Kurz vor Fristende: Trump findet neues Schlupfloch für Zölle

Nach seiner Niederlage vor dem obersten US-Gericht ließ Trump nicht locker. Er erhob für 150 Tage neue globale Abgaben. Diese laufen nun aus - doch Trump hat schon neue Zölle parat.
Khang Mischke, Franziska Spiecker und Anna Ringle, dpa |
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Für die meisten Importe aus der Europäischen Union gilt weiter ein Zoll von bis zu 15 Prozent. (Archivbild)
Für die meisten Importe aus der Europäischen Union gilt weiter ein Zoll von bis zu 15 Prozent. (Archivbild) © Hauke-Christian Dittrich/dpa
Washington

Was wäre die zweite Amtszeit von US-Präsident Donald Trump ohne seine geliebten Zölle? Für ihn sind die Importgebühren gegen unliebsame Verbündete und andere Handelspartner ein bewährtes Mittel, um US-Interessen durchzusetzen. Zwar kassierte der Oberste Gerichtshof der USA bereits viele seiner Zölle. Das brachte den Republikaner aber nicht davon ab, neue Auflagen zu ersinnen. Unmittelbar vor dem Auslaufen seiner jüngsten globalen Zölle findet die US-Regierung ein neues Schlupfloch. Ein Überblick:

Welche neuen Zölle hat die US-Regierung nun verkündet?

Die US-Regierung ist nach einer wochenlangen Untersuchung zum Schluss gekommen, dass rund 60 Handelspartner angeblich unzureichend gegen Zwangsarbeit vorgehen. Pünktlich zum Ende des gesetzlichen Zeitrahmens von Trumps bisherigen globalen Zölle verkündet sein Handelsbeauftragter Jamieson Greer aus diesem Grund neue Importgebühren auf Einfuhren besagter Handelspartner: einen Zollsatz von 10 beziehungsweise 12,5 Prozent. Dieser liegt auffällig nah an der bisherigen Abgabe – die vorigen globalen Zölle lagen bei 10 Prozent. Nach US-Angaben betreffen die neuen Zölle 99,4 Prozent aller Importe. 

Die Europäische Union wird nun unter anderem neben Taiwan, Japan und der Schweiz als Handelspartner genannt, bei dem für die Importe bestimmter Produkte in die USA beide Sätze aufgeführt werden. Den Zollsatz machen die USA den Angaben zufolge auch davon abhängig, ob Handelspartner Verbote für mit Zwangsarbeit hergestellte Waren wirksam durchsetzen. Die EU handelt nach US-Darstellung in dieser Hinsicht nicht entschlossen genug. 

Wann geht es los und welche Produkte sind betroffen?

Die Zölle gelten ab Freitagmorgen 06.01 Uhr deutscher Zeit (Mitternacht US-Ostküstenzeit). Ausgenommen sind laut den USA unter anderem Produkte, die bereits bestimmten anderen Zöllen unterliegen, wie zum Beispiel Stahl und Aluminium. Auch Öl und Gas seien nicht betroffen, sagte ein hochrangiger US-Beamter der Deutschen Presse-Agentur. Weitere Ausnahmen gibt es für Waren, die zuvor bereits auf ein Schiff geladen wurden.

Die neuen Zölle kommen aus Perspektive des US-Präsidenten gerade rechtzeitig, um den Wegfall globaler Zölle auszugleichen, für die er nun keine rechtliche Grundlage mehr gehabt hätte. Diese konnte die US-Regierung maximal 150 Tage lang erheben – damit wäre am Freitag Schluss gewesen. 

Die USA hatten seit dem 24. Februar auf die meisten Einfuhren aus dem Ausland einen Zoll von zehn Prozent verlangt. Trump hatte diese in Windeseile verkündet, nachdem der Supreme Court weite Teile seiner vorherigen Zölle kassiert hatte. 

Was ist die gesetzliche Grundlage?

Die neuen Zölle basieren auf dem gleichen Handelsgesetz aus dem Jahr 1974, das die Regierung bereits bei ihren temporären globalen Zöllen herangezogen hatte. Statt auf Paragraf 122 stützt sich Trump nun auf Paragraf 301, der der Regierung die Möglichkeit einräumt, bei nachweislich "ungerechtfertigten, unangemessenen oder diskriminierenden" Handelspraktiken aktiv zu werden. Anders als manche vorherige Ansätze Trumps, Zölle zu verhängen, ist dieser rechtliche Hebel in den USA kein Novum. 

Voraussetzung dafür ist, dass die Regierung zuvor Untersuchungen durchgeführt, Kommentare eingeholt und Anhörungen abgehalten hat. Der Handelsbeauftragte hat nach eigenen Angaben "mehr als 1.600 schriftliche Stellungnahmen zu der vorgeschlagenen Gegenmaßnahme erhalten, geprüft und analysiert", hieß es in der Mitteilung. Zudem hätten mehr als 100 Zeugen bei öffentlichen Anhörungen ausgesagt und Fragen beantwortet. 

Wie schätzen Experten Trumps Zollpolitik ein?

Experten und Ökonomen sehen Trumps Vorgehen kritisch. "Die beispiellose und chaotische Zollpolitik der Trump-Regierung (...) hat der US-Wirtschaft schweren Schaden zugefügt", heißt es etwa in einer Analyse der Denkfabrik Center for American Progress. Grund dafür seien der Umfang und "ihre oft impulsive Umsetzung" gewesen. So hatte Trump oft unangekündigt und mit wenig Tagen Vorlauf neue Zölle angekündigt.

"Sie führten weder zu neuen Handelsabkommen noch zu einem besseren Marktzugang für amerikanische Exporteure", erklärte Ryan Mulholland vom Center for American Progress. Er bemängelte, dass das Handelsdefizit der Vereinigten Staaten im Mai bei 77,6 Milliarden US-Dollar gelegen habe - 41 Prozent höher als zum Zeitpunkt der Zollankündigung.

Experten gehen davon aus, dass vor allem Trumps Landsleute die Leidtragenden sind: Die überparteiliche Denkfabrik Tax Foundation schätzt, dass US-Haushalte im laufenden Jahr im Durchschnitt wegen der Zölle eine Zusatzbelastung von 700 Dollar zu schultern haben - das Tax Policy Center beziffert die Bürde sogar auf 960 Dollar.

Und was ist mit den EU-Exporten in die USA?

Für die meisten Importe aus der EU gilt eigentlich weiter ein Zoll von bis zu 15 Prozent. Dabei handelt es sich um das auch als "Turnberry-Deal" bekannte, bilaterale Handelsabkommen zwischen der EU und den USA. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und Trump hatten sich darauf geeinigt, um einen drohenden Handelskrieg abzuwenden. 

Brüssel machte weitere Zugeständnisse wie die Abschaffung von EU-Zöllen auf US-Industriegüter. Angesichts der impulsiven Politik unter Trump hat die EU zusätzlich ein Sicherheitsnetz eingebaut: Sollten die USA ihre Zusagen nicht vollständig umsetzen oder Absprachen wieder ausgesetzt werden, können auch Zugeständnisse der EU ausgesetzt werden.

Wie ist der aktuelle Stand bei den EU-Ausfuhren?

Bislang hält sich Washington laut Brüsseler Kreisen zumindest in den meisten Fällen an das Abkommen. Für rund 93 Prozent der EU-Exporte in die Vereinigten Staaten fielen Zölle in Höhe von maximal 15 Prozent an, sagte ein EU-Beamter. Bei den restlichen Produkten liege der Satz allerdings höher: Dies sei etwa für Käse zutreffend, der effektiv mit knapp 25 Prozent verzollt werde.

Die Ausfuhren in Richtung USA haben nach Darstellung des EU-Beamten nicht besonders gelitten. "Man sieht die Auswirkungen der von den USA verhängten Zölle nicht wirklich", sagte er. Zwar sei es zu "erheblichen Schwankungen" gekommen – signifikante Auswirkungen seien mit Ausnahme bestimmter Branchen wie der Automobilindustrie allerdings ausgeblieben.

Hinweis: Diese Meldung ist Teil eines automatisierten Angebots der nach strengen journalistischen Regeln arbeitenden Deutschen Presse-Agentur (dpa). Sie wird von der AZ-Onlineredaktion nicht bearbeitet oder geprüft. Fragen und Hinweise bitte an feedback@az-muenchen.de

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