Kleine Schrammen beim Ingolstädter Autokonzern

Der VW-Abgasskandal hat beim Tochterunternehmen Spuren hinterlassen  
| Ralf Müller
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Die Vorstände des Fahrzeugherstellers Audi AG, (v. l.) Finanzvorstand Axel Strotbek, Produktionsvorstand Hubert Waltl, Vertriebsvorstand Dietmar Voggenreiter, Entwicklungsvorstand Stefan Knirsch, Vorstandsvorsitzende Rupert Stadler und Personalvorstand Thomas Sigi stehen  kurz vor der Bilanz-Pressekonferenz in Ingolstadt (Bayern) um einen Audi Q2 2.0 TDI quattro.
Die Vorstände des Fahrzeugherstellers Audi AG, (v. l.) Finanzvorstand Axel Strotbek, Produktionsvorstand Hubert Waltl, Vertriebsvorstand Dietmar Voggenreiter, Entwicklungsvorstand Stefan Knirsch, Vorstandsvorsitzende Rupert Stadler und Personalvorstand Thomas Sigi stehen kurz vor der Bilanz-Pressekonferenz in Ingolstadt (Bayern) um einen Audi Q2 2.0 TDI quattro.

Die Audi-Bosse sind vorsichtiger geworden. In diesem Jahr will die VW-Tochter bei Absatz und Umsatz „moderat“ wachsen, sagte Finanzvorstand Axel Strotbek auf der Bilanz-Pressekonferenz gestern in Ingolstadt.

Ingolstadt - Zu Ergebnis und Gewinn sagte er nichts. Vom Ziel, weltgrößter Premium-Autoproduzent zu werden, war auch nichts mehr zu hören. 2015 sind die Bäume des Premium-Autoherstellers nicht mehr so zügig in den Himmel gewachsen wie in den Jahren zuvor. Audi konnte zwar über 1,8 Millionen Fahrzeuge mit den vier Ringen weltweit ausliefern (plus 1,4 Prozent) und den Umsatz um 8,6 Prozent auf 58,4 Milliarden Euro steigern, doch das operative Ergebnis ging um 6,1 Prozent auf 4,84 und das Nachsteuerergebnis um drei Prozent auf 4,3 Milliarden Euro zurück.

Daran war nicht nur der Diesel-Abgasskandal schuld, der auch Audi erfasste. Die Aufwendungen für die Schummelei an den Vierzylinder-Dieselmotoren, die unter der Verantwortung von VW entwickelt wurden, berühren die VW-Tochter allerdings nicht. Audi muss aber für die Folgen ähnlicher Manipulationen an dem von ihr entwickelten Sechszylinder-Dieselmotoren gerade stehen. Dafür hat Audi 228 Millionen Euro an Rückstellungen in die Bilanz 2015 eingestellt – ein Betrag, der bescheiden anmutet. Audi-Vorstandschef Rupert Stadler zeigte sich jedoch überzeugt, dass diese Summe ausreichen wird, um den Audi-Anteil von „Dieselgate“ abzubüßen.

 

Auch der Audi-Chef entschuldigt sich für den Abgasskandal

 

Wie es sich für VW-Chefs in letzter Zeit gehört, entschuldigte sich auch Stadler für das Vorgefallene und versicherte: „Wir bringen das in Ordnung“. Viel mehr aber wollte der Audi-Chef dazu nicht sagen. Die VW-Mutter hat die Chefs dazu verdonnert, bis zum aufklärenden Auftritt von VW-Vorstandschef Matthias Müller Ende April zu den Ergebnissen der Aufklärungsarbeit eisern dicht zu halten.

Der „Sondereffekt“ „Dieselgate“ sorgte dafür, dass die operative Umsatzrendite – eines der wichtigsten Kennziffern für die Rentabilität eines Unternehmens – im vergangenen Jahr mit 8,3 Prozent der unteren Grenze des vom Vorstand angestrebten Korridors (acht bis zehn Prozent) gefährlich nahe gekommen ist.

Berichterstattung aufgebauscht: VW-Chef Müller beklagt

 

China ist nach wie vor der wichtigste Einzelmarkt für Audi

 

Diese Kennzahl soll sich 2016 wieder verbessern. Man sei gut ins neue Jahr gestartet, sagte Finanzvorstand Strotbek. Richten sollen es einmal mehr zahlreiche neue Modelle, für deren Markteinführung 2015 überproportional viel Geld ausgegeben wurde, sowie eine Verbesserung der Absatzzahlen in China. China ist der wichtigste Einzelmarkt für Audi. Dort hatten die Ingolstädter 2015 erstmals seit Jahren einen leichten Rückgang um 1,4 Prozent auf knapp 571 000 verkaufte Autos hinnehmen müssen. Man habe sich bewusst für ein „Konsolidierungsjahr“ entschieden, so der neue Audi-Verkaufsvorstand Dietmar Voggenreiter.

Die Stagnation in China konnte Audi mit Zuwächsen in den USA (plus 11,1 Prozent auf 202 000 Fahrzeuge), Deutschland (plus 5,7 Prozent auf 270 000 Autos) sowie anderen Ländern Europas und Südkorea mehr als ausgleichen. In diesem Jahr setzt Audi auf einen Wachstumsschub durch den neuen Kompakt-SUV „Q2“ und die Eröffnung eines Werkes in Mexiko, in dem zunächst das Erfolgsmodell „Q5“ produziert werden soll.

Wie sicher sich Audi ist, dass es trotz der leichten Kratzer im Premium-Lack des Jahres 2015 weiterhin aufwärtsgeht, zeigt die Personalpolitik des Unternehmens: Für das neue Werk in Mexiko wurden 2000 neue Mitarbeiter eingestellt, teilte Audi-Personalvorstand Thomas Sigi mit. Die Zahl der Mitarbeiter allein in Deutschland sei 2015 um etwa 4000 gewachsen und werde sich auch 2016 erhöhen. Das erkläre auch die gesunkene Ergebnisbeteiligung für jeden Mitarbeiter von im Schnitt 5420 Euro. Insgesamt arbeiten derzeit etwa 85000 Menschen weltweit für den Audi-Konzern.

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2018 wird der erste vollelektrische Großserien-Audi gebaut

 

Für die nähere Zukunft hat Audi viele hochtechnologische Pläne. Wer beim Antrieb jetzt noch ausschließlich auf „fossil“ setze, drohe selbst „zum Fossil zu werden“, sagte Konzernchef Stadler. Der erste voll-elektrische Großserien-Audi mit einer Reichweite bis zu 500 Kilometern werde 2018 in Produktion gehen.

Schon 2017 soll es einen A8 zu kaufen geben, der pilotiertes Fahren bis zu Tempo 65 ermöglicht. Die nahe Zukunft des Car-Sharing stellt sich Stadler in Form einer „App“ vor, mit der sich der Kunde zu jeder Zeit per Knopfdruck das gewünschte Auto an den gewünschten Ort liefern lassen kann.

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