Neuer Trend? - Bestellstation für Lebensmittel

Der Handel erprobt Bestellstationen für Lebensmittel. Eine davon steht in Stuttgart, hergestellt von einem Münchner Start-up – ein neuer Trend?
| Wolf von Dewitz
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Die neue Bahnhofsbox mit ihren 52 Fächern in Stuttgart erinnert an eine Paketstation.
Lino Mirgeler/dpa Die neue Bahnhofsbox mit ihren 52 Fächern in Stuttgart erinnert an eine Paketstation.

Die erste Bestellung ist eine Überraschung. Gerade noch hatte ein Bahn-Manager einen Werbeclip in der Halle des Stuttgarter Hauptbahnhofs abspielen lassen, in dem ein Kunde Zutaten für Käsespätzle bestellt. Gewissermaßen als Fortsetzung der Werbung im wahren Leben schreitet der Manager dann zur Tat: Er hält einen Handy-Code vor einen Scanner und ein Fach der neuen Lebensmittel-Abholstation namens Bahnbox öffnet sich.

Drin liegen nicht Spätzle, Käse, Sahne und Zwiebeln, sondern Lasagne und Nudeln. Der Manager guckt verwirrt. Später klärt sich auf: In einem anderen, weiter rechts gelegenen Fach sind die Käsespätzle-Zutaten. Die Werbeveranstaltung ist ein weiterer kleiner Schritt im digitalen Wandel des Handels. Die Lebensmittelbranche ist noch wenig betroffen von den neuen Konsumentengewohnheiten: Während die Online-Konkurrenz stationären Buchläden oder Klamottengeschäften zusetzt, liegt der Versandhandel mit Nahrung nur bei etwa einem Prozent am Lebensmittel-Gesamtumsatz.

Digitales Aufrufezeichen

Mit der Stuttgarter Bahnhofsbox will nun Edeka Südwest ein digitales Ausrufezeichen setzen. In der Stadt bringt nun ein Edeka-Markt die im Internet bestellten Waren zu der acht Meter breiten und zweieinhalb Meter hohen Aufbewahrungswand mit 52 Fächern. 7000 Produkte können bestellt werden – ob Fleisch, Milch, Salat oder Eis.

Ordert ein Kunde bis sechs Uhr morgens, so kann er die Ware zwischen 10 und 14 Uhr abholen. Zudem gibt es ein Zeitfenster zwischen 15 und 22 Uhr. Der Service sei praktisch und zeitsparend, wirbt die Bahn. Es ist die erste Supermarkt-Abholbox an einem Bahnhof in Deutschland. Die Preise für die Produkte sind ähnlich wie im Supermarkt, pro Bestellung ist aber eine Service-Pauschale von 2,95 Euro fällig.

Herrgestellt in München

Branchenexperten äußern sich zurückhaltend zu den Erfolgsaussichten des Pilotvorhabens. "Ob die Verbraucher das annehmen, muss die Zeit zeigen." Die Abholmentalität in Deutschland sei schwach. Das Münchner Start-up Emmasbox hat die Abholstation hergestellt. 2013 gegründet, hat es bisher acht solcher Stationen ausgeliefert. 2015 stand eine solche Station für ein halbes Jahr am Münchner Flughafen, betrieben von Edeka Südbayern.

Fragen hierzu will eine Edeka-Sprecherin nicht beantworten, stattdessen berichtet sie von einem ähnlichen Projekt – in Gaimersheim steht ein solcher Automat vor einem Supermarkt. Man sei hier noch in der Testphase, so die Sprecherin. Aber: "Bestimmte Kundengruppen schätzen dieses Angebot und nutzen es regelmäßig." Benjamin Slotty, Vertriebschef von Emmasbox, erinnert sich noch gut an das Münchner Flughafenprojekt. Das sei nur "ein besserer Verkaufsautomat" gewesen, sagt er, bei dem man nicht online bestellen konnte. Vielmehr lagen Lebensmittelpäckchen mit festgelegten Zutaten bereit.

"Ist nicht mehr als ein PR-Gag"

"Wenn man eine dieser Zutaten nicht mochte, musste man sie trotzdem mitkaufen", sagt er. In Stuttgart ist das anders. Edeka-Konkurrent Rewe setzt auf Online-Bestellungen samt Lieferdienst und bietet zudem 13 Abhol-Theken für vorbestellte Ware an. Einen Abholautomaten hat der Konzern nicht. Zwei "Drive In"-Stellen bot Wettbewerber Globus an, schloss diese aber vor kurzem. Discounter Lidl nahm 2016 Kurs auf Mini-Abholfilialen, doch Anfang dieses Jahres ließ er die Pläne fallen.

Aus Sicht des Handelsexperten Gerrit Heinemann von der Hochschule Niederrhein dürfte die Edeka-Bahnhofsbox in Stuttgart ein ähnliches Schicksal haben. "Das ist nicht viel mehr als ein PR-Gag", sagt er.

Lesen Sie hier: Deutsche kaufen weniger Diesel-Autos

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