Niedrige Zinsen? So erkennen Einsteiger gute Aktien

Wer spart, bekommt dafür kaum Zinsen. Es ist also ein guter Zeitpunkt, um sein Geld anzulegen. Aber wie gelingt der Start? Vier Tipps vom Experten.
| Martin Knoll
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Die Welt der Aktien ist anfangs vielleicht kompliziert, aber der Start kann mit ein paar Tipps klappen.
Die Welt der Aktien ist anfangs vielleicht kompliziert, aber der Start kann mit ein paar Tipps klappen. © imago images/Ikon Images

Es ist ein Trauerspiel: Sparer erhalten auf ihre Guthaben kaum mehr Zinsen. Manche Banken sind sogar dazu übergegangen, Negativzinsen zu verlangen.

Wie erkenne ich eine gute Aktie?

Spätestens jetzt ist die Zeit gekommen, sich nach anderen Anlageformen umzusehen. Nicht umsonst liebäugeln viele Deutsche mit einer Geldanlage in Aktien.

Dabei stellt sich Börseneinsteigern die wichtige Frage: Wie erkenne ich eine gute Aktie? Das ist gar nicht so schwer. Hier finden Sie hilfreiche Tipps sowie praktische Erklärungen, was es mit Dividendenrenditen, dem Kurs-Gewinn-Verhältnis und Aktiencharts auf sich hat.

Aktien-Tipp 1: Finden Sie heraus, wie viel Geld Sie investieren wollen

Zuallererst sollten Sie als Börseneinsteiger ermitteln, wie viel Geld Sie überhaupt investieren wollen. Nach der gängigen 50-30-20-Regel werden 20 Prozent des Einkommens empfohlen. Die restlichen 80 Prozent verteilen sich auf 30 Prozent Freizeitaktivitäten wie Urlaub und 50 Prozent Fixkosten wie Miete.

Beispiel: Wem also monatlich 2.000 Euro zur Verfügung stehen, der investiert und spart 400 Euro pro Monat. Eine Mischung aus verschiedenen Anlageformen gilt dabei als guter Weg, um auch in Krisenzeiten oder bei plötzlichem Finanzbedarf nicht in Geldnot zu geraten. Sein gesamtes verfügbares Vermögen in Aktien zu stecken, ist eher riskant.

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"Jeder muss sich überlegen, wie viel er in Aktien investieren und zur Not langfristig entbehren kann", sagt der Börsenexperte Ulrich Müller von der Ulrich-Müller-Wealth-Academy in Hamburg.

Hier eine Beispielrechnung: 50 Prozent der monatlichen Sparrate in Aktien investieren, 30 Prozent in festverzinste Wert- und Rentenpapiere, zehn Prozent in Tagesgeld und fünf bis zehn Prozent in Edelmetalle wie Gold und Silber - so lässt sich das Risiko mindern, da Sie nicht alles auf eine Karte setzen.

Aktien-Tipp 2: Schauen Sie auf die großen Namen

Viele Börsenneulinge kaufen Aktien ohne vorherige Analyse. Börsenexperte Ulrich Müller warnt: "Menschen an der Börse haben meist keine Ahnung und verlassen sich auf ihr Bauchgefühl."

Doch genau dieses Gefühl kann trügen. Aktien-Einsteiger sollten sich daher besser auf große Namen konzentrieren und zum Beispiel bei SAP, Apple und Coca-Cola zugreifen. Das sind Unternehmen, die seit vielen Jahren eine führende Rolle auf dem weltweiten Markt einnehmen und für Stabilität und Sicherheit stehen.

Für Einsteiger empfiehlt es sich deshalb, in erster Linie auf Papiere etablierter Konzerne zu setzen und besser die Finger von spekulativen Investments in Newcomer-Unternehmen zu lassen. "Börsenneulinge begehen immer wieder denselben Fehler: Sie fragen nicht nach dem inneren Wert einer Aktie", sagt der Gründer der Wealth Academy in Hamburg. Bei der Entscheidungsfindung hilft es deshalb enorm, den Kauf einer Aktie mit dem Erwerb einer Immobilie gleichzusetzen.

Hier würde sich der Käufer vorab über Lage, Preis und eine potenzielle Wertsteigerung informieren. "Diesen Vergleich" so Müller, "muss jeder Investor auch bei Aktien vollziehen."

Aktien-Tipp 3: Achten Sie auf hohe Dividenden

Eine wichtige Kenngröße bei der Bewertung von einzelnen Aktien ist die Dividendenrendite. Sie gibt die Verzinsung einer Aktie an, die den Aktionären gutgeschrieben wird. Und zwar bezogen auf den gegenwärtigen Kurs der Aktie.

Wie hoch diese Ausschüttung ausfällt, hängt sowohl von der Höhe des Unternehmensgewinns, als auch von der verfolgten Dividendenpolitik ab. Schauen Sie dabei auch auf die Ausschüttungsquote - denn es macht einen Unterschied, ob Unternehmen nur 30 oder sogar 75 Prozent des Gewinns als Dividende ausschütten. "Einige Unternehmen verschulden sich sogar, um Dividenden auszuzahlen - diese sind unbedingt zu vermeiden", ergänzt Müller.

2020 haben die 30 deutschen DAX-Unternehmen für das abgelaufene Geschäftsjahr Dividenden von knapp 34 Milliarden Euro an ihre Aktionäre ausgeschüttet. Die höchste prozentuale Ausschüttung nahmen Konzerne wie BASF, die Allianz und Siemens vor.

Gerade für langfristig orientierte Aktienbesitzer sind Titel mit einer möglichst hohen Dividendenrendite empfehlenswert, da die regelmäßigen Einnahmen in Niedrigzinsphasen die frühere Rolle von Sparzinsen einnehmen können.

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Aktien-Tipp 4: Wichtige Kennzahlen und Aktiencharts

Wer auf der Suche nach guten Aktien ist, kann auf eine ganze Reihe von Werkzeugen zurückgreifen, die helfen, die richtige Entscheidung zu treffen. Allerdings setzt das ein wenig Interesse an den Hintergründen des Börsengeschehens voraus.

Neben Umsatz, Schulden und Gewinn achten Sie auf das Kurs-Gewinn-Verhältnis, kurz KGV. Es ist eine Kenngröße, die sich aus dem Aktienkurs eines Unternehmens und dessen Gewinn ableitet und Auskunft darüber gibt, ob ein börsennotiertes Unternehmen aktuell hoch oder eher niedrig bewertet ist. Liegt das KGV unter 10, gilt die Aktie als günstig, bei Werten von über 25 eher als teuer.

Ein weiteres Werkzeug ist die Chartanalyse. Mit ihr soll anhand des bisherigen Kursverlaufs einer Aktie eine Prognose über die zukünftige Entwicklung getroffen werden. Experten können aus diesen Charts allerhand Kauf- und Verkaufssignale herauslesen.

Bei Einsteigern genügt auch ein Blick auf den Verlauf der Linien: Ging es schon länger bergab, ergibt sich möglicherweise eine günstige Kaufgelegenheit. So kann man zumindest eine Kurstendenz erkennen - das kann bei einer Kaufentscheidung nützlich sein.

Fazit: Gute Aktien lassen sich finden

Wer Aktien kauft, sollte sich immer als "Mitunternehmer" fühlen und das Unternehmen genau kennen, in das er investiert. Liegt der Fokus dabei auf großen, etablierten Unternehmen mit hoher Dividendenrendite und einem möglichst niedrigen Kurs-Gewinn-Verhältnis und wird darüber hinaus nur so viel Geld investiert, wie langfristig entbehrt werden kann, ergibt sich mit der Anlage in Aktien ein guter Weg aus der Niedrigzins-Misere.

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