten Aufschrei" hatte die Gewerkschaft aufgerufen, und die gefrusteten Mitarbeiter des Pleite-Unternehmens kamen zu Hunderten. Besonders wütend waren sie auf den Quelle-Insolvenzverwalter Görg.
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Die Demonstranten versammelten sich vor dem Nürnberger Quelle-Kaufhaus
ap Die Demonstranten versammelten sich vor dem Nürnberger Quelle-Kaufhaus

Zu einem "letzten Aufschrei" hatte die Gewerkschaft aufgerufen, und die gefrusteten Mitarbeiter des Pleite-Unternehmens kamen zu Hunderten. Besonders wütend waren sie auf den Quelle-Insolvenzverwalter Görg.

Rund eintausend Quelle-Mitarbeiter haben am Mittwoch in Nürnberg ihrem Frust über das Aus des Traditionsunternehmens lautstark Luft gemacht. Pfiffe und Buhrufe der von der Pleite betroffenen Mitarbeiter waren zu hören. Zu der Demonstration hatten der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) und die Gewerkschaft Verdi gemeinsam mit dem Betriebsrat aufgerufen.

Die Arbeitnehmervertreter machen neben dem Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg auch Politiker auf Bundes- und Landesebene für das Scheitern der Rettungsbemühungen verantwortlich. Görg hatte vor rund zwei Wochen überraschend das Aus für den Versender bekanntgegeben, nachdem sich kein Investor gefunden hatte. «Die Region hat noch nie so einen Niedergang wie den von Quelle in solch einer Geschwindigkeit erlebt», sagte der DGB-Vorsitzende von Mittelfranken, Stephan Doll, am Mittwoch in Nürnberg vor der protestierenden Menge. Er verlangte von der Bundesregierung Sofortprogramme für die gekündigten Quelle-Beschäftigten und die Zulieferfirmen.

«Mit Füßen getreten»

«Die Mitarbeiter von Quelle und Primondo wurden mit Füßen getreten. Das hat nichts mit sozialer Marktwirtschaft zu tun, sondern ist Kapitalismus pur», sagte Doll. «Der Umgang mit den Kolleginnen und Kollegen war würdelos», kritisierte auch der Quelle- Gesamtbetriebsratsvorsitzende Ernst Sindel. Zu der Demonstration vor dem Quelle-Einkaufszentrum waren nicht nur Quelle-Mitarbeiter gekommen, um ihre Solidarität mit den Betroffenen zu bekunden. Eine 69-jährige Frau aus der Nachbarschaft erklärte: «Ich hoffe, dass die Kundgebung in der Öffentlichkeit wirkt und dass die Politiker wach werden.»

«Was aus diesem stolzen Versandhaus geworden ist»

«Das ist als letzter Aufschrei zu verstehen, um zu zeigen, was aus diesem stolzen Versandhaus geworden ist», sagte Verdi-Funktionär Johann Rösch. Er bezeichnete die telefonische Kündigung von rund 2000 Mitarbeitern als unwürdig und einen großen Skandal für Deutschland. Er warf der Insolvenzverwaltung und dem früheren Quelle-Management schweres Versagen vor. Auch der damalige Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) habe es unterlassen, Quelle zu helfen, sagte Rösch.

Ausverkauf auf Hochtouren

Für den Ausverkauf werden derzeit noch etwa 4300 Beschäftigte der Primondo-Gruppe gebraucht, davon 1100 bei Quelle. Trotz Lieferschwierigkeiten bei Kühlschränken und Waschmaschinen läuft der Ausverkauf laut Insolvenzverwaltung weiter auf Hochtouren. Nach 150.000 Bestellungen an den ersten beiden Tagen seien am Dienstag erneut über 86.000 Käufe eingegangen, sagte ein Sprecher des Insolvenzverwalters. Besonders gefragt seien Textilien. Sie wiesen die höchsten Preisnachlässe auf und hätten am Montag 60 Prozent der Bestellungen ausgemacht. Eine erste Zwischenbilanz zum Abverkauf solle am kommenden Wochenende vorgelegt werden.

Zahlungsschwierigkeit in der Insolvenz

Die Insolvenzverwaltung hatte Lieferschwierigkeiten bei sogenannter «weißer Ware» eingeräumt, weil einer der wichtigsten Lieferanten der Hausmarke Privileg Eigentumsvorbehalt angemeldet hat. Der Quelle-Sprecher sagte, es würden derzeit Gespräche mit den Herstellern geführt. Hintergrund sind die Zahlungsschwierigkeiten von Quelle. Dem Unternehmen droht mitten im Ausverkauf das Geld auszugehen, weshalb Görg die drohende Masseunzulänglichkeit angemeldet hat. Das hat für die Lieferanten des Unternehmens gravierende Folgen. Denn Firmen, die nach Anmeldung der Insolvenz am 1. September noch geliefert haben, würden damit nicht mehr vorrangig bezahlt. (dpa/AP/nz)

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