Testprobleme bei Kampfdrohnen in der Ukraine: Vorwürfe gegen Münchner Rüstungs-Start-up

Das Software- und Rüstungsunternehmen Helsing wurde hoch gelobt und hat jetzt offenbar mit Herausforderungen zu kämpfen. Medienberichte verweisen auf technische Probleme der Geräte. Die Folge soll ein Bestellungsstopp sein.
von  Alexander Spöri
Regierungschef Markus Söder (rechts) neben dem Geschäftsführer Wolfgang Gammel bei einem Besuch in Tussenhausen bei Helsing.
Regierungschef Markus Söder (rechts) neben dem Geschäftsführer Wolfgang Gammel bei einem Besuch in Tussenhausen bei Helsing. © imago

Noch im vergangenen Jahr posierte Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) in schwarzer Lederjacke vor den Drohnen des Münchner Rüstungsproduzenten Helsing. Auf dem Kurzbotschaftendienst X schwärmte er vom "bayerischen Super-Start-up", das "technologische Dominanz und Souveränität" bringe. Bayern setze auf "Defense" und wolle möglichst viele Rüstungsaufträge in den Freistaat holen.

Nun gerät Helsing allerdings unter Druck. Nach Recherchen von "Bloomberg" soll die Ukraine vorerst keine neuen Bestellungen der KI-gesteuerten Kampfdrohne HX-2 mehr aufgeben. Grund sollen erhebliche Probleme bei Tests unter Kampfbedingungen sein.

Einer internen Präsentation des Bundesverteidigungsministeriums zufolge sei der größte Teil der HX-2-Drohnen bei Versuchen an der Front nicht startfähig gewesen. Außerdem soll es zu Verbindungsabbrüchen durch russische Störsignale gekommen sein. Eine Sprecherin des Ministeriums erklärte allerdings, die Leitung habe die Präsentation weder geprüft noch genehmigt. "Bloomberg" beruft sich auf mehrere mit der Sache vertraute Personen in Deutschland und der Ukraine.

Hersteller der Drohnen weist Vorwürfe von sich

Helsing wies die Darstellung zurück. "Die Realität sieht anders aus", heißt es in einer Stellungnahme des Unternehmens. Mehr als sechs Einheiten der ukrainischen Armee hätten konkrete Bestellanfragen für die HX-2 gestellt. Die Einheit, die das System getestet habe, habe sogar mehr als 1000 weitere Drohnen für den Kampfeinsatz angefordert. Bei Militärtests in Deutschland, Großbritannien und Kenia seien Trefferquoten von nahezu 100 Prozent erreicht worden.

Man liefere darüber hinaus derzeit mehrere Hundert Drohnen pro Monat in die Ukraine. "Wir begrüßen kritische Betrachtung und sind dankbar für ehrliches Feedback", so Helsing weiter. "Aber wir können irreführende Berichterstattung über unser Unternehmen und unsere vielen Mitarbeiter, die daran arbeiten, Europa sicher zu halten, nicht tolerieren."

"Fiasko": Abstürze und fehlende Kontrolle

Nicht zum ersten Mal kommt Kritik an den Drohnen des Münchner Unternehmens auf. Bereits vor Tagen berichtete die "Welt am Sonntag" über Probleme. Ukrainische Soldaten, die seit Frühjahr 2025 mit Helsing-Geräten arbeiten, sollen dem Blatt gesagt haben, die ersten Monate seien ein "Fiasko" gewesen. Viele Drohnen wären nicht gestartet oder seien direkt abgestürzt. Helsing bezeichnete die erwähnte Absturzquote als "falsch".

Das 2021 gegründete Unternehmen wurde bei einer Finanzierungsrunde im vergangenen Jahr mit rund zwölf Milliarden Euro bewertet und gilt damit als eines der wertvollsten Start-ups Europas.

Dass Drohnen-Start-ups Anlaufschwierigkeiten haben, ist kein Einzelfall. Das "Wall Street Journal" berichtete bereits 2024, dass amerikanische Drohnen in der Ukraine reihenweise versagten – sie galten als teuer, störanfällig und schwer zu reparieren. Der Chef des US-Drohnenherstellers Skydio, Adam Bry, nannte sein eigenes Produkt damals "keine sehr erfolgreiche Plattform an der Front".

Im Drohnenkrieg ist das Tempo der Weiterentwicklung extrem hoch. Das macht Herstellern zu schaffen und: Was heute funktioniert, kann morgen schon wieder veraltet sein.

merken
Nicht mehr merken
X

Sie haben den Inhalt der Merkliste hinzugefügt.