Kunden kaufen weniger Werkzeug und Gartengeräte im Baumarkt
Die Baumärkte haben ein Problem: Die Menschen in Deutschland kaufen zwar weiter Werkzeug, Gartengeräte und Haushaltswaren – nur immer seltener bei ihnen. In den drei wichtigen Teilsortimenten gingen die Umsätze 2025 im Vergleich zum Vorjahr um jeweils etwa vier Prozent zurück, wie eine Auswertung des Handelsverbands Heimwerken, Bauen und Garten (BHB) zeigt. In fast allen Warengruppen schrumpften die Erlöse der Baumärkte im vergangenen Jahr.
Viele Verbraucher weichen bei Produkten für Haus und Garten zunehmend auf preisgünstige Alternativen aus. Sie kaufen bei Ketten wie Action, Thomas Philips und Jysk, auf dem Online-Marktplatz Temu oder bei Aldi und Lidl. Bei den Lebensmitteldiscountern können Kunden beim Wocheneinkauf gleichzeitig Werkzeug, Blumenkübel, Gartenstühle oder Solarleuchten mitnehmen und sich den Weg zum Baumarkt sparen.
"Die Kunden interessieren sich nach wie vor für die Sortimente, kaufen aber immer öfter woanders ein. Viele wollen im Baumarkt kein Geld ausgeben oder können es sich nicht leisten", sagt Branchenexperte Klaus Peter Teipel. Die Discounter seien nicht nur oft günstiger, sondern auch näher. Für Gelegenheitsnutzer reiche die Qualität meist aus. Noch mehr Auswahl gibt es Teipel zufolge bei Anbietern wie Repo, Posten-Börse oder Jawoll. Dort fänden Kunden einen Großteil des üblichen Baumarktangebots zum Discountpreis.
"Budgets flossen verstärkt in Urlaub, Freizeit und Gastronomie"
Für die Baumarktbranche war 2025 ein schwieriges Jahr. Der erhoffte Aufschwung blieb erneut aus. Die Baumärkte und Gartencenter mit mindestens 1.000 Quadratmetern setzten 20,58 Milliarden Euro um und damit preisbereinigt 1,4 Prozent weniger als im Vorjahr. Es ist bereits das dritte Minus in Folge.
Grund sei die Verunsicherung der Verbraucher, sagt BHB-Vorstandssprecher Peter Abraham. "Die Budgets der Kundinnen und Kunden flossen verstärkt in Bereiche wie Urlaub, Freizeitaktivitäten und Gastronomie." Anschaffungen fürs Eigenheim werden hingegen häufig verschoben. Laut Verband ging die Kundenfrequenz zuletzt etwas zurück, höherpreisige Produkte fanden weniger Abnehmer.
Die Baumärkte hatten während der Pandemie - wie die Möbelbranche - starke Zuwächse verzeichnet. "Während der Corona-Jahre investierten viele Haushalte in größere Projekte rund um Haus und Garten, da Reisen lange nicht möglich waren", sagt YouGov-Marktforscher Christian Koch. Anschließend konnten die Baumärkte nicht an die hohen Umsätze der Jahre 2020 und 2022 anknüpfen.
Trendwende beim Bau?
Für das laufende Jahr ist der Branchenverband dennoch vorsichtig optimistisch. Aktuell hellt sich die Stimmung überraschend deutlich auf, heißt es. Mut macht die Entwicklung in den vergangenen Monaten. Nach einem Sommer mit teils langen Regenphasen und schwachen Umsätzen im Herbst zog das Geschäft im Dezember spürbar an. Die Erlöse lagen fast fünf Prozent über dem Vorjahresmonat.
Auch die Baumarktkette Obi zeigt sich zuversichtlich. Die ersten Wochen des Jahres seien vielversprechend verlaufen, sagt eine Sprecherin. Wegen des Winterwetters verkauften sich vor allem Pellets, Streusalz und Frostschutzmittel gut. Besonders wichtig für Baumärkte ist der Frühling, wenn viele Menschen ihre Gärten auf Vordermann bringen. Potenzial sieht der BHB besonders bei Kunden, die sich handwerkliche Arbeiten bislang nicht zutrauen. Hier könnten sich die Händler mit ihrer Beratung als verlässliche Partner positionieren.
Noch etwas stimmt positiv: Die Zahl der Baugenehmigungen ist zuletzt wieder gestiegen. Laut einer Prognose des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) dürfte das Bauvolumen in Deutschland 2026 nach fünf Jahren erstmals wieder preisbereinigt wachsen. Neue Wohneinheiten müssen bewohnbar gemacht und eingerichtet werden - davon könnten die Baumärkte spürbar profitieren. Die Baukrise drückt seit Jahren aufs Geschäft von Obi, Bauhaus & Co. und bremst die Nachfrage nach Baumaterialien und Werkzeugen. Baupreise und Zinsen sind aktuell allerdings weiterhin hoch.
Weniger großer Baumärkte
Laut Branchenverband gab es in Deutschland zu Jahresbeginn 2.004 Baumärkte mit mehr als 1.000 Quadratmetern - 26 weniger als ein Jahr zuvor. Die Zahl der Standorte ist seit längerem rückläufig. Vor zehn Jahren waren es noch mehr als 2.130, 2001 sogar mehr als 2.600. "Die durchschnittliche Verkaufsfläche großer Baumärkte ist seitdem deutlich gestiegen, dafür gibt es weniger Standorte", erklärt Experte Teipel. Einige Großflächenkonzepte seien nicht mehr rentabel zu bewirtschaften.
Stattdessen setzen viele Betreiber auf kleinere Märkte mit weniger als 1.000 Quadratmetern. In diesem Bereich ist Teipel zufolge sogar eine starke Expansion zu beobachten. "Zählt man die Kleinen hinzu, gibt es heute sogar mehr Baumärkte als damals."
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