Kosten für Pflege vom Erbe abziehen?

Mit diesem Vorschlag sorgt der Vorsitzende der Gothaer Versicherung für Aufsehen: Alle Rechnungen, die im letzten Lebensjahr im Krankenhaus oder Heim entstanden sind, sollen vom Nachlass des Verstorbenen abgezogen werden
| AZ, sun
X
Sie haben den Artikel der Merkliste hinzugefügt.
zur Merkliste
Merken
Artikel empfehlen
Der Vorstandsvorsitzende der Gothaer, Werner Görg, hat ein paar Vorschläge zur Eindämmung der hohen Pflege- und Klinikkosten im Alter.
Der Vorstandsvorsitzende der Gothaer, Werner Görg, hat ein paar Vorschläge zur Eindämmung der hohen Pflege- und Klinikkosten im Alter.

Vorschlag: Alle Rechnungen, die im letzten Lebensjahr im Krankenhaus oder Heim entstanden sind, sollen vom Nachlass des Verstorbenen abgezogen werden

Köln - Werner Görg ist in Sorge. Der Chef der Gothaer Versicherung macht sich Gedanken über die deutschen Sozialsysteme, und er kommt – wie andere – zu dem Schluss: Der Umstand, dass wir im Schnitt immer älter werden und in den letzten Jahren unseres Leben oft medizinische Betreuung brauchen, führt zu einer Kostenlawine.

So weit, so bekannt. Jetzt wagt sich Görg mit einem Vorschlag an die Öffentlichkeit, für den er nicht nur Beifall ernten wird: Erben sollten nach dem Tod eines Menschen für dessen Krankheitskosten herangezogen werden, zitiert die „FAZ“ den 57-Jährigen.

„Es wäre eine Überlegung wert, die Kranken- und Pflegekosten des letzten Lebensjahres nach dem Ableben vom Erbe abzuziehen und in die Kassen der Sozialversicherung einzuzahlen“, sagte der Manager. Ihm ist Widerspruch sicher: Denn je nachdem, wie teuer die Behandlung und Pflege des Senioren war und wie groß das Erbe ist, käme Görgs Vorschlag wohl in vielen Fällen einer Enterbung der Nachfahren gleich.

Der Versicherungschef wiederum sieht den Generationenvertrag als gescheitert: Kinder sorgen für Alte, in der Gewissheit, dass ihre Kinder wiederum für sie im Alter sorgen werden – das funktioniere schlicht nicht mehr. Die Geburtenrate – statistisch im Schnitt nur 1,25 Kinder je Paar – reiche nicht aus, um die Bevölkerung zu stabilisieren.

„Aus der demographischen Entwicklung folgt, dass im Jahre 2050 die Beiträge zur Sozialversicherung doppelt so hoch sein müssten wie heute, wenn sich an den wirtschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen nichts ändert.“ Statistiker würden erwarten, dass der Anteil der Menschen an der Bevölkerung, die 80 Jahre und älter sind, im Jahre 2050 bereits 14 Prozent betragen wird. Heute sind es nur fünf Prozent.

Neben einer drastischen Belastung der Erben setzt Görg auch auf Zuwanderung – allerdings nicht nur vor allem, wie bisher, aus Osteuropa „Die demographische Entwicklung ist nicht nur in Deutschland ungünstig, sondern auch in vielen anderen europäischen und asiatischen Staaten“, zitiert ihn die „FAZ“. „Wenn wir langfristig auf Zuwanderung setzen, wird sie daher aus Afrika kommen müssen.“

  • Themen:
Lädt
Anmelden oder registrieren

Zum Login
Zu meinen Themen hinzufügen

Hinzufügen
Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten
Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen
Um "Meine AZ" nutzen zu können, müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen.

Zustimmen
Teilen Artikel empfehlen