Lohn und Rente sind immer weniger wert

Trotz Lohn-Erhöhungen und geringer Inflation: Viele Arbeitnehmer haben 2013 real weniger Geld zur Verfügung als vergangenes Jahr. Ein Grund: Die Chefs sparen an Sonderzahlungen. 
| Georg Thanscheidt
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Rentenerhöhung sowie die Lohnerhöhung und Inflation in Prozent
Tabelle: AZ Rentenerhöhung sowie die Lohnerhöhung und Inflation in Prozent

Trotz Lohn-Erhöhungen und geringer Inflation: Viele Arbeitnehmer haben 2013 real weniger Geld zur Verfügung als vergangenes Jahr. Ein Grund: Die Chefs sparen an Sonderzahlungen.

Wiesbaden - Kennen Sie das auch? Am Ende des Geldes ist stets zu viel Monat übrig – es wird immer schwieriger, mit dem Geld über die Runden zu kommen. In den Zeitungen ist immer von Lohnerhöhungen die Rede – aber es sind immer die Lohnerhöhungen der Anderen. Oder das Geld, das bei Ihnen ankommt, rinnt Ihnen durch die Finger und Sie fragen sich, warum.

Jetzt gibt es Antworten – und zwar von höchst amtlicher Stelle. Das Statistische Bundesamt hat Preise und Löhne in Deutschland verglichen und festgestellt: Zieht man von den durchschnittlichen Lohnsteigerungen den durchschnittlichen Preisanstieg ab, verdienen die Bundesbürger im dritten Quartal 2013 weniger als noch vor einem Jahr.

Vollständig lautet die Erkenntnis: Die Reallöhne der in Vollzeit, Teilzeit oder geringfügig beschäftigten Arbeitnehmer sind um 0,3 Prozent gesunken. Die arithmetische Ursache: Während die Löhne im Schnitt um 1,3 Prozent stiegen, legten die Preise um 1,6 Prozent zu (siehe Tabelle). Der durchschnittliche Arbeitnehmer hatte also nominal mehr Geld in der Tasche, konnte sich dafür aber real weniger kaufen.

Für die Arbeitnehmer in Deutschland ist das kein neues Phänomen: Trotz deutlicher Lohnanstiege jenseits der drei Prozent – zum Beispiel in den Jahren 2008 und 2011 – wäre 2013 nun das sechste Jahr seit 2004, in dem der Reallohn gesunken ist. Für einen Arbeitnehmer, der zur Jahrtausendwende 2000 Euro brutto verdient hat, bedeutet diese Entwicklung, dass er sich zwar auf den Papier über einen deutlichen Anstieg auf fast 2500 Euro freuen kann.

Diese Freude wird nämlich durch zwei Faktoren wieder zunichte gemacht: Zum einen ist die Summe auf seinem Lohnzettel heute real nur noch 1989Euro wert – er hat also seit fast 14 Jahren keinen Cent dazuverdient. Zum anderen zahlt er auf heute 2500 Euro mehr Steuern als damals auf 2000 Euro – das nennt man kalte Progression.

Ein Ehepaar mit zwei Kindern wird allein durch den letzten Faktor im kommenden Jahr mit bis zu 280 Euro belastet. Hinzu kommt noch der Verzicht auf die Senkung des Rentenbeitrags (siehe Seite 2). Apropos Rente: Rentner leiden überproportional unter dem Anstieg der Verbraucherpreise. Das liegt daran, dass ihre Bezüge seit 2000 deutlich geringer gestiegen sind als die der Arbeitnehmer.

Es gab Nullrunden, in diesem Jahr wurde das in West-Deutschland mit 0,25 Prozent äußerst knapp bemessene Rentenplus durch eine Preissteigerung von 1,6Prozent mehr als aufgefressen. Auch für Rentner ist dies keine neue Erfahrung: Wer Anfang 2000 im Westen exakt 1000 Euro Rente bekommen hat, bekommt zwar durch die Rentensteigerungen der letzten Jahre seit Juli 2013 im Schnitt 1140 Euro monatlich. Diese Summe ist aber nur noch 909 Euro wert – ein reales Minus von mehr als neun Prozent.

Kein Wunder, dass noch so viel Monat übrig ist, wenn das Geld weg ist. Die nun vom Statistischen Bundesamt vorgelegten Zahlen sind auch deswegen so bemerkenswert, weil die Preissteigerungsraten insgesamt sehr niedrig liegen – bei Zahlen unter zwei Prozent gehen Experten eigentlich von Preisstabilität aus.

Ein wichtiger Grund für das Reallohn-Minus: Vor allem im Dienstleistungsbereich wurde an den Sonderzahlungen zum Jahresende – also zum Beispiel Bonuszahlungen – gespart. Betroffen waren hier vor allem Banken, Versicherungen und der öffentliche Dienst. Hinzu kommt: Tariflich Beschäftigte – die Hälfte aller Arbeitnehmer – erhielten 2,8Prozent mehr Lohn. Die andere Hälfte bekam dementsprechend deutlich weniger als die durchschnittlichen 1,6 Prozent.

 

 

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